Als Jan Liedtke sich bei uns meldete, war sofort klar: Das wird der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Denn was kann sich ein Verlag Schöneres wünschen, als dass ein Lehrer so begeistert von einem Spiel ist und so viel lohnendes Potenzial in Form und Inhalt für seine Schüler sieht, dass er es zum Lehrinhalt machen möchte? Darum haben wir natürlich sofort unsere Unterstützung für sein Seminar am Erasmus-Grasser-Gymnasium zugesagt, in dem es um das praktische Erleben der Redaktionsarbeit geht. Im Nachfolgenden stellen Jan und seine Schüler Luise, Lukas, Walter, Timo, Moritz, Robert und Gerhard ihr Seminarprojekt vor.
Wir freuen uns stets über Anfragen dieser Art und unterstützen sie gerne mit Materialien und Informationen. Nachwuchsförderung, so schwierig sie sich im Rollenspielbereich gestaltet, war und ist uns ein großes Anliegen und auf die Art, wie sie Jan angeht, kann sie unserer Überzeugung nach gut gelingen.
André Wiesler freut sich unter feedback@ulisses-spiele.de auf weitere spannende Projekte.
Was ist eigentlich ein P-Seminar?
Jan: Das P-Seminar ist eine Besonderheit im bayerischen Schulsystem, das erst seit der Einführung des achtjährigen Abiturs vor drei Jahren existiert, also brandneu ist. Es handelt sich um eine Art verpflichtendes Wahlfach, unabhängig von irgendeinem Lehrplan, in dem man einen Einblick in eine bestimmte Arbeitswelt erhält, in unserem Fall redaktionelle Verlagsarbeit. Statt des klassischen Vermittelns von Wissen wird an einem bestimmten Projekt das Erlernen von Arbeitsweisen aus dem Berufsleben und Informationen über Studium, Ausbildung und Beruf aufgehängt. Deswegen heißt es ja auch Projekt-Seminar. Nicht mehr jeder Abiturient studiert, viele treten nach dem Abitur direkt ins Erwerbsleben ein, und für diese jungen Erwachsenen ist eine solche Orientierung besonders wichtig. Das Gegenstück zum P-Seminar ist übrigens das W-Seminar, in dem wissenschaftliches Arbeiten trainiert wird, und das damit besonders auf das Studium vorbereitet.
Wo ist der Unterschied zum normalen Unterricht?
Lukas: Der Unterricht im P-Seminar findet in kleineren Gruppen statt, wir sind z. B. insgesamt nur zehn Schüler, und ist von den Arbeitsformen sehr stark an der Praxis des zukünftigen Berufslebens orientiert, z. B. hinsichtlich Projekt- und Teamarbeit. Außerdem werden P-Seminare häufig im Kontakt zur freien Wirtschaft, in unserem Fall Ulisses Spiele, oder komplett durch außerschulische Experten durchgeführt. Das entlastet die Lehrer ein Stück weit und ist für die Schüler authentischer; man spricht nicht über die Berufswelt, sondern mit ihr.
Was versprichst du dir von einem solchen Seminar?
Walter: Ich will Erfahrungen in der Projektarbeit sammeln, da diese später im Beruf große Bedeutung haben wird. Außerdem bietet mir dieses Seminar einen Zugang zur Welt des Schwarzen Auges, den ich gesucht habe, und ich kann mein privates Interesse für das Schreiben und für Fantasy mit der Schule verbinden.
Luise: Ich verspreche mir von dem Seminar, dass es mir dabei hilft, herauszufinden, was ich konkret nach der Schule machen möchte. Des Weiteren erwarte ich, dass mich das Seminar, zumindest bis zu einem gewissen Grad, auf das Berufsleben vorbereitet.
Welche Fähigkeiten/Kompetenzen kann so ein Seminar deiner Meinung nach vermitteln?
Moritz: Es werden vor allem Soft Skills vermittelt sowie der Aufbau und die Durchführung eines Projektes inklusive Einhaltung von Deadlines, arbeitsteiliges Arbeiten, ständige Kommunikation per Mail oder in Sitzungen. Aber auch andere Fähigkeiten, wie das Verfassen eines Lebenslaufes, die richtige Auswahl eines Stellenangebots oder das Verhalten während eines Bewerbungsgespräches werden trainiert, schließlich ist Berufsorientierung der zweite wichtige Inhalt neben dem eigentlichen Projekt. Wir werden auf Jobmessen oder ins BIZ geschleppt, erhalten Bewerbercoachings von externen Partnern, solche Sachen.
Luise: Das Seminar trägt auf jeden Fall dazu bei, das Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Bestimmte Termine müssen eingehalten und wahrgenommen werden, wie z. B. der Besuch eines Vortrages. Eine weitere Fähigkeit, die vermittelt wird, ist Teamfähigkeit: Zusammen mit seinen Seminarpartnern muss man gemeinsam ein Ziel erreichen und das kann man nur, wenn man zusammen arbeiten und sich aufeinander verlassen kann.
Was machst du in deinem P-Seminar konkret? Wie soll das Produkt aussehen?
Moritz: Die Aufgabe eines jeden Schülers ist es, einen Teil einer Publikation für Ulisses zu entwickeln. Konkret sprechen wir über mehrere kurze Das Schwarze Auge-Abenteuer im Umfang zwischen 30.000 und 75.000 Zeichen, die in den Dunklen Zeiten spielen und idealerweise in einen losen Zusammenhang gestellt werden können.
Warum hast du dich für dieses Seminarthema entschieden?
Robert: Ich z. B. spiele, seit ich acht Jahre alt bin, leidenschaftlich MUDs (Multi-User-Dungeons), also textbasierte Rollenspiele für den Computer. Zudem programmiere ich nun seit ca. zwei Jahren selbst an einem MUD mit. Und da der Schritt von MUDS zu Pen&Paper nicht so groß ist, lag die Entscheidung relativ nahe.
Welche Erfahrungen hast du schon mit Rollenspielen gemacht?
Walter: Angefangen habe ich eigentlich mit PC- Rollenspielen. Das Spiel Drakensang hat mich dabei wegen seiner schönen Spielwelt und seiner vielen Möglichkeiten zur Charakterentwicklung besonders fasziniert. Dadurch erfuhr ich dann von dem Pen&Paper Spiel Das Schwarze Auge, das mir wegen seiner lebendigen Spielwelt und seiner noch diffizileren Möglichkeiten zur Charaktergestaltung noch besser gefiel.
Hast du irgendwelche „literarischen Vorbilder“, d. h. Autoren, Genres oder bestimmte Romane, die dich so beeindruckt haben, dass du die Themen verarbeiten willst?
Lukas: Ich mag ältere Sci-Fi-Romane wie die Drachenreiter von Pern-Saga von Anne McCaffrey, natürlich den Herr der Ringe, aber auch die Zamonien-Romane von Walter Moers und den Bannsängerzyklus von Alan Dean Foster wegen des Schreibstils.
Gerhard: Mir haben Bernhard Hennens Elfen-Zyklus und Markus Heitz’ Zwerge sehr gut gefallen. Beide sind ja auch mit Das Schwarze Auge bzw. Ulisses gut bekannt, von daher ist das, glaube ich, eine gute Basis.
Timo: Ein wirkliches Vorbild ist Sergej Lukianenko, der es z. B. in Die Wächter der Nacht schafft, eine brillante Story zu erzählen, dabei nicht auf Witz zu verzichten und noch komplizierte ethische Fragestellungen zu erörtern, mit denen die Charaktere im Buch sich ebenfalls auseinandersetzen: Was ist eigentlich gut, was ist böse? Kann Gutes auch böse sein oder umgekehrt?
Gibt es irgendeine Region Aventuriens, die es dir besonders angetan hat?
Gerhard: Das Horasreich hat es mir in Das Schwarze Auge besonders durch sein Mantel-und-Degen-Flair, seine fortgeschrittenere “Technologie”, seine stilistische Anlehnung an Italien und Frankreich zur Zeit der Renaissance und des Barock angetan.
Warum ausgerechnet Ulisses?
Jan: Als größtem deutschen Rollenspielverlag und Marktführer in Deutschland lag es nahe, bei Ulisses anzufragen, ob der Verlag die Rolle unseres externen Partners übernehmen will, und die Aufgeschlossenheit gegenüber unserem Vorhaben hat uns total überwältigt. Für Schülerprodukte Verlage zu finden, ist traditionell schwierig, zwei Wörter killen für gewöhnlich die Kommunikation mit jedem Verlag: Das eine ist „Autorenkollektiv“, das andere „Schüler“. Bei Eichborn ist 2002 Vier Tage währt die Nacht erschienen, ein Gruselkrimi von Schülern im Stile eines romantischen Schauerromans, der aber unter dem Pseudonym Dorothea S. Baltenstein veröffentlicht werden musste, weil der Verlag fürchtete, niemand werde ein Schülerprodukt kaufen. Von daher freuen wir uns sehr, dass die Mitarbeiter von Ulisses sich nicht nur gegenüber etwaigen Veröffentlichungen aufgeschlossen zeigen, wenn die Schülerprodukte denn gut genug sind, sondern v. a. auch den Arbeits- und Schreibprozess die ganzen anderthalb Jahre durch ihre Redaktion begleiten und mit Tipps, Feedback und Material helfen, wo sie können.
Warum ausgerechnet die Dunklen Zeiten?
Jan: Aventurien ist schon sehr dicht beschrieben und hat eine konsistente Zeitlinie, die beachtet sein will. Da man nicht bei allen Seminarteilnehmern die gleiche Vertrautheit mit der Welt und ihrer Geschichte erwarten darf, bieten sich die Dunklen Zeiten an, weil sie solche Unvertrautheit mit den Details der Zeitlinie eher verzeihen. Ich glaube auch, dass das eines der Hauptziele dieses Settingangebots ist, und wir wollen zeigen, wie man ohne zu große Fokussierung auf die Timeline mit einfachen Mitteln eine Region als Abenteuerschauplatz erschließen und zum Leben erwecken kann.
Wir werden das Projekt auch hier im Blog weiter begleiten.







Vor einiger Zeit konntet ihr uns euren Tipp schicken, wo die Mortis-Reihe von Mike Krzywik-Groß wohl weitergeht, die mit