Raumhafen Adamant – Ratschlag 3

April 12th, 2010 von André Wiesler
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Milkam hätte die Augen zugekniffen, wenn sein Körper diese Funktion besessen hätte, aber so blieb ihm nur übrig, dem hellen Blitz entgegenzublicken, der auf ihn niederraste – und dann an einer unsichtbaren Barriere unmittelbar vor seiner Brust abprallte.
Milkam, Sareil, ihr müsst etwas tun!, hörte er die wahre, warme Stimme seines Erzeugers in seinem Kopf. Sie klang fürchterlich schwach und zittrig. Girbal hatte seine psionische Kraft eingesetzt, um ihn zu retten. Jetzt müsste Milkam handeln, um seine Familie zu retten.

Die Vulbrina blickte verwundert auf die Waffe in ihrer Hand und das gab Milkam die kurze Verschnaufpause, die er brauchte. Er richtete sich auf und zog die Frau zu sich herunter, dann hob er den defekten Arm. Die Metallgliedmaße regte sich nicht, aber aus dem Loch schoss ein Geysir kochender Flüssigkeit und traf die Angreiferin im Gesicht.
Die bäumte sich kreischend auf, und in diesem Moment handelte auch Sareil. Sein unglaublich beweglicher Roboterkörper zog die Beine an und trat gegen die Waffe des Hakhasu, der über ihm stand. Die Wucht trieb den Giganten herum und der Schuss der Kanone löste sich, raste durch die Gasse und schleuderte die kreischende Vulbrina von Milkam herunter.
Milkam riss den anderen Arm hoch und fing die Diffusorpistole aus der Luft, die der Davongeschleuderten aus der Hand gesegelt war. „Auf Wiedersehen, Schnecke“, sagte er grimmig.

Der Hahkasu grunzte wütend und schlug mit dem Gewehrkolben nach Sareil, doch der schaffte es, sich zur Seite zu rollen. Dann schoss Milkam dem Söldner in den Rücken. Der Diffusorstrahl brauchte einen Augenblick, um sich durch die dicke Panzerung des Halsabschneiders zu brennen, aber dann fraß er sich in sein Fleisch. Der Kerl wirbelte herum und feuerte seine erneut geladene Druckkanone ab. Der Treffer warf Milkam von den Beinen, zermalmte die Waffe in seiner Hand und beulte die Brustplatte ein. Es war, als sei Milkam vor einen unsichtbaren Hochgeschwindigkeitsgleiter gesprungen.

Er überschlug sich einige Male polternd, dann landete er auf etwas Weichem. Er brauchte einige Augenblicke, um zu erkennen, dass es die Leichen der Grilbenier waren. Hastig sah er sich um, fand eine Laserpistole und wollte sie aufheben. Nur hatte auch sein anderes Schultergelenk etwas abbekommen und er bekam den Arm nicht mehr hoch.

Entsetzt sah er zu Sareil, der in diesem Moment auf den Schultern des Hakhasu landete, seine Oberschenkel um den Kopf schlang und ihm mit einem Rück das Genick brach.

Milkam stieß einen triumphierenden Schrei aus, doch dann erfüllte ein rötlicher Schein die Gasse, erklang das Brüllen einer plötzlichen Flamme und als er den Blick herumriss, sah er noch eine Wolke verdampfter Nährflüssigkeit aufsteigen. Er folgte ihr mit einem eisigen Gefühl im Magen bis zu ihrem Ursprung. Der Rand des von der Thermomachete geteilten Roboterschädels seines Erzeugers glühte noch. Der gekochte, verdrehte Leib Girbals rutschte heraus auf den Boden und wirkte neben dem schweren Stiefel des Angreifers winzig.
Der K’schigote hob mit einem gemeinen Lachen den Fuß.

Flieht, ihr Narren!, hörte er die angestrengte Stimme seines Erzeugers in seinem Kopf. Dann folgte das Bild eines Fleutar, dessen gelbe Wulste sich beinahe wie drei Kreise um seine Nase zogen.

„Nein!“, schrie Milkam, wollte die Arme hochreißen, doch sein Körper verweigerte den Dienst.

In diesem Moment sauste der Stiefel des K’schigoten hinab, und sein Erzeuger war nicht mehr.

Milkam wurde schwindelig, als die Verbindung, dieses feine, manchmal kaum spürbare Band abriss, das ihn seit seiner Geburt mit dem Wesen verbunden hatte.

Der K’schigote drehte sich um und zeigte mit der Machete auf Milkam. „Und jetzt zu euch!“

Milkam brüllte eine unartikulierte Herausforderung, schlug seine Schulter gegen die Wand, um sie wieder beweglich zu machen, und schaffte es tatsächlich, den Arm zu heben.

Der K’schigote lachte mit vollem Sackeinsatz und lief auf Milkam los. Der hob die Laserpistole und schoss auf den Mörder, aber die Waffe gab nur ein leises Quietschen von sich. Die andere Hand des Mannes präsentierte eine Fernbedienung. „Alle deaktiviert“, lachte er und forderte: „Wirst dich schon Mann gegen glitschiger Wurm mit mir messen müssen!“

Milkam brüllte frustriert und schleuderte die Waffe auf seinen Angreifer, der sie achtlos aus der Luft schlug. Trotz der unglaublichen, ohnmächtigen Wut in seinem Inneren war Milkam bewusst, dass er diesen Veteranen nicht im Nahkampf besiegen konnte.

Der K’schigote wurde schneller, pumpte Luft für ein Kampfgeheul in seinen Sack und holte mit der Machete aus, den Finger auf dem Knopf, der sie in Sekundenbruchteilen bis zur Weißglut aufheizen würde.

Milkam spürte die Leere, die der Tod seines Vaters hinterlassen hatte, aber er spürte auch noch etwas anderes: eine Art drückenden Gefühls unter seinen Augenstilen. Er kannte diesen Druck – es war sein verkümmertes PSI-Talent. Er konzentrierte sich darauf, ignorierte den K’schigoten und dann … hob er den Roboterarm und drückte den Starthebel des Antigrav-Motorrads, das er aus dem Augenwinkel sah, nur mit der Kraft seiner Gedanken ganz nach vorne. Im selben Augenblick ließ er sich fallen.

Das Gefährt schoss über ihn hinweg, kurz lastete das Antigra-Feld schwer auf seinem Rücken, dann gab es einen lauten Knall, als das Fahrzeug den Mörder erfasste und einen weiteren, als es ihn in die Wand rammte.

Milkam übertönte das Poltern der Trümmer mit einem lauten Schrei und stürmte dem Fahrzeug hinterher. Aber als er die halb eingestürzte Wand erreichte, verklang sein Schrei. Das Fahrzeug hatte auch Sareil mit sich gerissen, der nun neben dem K’schigoten eingequetscht war. Milkam sprang zu ihm, rüttelte an seinem Kopf, rief seinen Namen. Aber er reagierte nicht.

Narbatur riss die Hände hoch und bekam das Handgelenk des Verrückten zu fassen, aber der war grotesk stark, zwang die Scherbe immer weiter bis zu seinem Hals.

Narjanka hatte seine Laserpistole gezogen, angelegt und rief: „Soll ich schießen?“

Narbatur blickte in den schimmernden Lauf der Waffe und keuchte: „Nein!“

„Ich kann ihn treffen!“

„Nein!“, wiederholte Narbatur, denn der Angreifer mochte verrückt sein, aber dumm war er nicht, sondern hielt sich immer hinter seiner Geisel in Deckung.

„Soll ich?!“

„Nein!“, stöhnte Narbatur, der einsehen musste, dass der Angreifer ihm überlegen war. Also riss er die Hand mit einem Ruck nach unten, damit die Scherbe nicht direkt an seiner Kehle lag, ließ los und schoss mit seiner Bogenschlagwaffe auf sich selbst. Der blaue Lichtbogen schlug aus der Spitze, zuckte als krampfender Schmerz seinen Arm und Hals entlang und pflanzte sich dann in den Körper des Angreifers fort. Einige Augenblicke zuckten sie beide im Takt, dann wurde es schwarz um Narbatur.

Wird fortgesetzt …

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2 Antworten zu “Raumhafen Adamant – Ratschlag 3”

  1. [...] ist der dritte Teil meiner Raumhafen-Adamant-Fortsetzungsgeschichte “Ratschlag” im Ulisses-Blog online [...]

  2. [...] ist der dritte Teil der Raumhafen-Adamant-Fortsetzungsgeschichte “Ratschlag” im Ulisses-Blog online [...]