Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.
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Narbatur trat Tera das Lasergewehr im letzten Moment aus der Hand. Die Waffe überschlug sich, wurde von dem Blitz getroffen und zerbarst in Tausend winzige, glühende Funken, die wiederum gleißende Energiefinger anzogen. Narbatur spürte die Hitze der Explosion wie einen Schwall heißen Wassers im Gesicht und riss schützend einen Arm hoch. Das wird ein Sonnenbrand, dachte er und stützte die erschrockene Tera.
„Plan B also“, sagte Gosen, nachdem er sich vergewissert hatte, dass alle mit einem Schrecken davongekommen war. „Waffen weg!“
Milkam gehorchte sofort, aber Narbatur zögerte, bis Alpha an seiner Hose zupfte. Er blickte hinab und der Klon ahmte mit den kleinen Händen eine Explosionswolke nach. „Bumm!“
Narbatur seufzte und warf seine Waffe ebenfalls beiseite.
„Und jetzt?“, fragte Milkam.
„Schnappen wir ihn uns auf die altmodische Tour!“, gab Gosen vehement zurück und ließ die Faust in die Handfläche klatschen.
Der Kommandant machte einen Schritt über die Schwelle, in den Raum hinein, und sofort glitt ein Teppich blitzender Energie über den Boden auf sie zu. Gosen zog den Fuß zurück und die kleinen, schimmernden Blitze kletterten den Türrahmen hinauf, verwoben sich zu einem unsteten Gitter aus fingerdicken, zuckenden, tödlichen Lichtfäden.
„Das ist seltsam“, sagte Alpha und legte den Kopf schief.
Da fiel es Narbatur wie Schuppen von den Augen. „Das sind keine zufälligen Entladungen. Er steuert die Energie!“
Mal sehen, wie dir deine eigene Suppe schmeckt, dachte Narbatur und baute sich breitbeinig vor dem Durchgang auf, schloss die Augen und hob eine Hand, um seine psionischen Energien zu konzentrieren. Morgen, wenn es ein morgen gab, würde er sich dafür verfluchen, aber es half nichts. Er tauchte tief in sich ein und begann die Energie zu spüren, unglaubliche Mengen Energie. Er kam sich vor, als wolle er den Lauf eines Flusses mit einem Eimer umlenken.
„Macht euch bereit!“, sagte er und ballte die Faust, nutzte diese Geste, um seine Konzentration auszusenden, und in die Energie einzutauchen.
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Gosen warf Narbatur einen verwunderten Blick zu, aber dann sah er, wie der Fauststoß des Sicherheitsmannes eine unsichtbare Druckwelle durch die blitzende Barriere schob, die sich durch den Raum weiter fortsetzte. Wie ein Antigrav-Feld schob das psionische Talent des Mannes die Energie aus dem Weg, leitete sie um, bis sich ein Tunnel aus gleißendem Licht bildete. Immer wieder schlugen Blitze zwischen den Wänden über oder leckten aus der Decke und tanzten sekundenlang über den Boden, aber mehr durften sie wohl nicht erwarten. Und ein Seitenblick auf das angestrengte Gesicht des jungen Mannes machte klar, dass er ihnen nicht viel Zeit würde erkaufen können. „Los!“, rief er und stürmte in den Raum. Gamma war sofort an seiner Seite, flitzte mit einem quiekenden Kampfschrei neben ihm her.
Alpha schob Beta vor sich in den Raum, neben Milkam, über dessen metallenen Körper immer wieder etwas Kriechstrom floss. Dass sein Bruder aber auch immer so ängstlich war. Er sah sich gerade zu der Menschenfrau um, als ein lautes Klicken seinen Blick nach oben riss. Ein schweres Sicherheitsschott setzte sich in Bewegung.
„Tür!“, schrie Alpha und die Frau reagierte sofort. Sie wirbelte herum, schob Narbatur durch die Tür und sprang hinterher. Das riesige Schott sauste hinab und traf den Fuß der Frau, zerquetschte ihn zu einem Platten Stück Leder.
Beta schrie – die Frau nicht. Alpha sah sie beeindruckt an, aber da erhob sie sich und schlüpfte aus dem Stiefel, den das Schott erwischt hatte.
„Glück gehabt“, sagte sie leichthin und lief los.
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Gosen sah sich nicht um, als ein schweres Schott donnernd den einzigen Ausgang aus dem Raum versperrte. Alles zu seiner Zeit. Jetzt musste er erst einmal einem psionisch begabten Wurm den Schleim aus der Birne klopfen.
Er hatte den Jasa Apokato erreicht, der ihn um gut zwei Köpfe überragte, dabei aber deutlich dünner war. Er trug die Uniform eines Adamant-Sicherheitsmannes, und das machte Gosen noch wütender. Er sprang, stieß sich an einem Generatorsockel ab und flog auf den Mann zu. Der machte keine Anstalten, sich zu wehren, weswegen ihn schon der erste Schwinger zu Boden riss. Gosen landete kniend auf seiner Brust und schlug erneut zu. Der Kopf des Ermittlers wurde herumgerissen.
Gamma zog das Hosenbein des Mannes hoch und biss ihm in die Wade, was keuchende Laute des Schmerzes bei dem Gegner hervorrief.
Nein, dachte Gosen mit wachsendem Unbehagen. Das ist ein Lachen!
Etwas neben seinem Ohr fing an, schrille, kurze Piepstöne auszustoßen. Er drehte den Kopf und sah auf eine automatische Energiekopplung, deren Timer gerade auf Null umschaltete. Die Relais wurden umgelegt und das laute Summen der Energiespeicher wurde zu einem ohrenbetäubenden Brüllen. Der Energiekern verschluckte den letzten Rest Zhagur wie ein Mensch einen Drink auf SchanSol und das Innere der Speicher glühte auf.
„Verdammt!“, stöhnte Gosen und schloss die Augen.
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Milkam lief hinter Gosen her, warf dabei aber immer wieder skeptische Blicke auf das Dach aus lichtgewordener Energie. Wenn ihn einer von diesen Blitzen traf, würde sein Körper sich augenblicklich ausschalten. In diesem Moment brüllten die Speicher auf und eine Welle gleißender Energie sprang auf ihn über, so heiß und tödlich, dass seine Hand verdampfte, als der Strom seinen Körper traf.
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Narbatur war sich nur entfernt der jungen Frau bewusst, die ihn stützte. Er konzentrierte sich ganz darauf, die wütende Energie von seinen Gefährten fernzuhalten. Sein Kopf drohte mit jedem weiteren Blitz, der sich seiner Kontrolle entziehen wollte, zu platzen. Er fing eine Sturmflut in einem Plastikbeutel auf, aber noch gelang es ihm. Da spürte er, noch bevor seine anderen Sinne es wahrnahmen, das Aufpeitschen der Energie, das Anschwellen des Stroms zu einer Sintflut. Und dann schlugen die Blitze ein.
„Nein!“, schrie er, tauchte so tief in sein Inneres, wie nie zuvor, so tief, dass er nicht sicher war, ob er jemals wieder würde zurückkehren können, und warf sein ureigenstes Selbst gegen die Kräfte an.
Und doch reichte es nicht. Strom erfüllte den Raum, umhüllte seine Freunde und dann auch ihn. Schmerz peitschte durch seinen Körper und seine Muskeln verkrampften sich. Ich habe versagt, dachte er noch, dann … nichts mehr.


