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Raumhafen Adamant – Ratschlag 9 + 10

Dienstag, 27. Juli 2010
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9

 Ein Piepsen aus dem Monitor des Spektrographen (Gerät zur mehrdimensionalen Spektralanalyse) verriet, dass die Daten endlich eintrafen. Alpha und Beta (sentralitische Klone, fast fünf Jahre alt, Erweiterung des Lebenszeitraums beantragt) sprangen von dem improvisierten Brettspiel (Freizeitgestaltung mit Figuren und festgesetzten Regeln) aus Reagenzgläsern, Stopfen und Tupfern auf und Gamma folgte ihnen. Er hatte zwar keine Ahnung, was da so wichtig war, aber er folgte seinen Brüdern stets überallhin. Meist wurde es dann spannend. Jetzt starrten sie wie gebannt auf einen Balken (Downloadstatus, beendet bei 100 Prozent), der langsam immer länger wurde. Nach einer Weile wurde das sehr langweilig und Gamma ging lieber zu dem Mann (Mensch, männlich, schlechter Allgemeinzustand) herüber. Irgendjemand hatte seinen Kopf versteckt, und Gamma beschloss, ihn zu suchen, damit er sich mit dem Mann unterhalten konnte. Ohne Kopf ging das ja bei Menschen nicht (Homo Sapiens Sapiens erzeugt Laute durch die Zusammenarbeit von Atmung und Stimmbändern).

Er durchwühlte den Mülleimer, sah in jeden Schrank, aber der Kopf war nirgendwo zu finden. Da ging die Tür auf und Gosen (Kommandant des Raumhafen Adamant, Fleutar, einziges Individuum der Spezies ohne Naniten) kam herein. Gamma jauchzte auf, rief: „Papa!“, und lief zu ihm hinüber. Aber der Fleutar nahm ihn nicht auf den Arm, tätschelte ihm nur abwesend einmal den Kopf und fragte: „Was wird das denn hier?“

„Milkam ist beschäftigt. Wir vertreten ihn“, erklärte Alpha.

Gamma lehnte sich an Gosens Bein und forderte: „Arm!“

Gosen schob ihn mit dem Knie beiseite und sagte: „Nicht jetzt. Ich habe euch schon mehrfach gesagt, dass ihr nicht qualifiziert seid. Ihr habt keine K-Einstufung.“

(Kebill-Einstufung, Rang- und Fähigkeitseinordnung von 1 bis 12 im jeweiligen Fachgebiet)

Gamma lehnte sich erneut an sein Bein, aber Beta rief genervt: „Gamma!“

(sentralitischer Klon, Alter: gerundet 5 Jahre, biologische Datenbank, defekt, eingeschränkte Zerebralfunktionen, unkontrollierbare Informationsfreigabe)

Gamma schüttelte den Kopf, um die Informationskaskade über seine eigene Person zu stoppen, bevor sie zu umfassend wurde und er sich in ihr verlor.

„Wir sind mehr als qualifiziert. Ich besitze das Wissen von mehreren Dutzend Ärzten und …“, wandte Alpha ein.

„Schluss!“, blaffte Gosen und Gamma erschrak. „Wisst ihr, was das Konsortium mit mir macht, wenn ich hier medizinisches Personal ohne Freigabe arbeiten lasse? Ihr verschwindet sofort hier.“

Gamma wich vor Gosen zurück. Sein Gesicht war ganz böse und er wies mit dem Finger zur Tür.

„Gleich, wir müssen nur eben …“, setzte Beta an, wurde aber von Gosen unterbrochen: „Raus! Doktor Simli übernimmt.“

(Grilbenische Ärztin, K-6, Fachrichtung: Verletzungen und Brüche)

Gamma strich Gosen übers Bein und sagte: „Nicht bös sein, Papa!“

„Gamma, verdammt, das gilt auch für dich. Alle raus hier! Ich habe die Nase voll von eurem Unfug!“ Gosen schrie jetzt regelrecht. So wütend hatte Gamma ihn noch nie erlebt. Es war fast, als wäre er ein anderer Fleutar. Gamma wich zurück und spürte Alphas und Betas Hand in seinen. Sie führten ihn mit grimmigem Blick an Gosen vorbei, der auf sie hinabfunkelte.

Kaum schloss sich die Tür hinter ihnen, schluchzte Gamma auf. Tränen liefen ihm über die Wangen und tropften von seinen Lippenfasern auf seinen Overall. Warum war Gosen so gemein?

„Ich hab gar nichts gemacht“, presste er zwischen Schluchzern hervor und Beta streichelte seinen Kopf. „Nein, Gamma, das hast du nicht.“

„Wir brauchen diese Ergebnisse“, sagte Alpha leise und sah sich über die Schulter um. „Und wir holen sie uns, ob es Gosen passt oder nicht.“

Narbatur blickte auf seinen Kollegen, der wütend auf- und abstampfte. Seine verletzte Ehre, sein zerdepperter Gleiter und seine kulturelle Inflexibilität hielten ihn seit mehr als einer Stunde auf Trab.

Hinter der kräftigen Gestalt des Hakhasu befand sich ein Einweg-Spiegel und im Raum dahinter saß die Gefangene in Handschellen an einem Tisch.

„Soll ich lieber allein mit ihr sprechen?“, wagte er sich vorzuschlagen und Narjanka wirbelte herum. „Wieso?“, blaffte er. „Stör ich den Herrn Supersicherheitsmann bei seiner Arbeit?“

„Nö“, sagte Narbatur und zwang sich, von der Aggressivität nicht angesteckt zu werden. „Aber im Moment habe ich Angst, dass du ihr den Kopf abreißt.“

Der Mann blieb wie vom Blitz gerührt stehen und sah ihn ungläubig an. „Ich würde niemals eine Frau schlagen.“

„Gut zu wissen“, sagte Narbatur und nickte zur Scheibe. „Und was hat sie so Schlimmes angestellt?“

„Sie ist eine Frau.“

Narbatur machte eine auffordernde Handbewegung und sein Gegenüber fuhr fort: „Frauen bleiben zuhause, hüten die Kinder, kochen, so was. Sie bauen keine Häuser und ganz sicher dealen sie nicht!“

„Das ist aber ziemlich … konservativ?“, wandte Narbatur ein.

„Unfug, das ist die Ordnung der Dinge! Wenn ich eine Frau bin, halte ich mich doch auch daran!“

Narbatur stutzte kurz, dann fiel ihm wieder ein, dass Hakhasu alle zehn bis zwanzig Jahre das Geschlecht wechselten.

„Wie dem auch sei … das mit den Drogen können wir ihr vorwerfen, das mit dem Job nicht. Hier herrscht Kebill-Recht.“

„Jaja“, sagte Narjanka und winkte ab, hatte sich aber etwas beruhigt.

„Wollen wir dann?“ Narbatur trat zur Tür, die in das Verhörzimmer führte und sein Kollege nickte.

„Lass mich raten, ich mache den guten Bullen.“ Das entlockte Narjanka ein Lächeln.

Sareil folgte dem Raumflug-Angestellten durch die gesicherte Personalschleuse in die hinteren Bereiche des Ankunftsbereiches. Auch hier war das meiste kebill-typisch in Weiß gehalten, aber die Beleuchtung war greller, der Geräuschpegel durch die Maschinen und Verladeroboter deutlich höher und der Boden nicht ganz so sauber. Hinter den Kulissen drehte es sich beim Konsortium eben doch vorrangig um Effektivität und nicht um Wohlgefühl. Schon gar nicht bei den schlecht bezahlten Arbeitern hier.

Es tat gut, etwas zu unternehmen, daran zu arbeiten, Girbal rächen zu können. Diese Schweine hatten seinen Erzeuger umgebracht, und er würde sie dafür in einen Starkstromgürtel klemmen – sobald er rausgefunden hatte, wer „Sie“ waren.

Der Mann brachte sie in den hinteren Bereich der Halle. Sie ließen das geschäftige Treiben der Gepäckzuordnung hinter sich, bis sie in einem Bereich waren, der vollautomatisiert war. Plötzlich gab der kleine Kommunikator am Handgelenk des Menschen ein Krächzen von sich und er hob es ans Ohr.

Sareil hörte nur seine Seite der Konversation: „Was? Jetzt? Aber ich habe … kann ich nicht erst … sicher. Ja, Chef, mache ich.“

Der Mann war für einen Menschen schon recht alt und sah sie nun aus müden Augen an. „Ich muss mich dringend um was kümmern.“

Er überlegte kurz und kam dann wohl zum Schluss, dass sie vertrauenswürdig waren. „Das Gepäck, was Sie suchen, liegt da hinten in den Regalen. Das hier ist die Codenummer.“ Er reichte Sareil ein kleines Gerät, auf dem eine Ziffernfolge blinkte.

„Vielen Dank!“, sagte sein Geburtsmitling und wandte sich dem Regal zu. Die Bewegungen seines erbärmlich alten Roboterkörpers wirkten abgehackt und ungelenk. Sareil erschauderte bei der Erinnerung, dass er selbst auch einmal in so einem Machwerk gesteckt hatte.

Er ließ seinen Körper das Gerät in die Luft wirbeln, fing es mit der anderen Hand auf und folgte dem Pfeil, der darauf angezeigt wurde.

„Was macht der denn da?“, fragte Milkam, als sie um ein langgezogenes Lieferband voller Gepäck bogen. Sareil blickte auf und sah einen blutroten Vulbrina in der weiß-blauen Uniform eines niederrangigen Kebill-Sicherheitsmannes am Regal stehen. Er klappte eben eine große Messingkugel mit Trageriemen zu, die unzweifelhaft Girbal gehört hatte. Der Mann sah ihn ebenfalls, wirbelte herum und stürmte los.

„Schnapp dir den Kerl“, rief er Milkam zu, der sich sofort in Bewegung setzte. „Ich schau mir an, was er da zu schaffen hatte und komme nach.“

Er rannte zu dem Regal hinüber, sah auf das komplexe elektronische Gerät, das die Kugel verschloss und fluchte leise. Kurzentschlossen rammte er seine Hände in den flachen Spalt und sprengte die Verriegelung mit einem Ruck, der seinen verbeulten Körper an sein Limit brachte. Einige Sicherungen brannten durch und das Bild seines rechten Auges wurde mit einem leisen Brummen etwas dunkler. Doch sein Blick reichte noch aus, um zu sehen, was der Sicherheitsmann in dem Koffer platziert hatte. Es war eine Bombe, und ihr mechanisches Zählwerk klickte gerade von 20 auf 19.

10

Narbatur lehnte sich zurück und rieb sich die Nasenwurzel. Sie verhörten die Frau nun schon seit einer Stunde und kamen nicht weiter. Sie war störrischer als Narjanka, und das wollte etwas heißen. Also stand er auf, ging zum Terminal und machte sich daran, einen Antrag auf psionische Durchleuchtung auszufüllen. Da er mit ein bisschen freier Auslegung „Mordverdacht“ ankreuzen konnte und für die Frau als Kebill-Angestellte die Rechtsordnung des Konsortiums galt, bekam er die Freigabe umgehend.

Er warf Najanka einen bedeutungsschweren Blick zu und der Hakhasu nickte. Dann beugte er sich vor und ließ die Hände auf den Tisch krachen, wobei die Gefangene zusammenzuckte.

„Sie haben zwei Möglichkeiten. Entweder verraten Sie uns, was Sie mit Karma Polzek zu schaffen hatten, oder mein Freund hier spaziert in Ihr Gehirn und durchwühlt es nach Informationen. Ich bin mir fast sicher, dass er dabei noch ein paar andere Verbrechen entdecken wird.“

Narjanka ließ es einfach klingen, aber für Narbatur war eine solche Durchleuchtung alles andere als ein Kinderspiel und selten angenehm.

„Pah!“, stieß die Frau aus und spuckte Narjanka ins Gesicht. „Macho-Unterdrücker.“

Sein Kollege wirbelte mit einem wütenden Schrei herum und schlug auf den Spiegel, in dem sich ein Spinnennetz aus Rissen ausbreitete.

Narbatur seufzte und ließ sich auf dem Stuhl vor der Frau nieder. Er beugte sich vor und wollte ihren Blick einfangen, aber sie senkte den Kopf, schob den Unterkiefer vor und ließ ihre Hauer mit einem unangenehmen Geräusch übereinandermahlen.

Narbatur erschauderte, dann konzentrierte er sich ganz auf die Ausstrahlung der Frau. Horchte auf seinen Atem, versuchte ihn den kurzen, nervösen Stößen der Frau anzupassen. Ließ seine Gedanken zur Ruhe kommen, blendete seinen schnaubenden Kollegen aus, die leisen Geräusche, die von draußen hereinklangen. Dann streckte er unsichtbare Gliedmaßen aus, um ihren Kopf zu umfassen.

Sieh mich an, befahl er, doch die Frau wehrte sich. Ihre Atmung ging jetzt stoßweise und sie spannte die Muskeln an. Doch dies war ein Kampf des Geistes.

Sieh mich an, befahl er erneut und nun hob sich ihr Kopf langsam, zitternd, dann fanden auch ihre Augen seinen Blick. Die Augen waren, zumindest für ihn, der Weg zur Seele, oder in diesem Fall, zu ihren Gedanken.

Er glitt in ihren Geist, spürte Angst, Wut und übermächtigen Trotz. Er schob die Gefühle beiseite, bis er tiefer drang. Dann brachte er mühsam genug Konzentration auf, um den Daumen zu heben.

Narjanka schnaubte erneut, fing dann aber an, Fragen zu stellen. Gedanken und Bilder strömten auf Narbatur ein und vergingen wie schmelzende Schneeflocken. Er konnte nur wenige fassen und noch weniger deuten, aber es reichte aus, um sich ein Bild zu machen.

Karma Polzek hatte Drogen bei ihr gekauft, ebenso wie ein Dutzend anderer Bauarbeiter. Auch die neue Droge, die ihnen soviel Ärger machte. Und sie bekam ihre Drogen von …

Der Strom aus Bildern kam ins Stocken. Sie wehrte sich, hielt ihn davon ab, ihren Händler zu erkennen, aber Narbatur blieb dran. Er bohrte tiefer, und dann steig das Bild eines unglaublich fetten Luolmar in ihr auf und ein Name.

„Taugrom“, keuchte Narbatur und zog sich aus ihr zurück. Sein Kopf pochte, seine Glieder zitterten, und als er die Hand zur Oberlippe führte, spürte er einen dünnen Blutfaden aus seiner Nase laufen.

Die Frau keuchte auf und sank erschöpft auf den Tisch, fluchte leise.

„Prima, knöpfen wir uns den Kerl mal vor“, verkündete Narjanka, zog ihn mitleidslos auf die Beine und schob ihn zum Ausgang. „Wenn wir Glück haben, macht er Ärger und ich kann ihn verprügeln.“

„Verhalte dich ganz natürlich“, wisperte Beta seinem Bruder zu, sah sich noch einmal um, ob Gosen auch keine Sicherheitskraft abgestellt hatte, um sie zu überwachen und nickte dann zufrieden. Als sie die Krankenstation wieder betraten, war Doktor Simli gerade dabei, einem laut zeternden, Halbmenschen, mit dichter, roter Mähne um den Hals und Stilaugen zu versorgen, der auch noch halbbetrunken war. Er hatte eine hässliche Platzwunde. Sie sah kurz auf und Beta nickte ihr nonchalant zu. Sie hätte sich sicher nichts dabei gedacht, die Klone auf der Krankenstation zu sehen, hätte nicht Alpha in diesem Moment betont unauffällig zu pfeifen begonnen.

„Lass das“, raunte Beta seinem Bruder zu, trat ihn gegen das Schienbein und erkannte an Doktor Simlis misstrauischem Blick, dass entweder Gosen sie vorgewarnt hatte, oder sie schlechte Laune hatte. Die fein geschwungenen, schmalen Augenbrauen im dunkelblauen Gesicht wanderten immer weiter zusammen. Zeit für die Geheimwaffe, dachte Beta, nicht ohne Anflug von schlechtem Gewissen und flüsterte Gamma zu: „Der Mann da mit den roten Haaren, der hat ein kleines Hündchen in der Tasche.“

„Oi!“, rief Gamma auf, sprang vor Aufregung zweimal wie ein Gummiball in die Luft und stürmte dann zu dem Patienten. „Wo ist denn dein Hündchen?“, rief er laut und fing an, an dem Mann hochzuklettern. Der fing schallend an zu lachen und Doktor Simli, die immer schon eine Schwäche für Gamma hatte, war abgelenkt. Nachdem Beta sich vergewissert hatte, dass Gamma keine Gefahr drohte, wirbelte er herum und zog Alpha zum Terminal des Spektrographen.

Mit einem einzigen Klick rief sein Bruder die Ergebnisse auf, die Gosen ihnen so knapp vorenthalten hatte, überflog sie und sagte dann verwundert: „Das sind Saht-Hormone!“

„Saht? Wie kommen die denn in den Blutkreislauf eines Menschen?“, fragte Beta.

„Vielleicht sind es Überreste dieser neuen Droge? War die laut der ersten Analysen nicht auch mit Fremdelementen versetzt?“

Alpha rief den entsprechenden Eintrag in der Datenbank auf und überflog ihn. Beta warf einen Blick zu Gamma hinüber, der auf den wippenden Knien des Mannes ritt und quengelnd fragte: „Wo ist denn jetzt der Hund?“

In Momenten wie diesen machte sich der Ausfall ihrer organischen Datenbank besonders schmerzlich bemerkbar.

„Ja, tatsächlich – Saht-Spurenelemente“, bestätigte Alpha schließlich und schloss: „Dann sind diese Hormone vielleicht Nebenprodukte der zerebralen Stimulation.“

Beta hatte eine Idee: „Vielleicht wird die Droge aus Sekreten von Saht-Drüsen gewonnen? Vielleicht gibt es irgendwo eine Zuchtstation, in der die Saht gemolken werden?“

Alpha verzog das Gesicht und beschied. „Ekelig! Aber durch ihre Ähnlichkeit mit Pheromonen werden diese Hormone sicher mit dem Schweiß über die Haut ausgeschieden.“ Alpha wurde ganz aufgeregt. „Und das bedeutet …“

Beta sah ihn nur fragend an und kleine Wellen durchliefen seine Lippenfasern. Er war eben nicht für die logischen, sondern für die emotionalen Momente gezüchtet worden.

„Das bedeutet, dass wir einen Geruchsscanner bauen können, um die Leute herauszufiltern, die diese Droge nehmen, im Idealfall bevor die Aggressivität einsetzt oder sie die nächste Dosis zu sich nehmen.“

„Worauf warten wir noch?“, rief Beta begeistert.

Milkam hetzte nach einem letzten Seitenblick auf Sareil hinter dem Sicherheitsmann her. Der kleine, blutrote Vulbrina wuchs mit einem Mal, nutzte seine Gestaltwandler-Fähigkeiten, um die Beine und Arme zu verlängern und so schneller laufen zu können. Der Abstand nahm zu, und Milkam holte alles aus seinem Körper heraus, doch schon vor den notdürftig reparierten Beschädigungen war er nicht für Geschwindigkeit gebaut gewesen.

Ich muss etwas tun, dachte Milkam und folgte dem Sicherheitsmann durch das Chaos der Gepäckhalle. Der Verfolgte flankte über ein Fließband und hielt auf eine Tür zu. Milkam konzentrierte sich, sprang ebenfalls über das Band und sah den Vulbrina unter einer Brücke herlaufen, über die weiteres Gebäck hinwegwanderte. Ohne darüber nachzudenken streckte Milkam seine Sinne aus und stieß einen großen klobigen Koffer vom Band.

Das Gepäckstück traf den Flüchtenden im Rücken und warf ihn zu Boden, aber im nächsten Moment war er wieder auf den Füßen und riss die Tür auf.

Milkam zwang sich, nicht darüber nachzudenken, dass er zum zweiten Mal in kurzer Zeit seine verkümmerte PSI-Gabe eingesetzt hatte, sondern sprang vor. Der Vulbrina warf die Tür hinter sich zu, aber Milkam schlitterte bäuchlings über den schmutzigen Boden und bekam seinen Arm dazwischen. Statt ins Schloss zu fallen, sprang die Tür wieder ein Stück auf und Milkam kämpfte sich auf die Beine und rannte hinaus.

Der Vulbrina war zum Greifen nah, doch bevor er ihn packen konnte, erstarrte Milkam. Er stand mitten im All!

Reiß dich zusammen, schalt er sich. Sie hatten den Korpus der Station verlassen und liefen über eine breite Wartungstraverse, die zu einem anderen Teil führte. Unter ihnen zündete gerade ein großes Frachtschiff an einem Pylon seine Steuerdüsen, um abzulegen und die Flammen erleuchteten den Vulbrina, der sich umdrehte. Milkam wurde schmerzlich bewusst, dass er nur durch ein Biosiegel von einem Sturz auf den Planeten hinab getrennt war. Das spezialisierte Kraftfeld hielt zwar die atembare Atmosphäre um den Wartungssteg beisammen, würde aber alles andere, beispielsweise seinen Roboterkörper, anstandslos passieren lassen.

„Geben Sie auf!“, bluffte er und hob die Hand. Vielleicht glaubte der Vulbrina, er habe eine Waffe darin eingebaut.

Doch der Sicherheitsmann imitierte seine Bewegung, und in seiner Hand befand sich ein kleines, pulsierendes Gerät. Zu spät erkannte Milkam eine Bogenschlagwaffe, da knisterte sie auch schon auf und ein gleißender Blitz sprang von den Spitzen in seine ausgestreckte Hand über. Ein Teppich aus Funken und kleinen Blitzen bedeckte seinen Arm, wanderte auf seine Schulter und breitete sich über Brust und Kopf aus. Der Roboterkörper wurde einfach ausgeknipst, und nur die Notfallsensoren übertrugen lückenhafte Informationen. Er fiel erstarrt rückwärts um und fluchte über den uralten Körper, der nicht einmal eine EMP-Härtung besaß. Er hörte das laute Scheppern des Körpers auf dem Stahl der Traverse und sah den Vulbrina, der sich mit einem gemeinen Grinsen über ihn beugte. Dann wurde er auf den Bauch gedreht, wodurch sein Oberkörper über den Rand der Traverse hing und er genau in das aufflammende Triebwerk des Frachters starrte, das ihn zu Staub verbrennen würde.

„Guten Flug, Doktor“, spottete der Vulbrina und umfasste seine Beine, um ihn endgültig über den Rand zu kippen.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 8

Freitag, 25. Juni 2010
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Alpha sah vom Tiefenscanner auf und traf Betas Blick, der in diesem Moment den Ingenberg-Rrafful-Spektrographen sinken ließ.

„Ist das das, was ich glaube?“, fragte er und Beta nickte.

„Was hat ein nicht-menschliches Hormon in menschlichem Blut zu suchen?“, stellte Alpha die nächste logische Frage.

Beta sah sich die farbige Auflösung des Spektrographen erneut an und zuckte dann hilflos die Schultern. Im Hintergrund sah er Gamma aus Reagenzgläsern und Verbandsklebeband kleine Häuser bauen.

„Es sieht aus, als wären das Überreste eines Abbauprozesses. Von welcher Spezies stammt das Hormon?“

Beta schaltete die zentrale Kebill-Datenbank zu und aktivierte einen Abgleich. Durch die große Zahl an Grenzzeittransmissionen im Vorfeld der Ratssitzung waren die Kommunikationsphalanxen der Station jedoch gnadenlos überlastet und die Daten trafen nur Stückchenweise ein.

„Jetzt heißt es warten“, verkündete Alpha und machte es sich auf dem Stuhl bequem.

„Erdbeben!“, rief Gamma begeistert und kurz darauf splitterte Glas.

Mo’krat zog einen der Antigravmonitore zu sich und wies darauf: „Wie es aussieht, hat Ihr Erzeuger es sehr eilig gehabt, nach seiner Ankunft auf der Station zum Planeten zu gelangen. Er hat sein Gepäck nie abgeholt.“

Milkam warf Sareil einen Blick zu, und der Roboterkörper nickte.

„Können wir die Sachen abholen?“, fragte Milkam den K’schigoten, der nickte und anfing, sich in atemberaubender Geschwindigkeit durch die Fluten an Kebill-Formularen zu klicken, die dafür notwendig waren.

„Ich gehe davon aus, dass der Kommandant Sie zu mir geschickt hat?“, fragte er wie nebenbei, hielt aber kurz in der Bearbeitung inne.

„Gosen weiß, dass wir hier sind“, sagte Milkam. Das ist nicht mal gelogen, dachte er bei sich.

Mo’krat stieß ein amüsiertes Trillern aus und bearbeitete die Anträge weiter. „Sie müssen sich ja später mit ihm herumstreiten.“

Endlich piepste ein kleines TRAD auf dem vorgewölbten Bauch des Mannes, das er Milkam hinhielt. Sareil schnappte es ihm aus der Hand. „Damit können Sie das Gepäck in Besitz nehmen.“

„Danke“, sagte Sareil und machte sich auf den Weg zur Tür.

„Wie immer hervorragende Arbeit“, lobte Milkam noch, der wusste, dass Mo’krat förmlich nach Lob und Anerkennung lechzte. Tatsächlich brachte nun ein zufriedenes Gurren die Backensäcke des Mannes zum Schwingen und er sagte: „Gern geschehen.“

Milkam eilte Sareil nach, der bereits einige Meter Vorsprung hatte. „Warte auf mich!“

Sareil sah sich kurz um, schüttelte kurz missbilligend den Kopf, wurde dann aber langsamer. „Willst du dir nicht mal einen neuen Körper zulegen? Der ist ja wirklich erbärmlich.“

Milkam warf seinem Geburtsmitling einen langen Blick zu, spürte dann aber, dass er nur versuchte, ihn zu provozieren, um ein Ventil für seine Trauer und Wut zu finden. Darum sagte Miklam nur: „Halt die Klappe!“ drückte auf den Rufknopf des Fahrstuhls, der sie in den Ring und dort zur Gepäckbearbeitung bringen sollte.

Narbatur stürzte. Der Abstand zwischen der rettenden Kante und seinen Fingern wurde immer größer und die Erkenntnis traf ihn wie ein Laserschuss: Er würde sterben.

Da erschien plötzlich ein wunderschönes, menschliches Gesicht über ihm. Große, braune Augen, hellbraune Haut, volle, geschwungene Lippen und schwarze, wilde Locken, die von bunten Spangen einigermaßen gebändigt wurden. Die Frau landete mit einem Schnaufen mit der Brust auf der Kante und streckte ihm den Arm entgegen. Im letzten Augenblick umfassten ihre Finger sein Handgelenk und fingen seinen Sturz ab. Ein schmerzhafter Ruck ging durch seine Schulter und die Frau schrie kurz auf. Aber sie ließ ihn nicht los. Schnell griff er mit der anderen Hand nach und hielt sich an ihrem dünnen, aber durchtrainierten Arm fest.

„Auf drei!“, sagte sie durch zusammengepresste Zähne und nickte zur Seite. Dabei rutschte sie einige Zentimeter weiter über den Rand. Narbatur folgte ihrer Geste. Knapp zwei Meter unter und drei Meter neben ihm ragte ein Stützpfeiler hervor. Er schluckte und nickte.

„Eins, zwei“, zählte die Frau und Narbatur warf die Beine nach hinten, holte Schwung, und als sie in bei „Drei“ losließ, warf er sich nach vorne.

Er fiel erneut und für einen schrecklichen Moment sah es so aus, als würde er den Pfeiler verfehlen. Aber dann knallte er mit der Brust darauf, rutschte ein Stück und klammerte sich schwer atmend fest. Kurz erlaubte er sich, Luft zu holen, dann schwang er die Beine hinauf, lief den Pfeiler entlang und kletterte am Gerüst hinauf. Als er sich über den Rand schob, sah er Narjanka einige Meter entfernt. Kurz zeigte sich Erleichterung auf seinem Gesicht, dann spannte ein Lächeln die Lippen über die breiten Hauer: „Bist du fertig mit deinen Turnübungen? Wir haben hier noch zu tun.“ Seine Pranke wies auf eine stämmige Gestalt, offenbar ebenfalls ein Hakhasu, der bereits einige hundert Meter Vorsprung hatte und eben dabei war, in einen der Lastenfahrstühle am anderen Ende der Etage einzusteigen. Das war dann wohl der Bauarbeiter, der sie gerade umzubringen versucht hatte.

Narbatur nickte der Frau zu, die bereits wieder auf den Beinen war. Ihre schlanke, aber weibliche Gestalt steckte in einer Arbeiterhose mit zahlreichen Taschen und einer engen Schutzweste, bei der die obersten Knöpfe offenstanden, was ihr ein beeindruckendes Dekolleté verschaffte. Er nickte ihr dankbar zu und lief los, hinter Narjanka her. Doch zu seiner Verwunderung lief auch die Arbeiterin los und hielt mühelos mit ihm mit.

Der Aufzug mit dem flüchtigen Hakhasu verschwand nach unten und Narjanka blieb schlitternd am Rand der Bauplatte stehen. „Verdammt!“, rief er frustriert und sah sich nach einem anderen Weg nach unten um.

Narbatur blieb kurz an der Kante stehen, schätzte die Entfernung ab und sprang dann. Er hörte die erschrockenen Rufe einiger umstehender Bauarbeiter, dann landete er schwer auf dem Gitterdach des Fahrstuhls und klammerte sich daran fest.

Er konnte den Hakhasu unter sich kaum erkennen, aber an den Bewegungen war offensichtlich, dass er eine Waffe bereitmachte. Narbatur konzentrierte sich, ließ seine Kräfte aufwallen und leitete schwache Energie über das Gitter des Fahrstuhls in die Steuerelektronik. Der Fahrstuhl blieb mit einem lauten Krachen stehen und dann summte er wieder auf, während er nach oben fuhr.

Er hörte den Hakhasu unter sich in seiner Muttersprache fluchen und dann brannte sich ein Diffusorstrahl knapp neben Narbaturs Fuß durch das Dach.

„Hey!“, rief er empört und sprang an die Kante der wieder in Reichweite kommenden Plattform. Narjanka packte ihn am Arm und zog in einer fließenden Bewegung nach oben.

„Er ist bewaffnet“, sagte er trat beiseite. Auch Narjanka suchte hinter einem Pfeiler in Deckung und tatsächlich feuerte der verzweifelte Hakhasu einige Schüsse ab, kaum dass der Fahrstuhl oben angekommen war.

„Wie immer?“, fragte Narjanka und nach kurzem Zögern antwortete Narbatur: „Okay.“

Er sprang aus seiner Deckung, rief: „Hier bin ich!“, und warf sich sofort wieder zur Seite. Der Verbrecher schwenkte herum und stanzte mehrere runde Löcher in den Stahlträger. In der Zwischenzeit stürmte Narjanka vor, es gab ein lautes Krachen, und als Narbatur wieder auf den Beinen und auf dem Weg zum Fahrstuhl war, hatte der Hakhasu den Verbrecher bereits entwaffnet und holte zu einem wuchtigen Schlag aus.

Da fiel dem Bauarbeiter der Helm vom Kopf und offenbarte ein Hakhasugesicht, in dem die Hauer deutlich kleiner und runder waren. Auch die Gesichtszüge wirkten nicht ganz so borkig.

„Eine Frau“, sagte Narjanka verblüfft und schlug nicht zu. Den Moment des Zögerns nutzte die Hakhasu und trat ihm mit voller Wucht zwischen die Beine. Narjanka sackte mit einem entsetzten, schmerzerfüllten Keuchen in die Knie, doch als die Hakhasu aus dem Fahrstuhl hinauslaufen wollte, huschte die Bauarbeiterin vor, die Narbatur gerettet hatte. Sie sprang ab, hielt sich am Käfigrand des Fahrstuhls fest und rammte der Verbrecherin beide Stiefel ins Gesicht. Die Hakhasu wurde zurückgeworfen, krachte gegen das Gitter und glitt ohnmächtig daran hinab.

Die Frau landete, drehte sich mit einem Lächeln zu Narbatur um und hielt einen Daumen hoch. Narbatur kam zu ihr und sagte: „Noch einmal Danke!“

„Keine Ursache“, sagte sie mit einer fröhlichen, samtigen Stimme. „Ich helfe gern.“

Narbatur beugte sich kurz zu dem noch immer keuchenden Narjanka hinab und fragte: „Alles klar, Großer?“

„Leck mich!“, war die gepresste Antwort des Sicherheitsmannes, der jetzt vorsichtig die Hände aus seinem Schritt löste.

Narbatur trat zu der Hakhasu, deren Körperbau ähnlich massiv, aber etwas runder war als der seines Kollegen. Er drehte sie unter Mühen auf die Seite und legte ihr Handschellen an.

Dann ging er wieder zu Narjanka und half ihm auf die Beine. „Keine Sorge“, flüsterte er ihm zu. „Es bleibt unter uns, dass du von einem Mädchen verprügelt und von einem anderen gerettet wurdest.“

Bevor sein Kollege, der sich nun schwer an einer Säule abstützte, etwas darauf erwidern konnte, wandte sich Narbatur sich der Bauarbeiterin zu.

„Narbatur Segler, Sicherheitsmann K-6. Ich möchte mich im Namen meiner Behörde ganz herzlich bei ihnen bedanken“, sagte er, während er ihr die Hand hinstreckte. Sie schüttelte sie und schmunzelte.

„Ganz zu schweigen davon, dass Sie mir gerade das Leben gerettet haben! Vielleicht kann ich mich dafür mal revanchieren? Ich kenne da ein nettes, kleines Restaurant in der Perlenstadt, das ich …“

„Hör mit dem Flirten auf!“, grollte Narjanka sichtlich schlecht gelaunt und kam breitbeinig zu ihnen herübergestakst. In der Lage ihrer Genitalien waren sich Menschen und Hakhasu sehr ähnlich … und was die Empfindlichkeit anging offenbar auch.

„Ist das Njestowska?“

Die Bauarbeiterin nickte, noch immer schmunzelnd.

„Und Sie sind?“

„Gonzales, Tera Gonzales.“

„Terra wie … Terra?“, fragte Narbatur.

„Mein Vater hat einen seltsamen Humor. Ich kann vermutlich von Glück sagen, dass ich auf der Erde und nicht in der Kolonie Hässlichkind geboren wurde.“ Sie zuckte mit den Schultern und nickte zu der Hakhasu hinüber. „Was wird ihr denn vorgeworfen?“

„Sie meinen abgesehen davon, dass sie sich von ihrem weiblichen Pflichten entfernt hat und Männerarbeit verrichtet?“, fragte Narjanka wütend.

Narbatur legte seinem Kollegen die Hand auf die Schulter. „Das letzte Mal, dass ich in den Kebill-Gesetzen nachgelesen habe, gab es dafür keine Kennziffer.“

Er wandte sich Frau Gonzales wieder zu und sagte: „Das ist Bestandteil einer laufenden Ermittlung. Ist ihnen denn etwas aufgefallen, Frau Gonzales?“

„Sagen Sie Tera. Sie meinen abgesehen davon, dass sie Drogen verkauft hat?“ Auf ihren vollen Lippen lag noch immer das gleiche Schmunzeln.

Narjanka schnaubte empört auf.

„Ist das auch Männerarbeit?“, fragte Tera mit hörbarem Spott in der Stimme.

„Pass mal auf, dass ich dich nicht wegen Mitwisserschaft auch noch einloche“, grollte der Hakhasu und nahm eine drohende Pose ein.

„Narjanka, komm schon, entspann dich“, mahnte Narbatur und führte die junge Frau ein Stück zur Seite. „Er ist ein schlechter Verlierer, aber eigentlich ein guter Kerl. Vielleicht geben Sie mir Ihre Kommunikationsnummer, dann melde ich mich, wenn wir noch fragen haben.“

Tera legte ihm den Hand auf den Oberarm und beugte sich vor, um ihm ins Ohr zu flüstern: „Sie sollten ihrem Freund mal ein bisschen Benehmen beibringen.“ Ihr Atem strich an seiner Wange entlang und roch nach Honig.

Dann richtete sie sich wieder auf und diktierte ihm ihre Nummer.

Der Vorarbeiter kam zu ihnen und sein ohnehin grimmiges Steingesicht war in noch tiefere Falten gelegt. „Hat einer von euch Spaßvögeln seinen Gleiter mitten auf der Baustelle geparkt?“

Narjanka riss den Kopf hoch und fragte besorgt: „Öh, kann sein. Unten, neben der Baubude?“

„Genau.“

„Ich flieg ihn gleich weg.“

„Das wird schwierig“, grollte der Vorarbeiter und wandte sich ab. „Die abgestürzte Baumaschine ist halb drauf gelandet.“

Narjankas langgezogener Schrei übertönte sogar das erneut einsetzende Donnern der großen Maschine.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 7

Sonntag, 06. Juni 2010
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Milkam holte Gosen auf dem Gang ein, der aus dem zu Büros umgebauten alten Teil der Station zum neuen Teil hinüberführte. Durch die halbdurchsichtigen Türen am Ende konnte er auf den Ring sehen, auf dem sich ein Strom aus Reisenden und Angestellten vorbeibewegte.

Gosen bemerkte ihn, wurde aber nicht langsamer: „Gibt es noch etwas?“

Milkam spürte Wut in sich aufsteigen. Er packte Gosen an der Schulter und zwang ihn, stehenzubleiben. Der Kommandant sah mit ausdruckslosem Gesicht auf die Hand, die Milkam eilig zurückzog.

„Ganz sicher gibt es noch was. Mein Erzeuger ist umgebracht worden, und nach allem, was wir zusammen durchgemacht haben, habe ich gedacht …“ Er wusste nicht genau, was er gedacht hatte.

Gosen musterte ihn aus harten Augen, doch dann wurde sein Blick sanfter und er seufzte. „Gibt es denn Hinweise?“, fragte er matt und rieb sich die breite Nasenwurzel.

Milkam wollte schon verneinen, da fiel ihm ein: „Ein Bild.“

„Ein Bild?“, fragte Gosen.

„Ja, mein Erzeuger hat mir kurz vor seinem Tod ein Bild von einem Mann übermittelt … einem Fleutar.“

Sareil hatte sie nun auch eingeholt und trat neben sie.

„Das wird ja immer besser“, schnaufte Gosen, schmunzelte dann aber leicht und sagte: „Gut, gib mir das Bild, dann, lasse ich Mo’krat mal eine Suche danach starten.“

„Äh“, sagte Milkam und rieb verlegen mit der intakten Hand an seinem kaputten Arm. „Das Bild ist sozusagen nur in meinem Kopf.“
Gosen blickte ihn einen Augenblick starr an, dann seufzte er erneut. „Offiziell kann ich nichts machen, denn das fällt in die Rechtshoheit des Planetenkommandanten, sonst würde ich Segler rufen, damit er dir das Bild aus dem Kopf zieht. Aber ich lasse dir Zugriff auf unser Modellprogramm freischalten. So kannst du das Bild nachzeichnen. Und dann bringst du es zu Mo’krat.“

Milkam lächelte. „Danke.“

Gosen nickte stumm und drehte sich dann schwungvoll um, um davonzumarschieren.

„Ist Mo’krat nicht ein Frauenname bei den K’schigoten?“, fragte Sareil.

„Das fällt dir erst jetzt auf?“, fragte Milkam kopfschüttelnd und machte sich auf den Weg in sein Quartier.

„Armer Kerl“, hörte er Sareil noch hinter sich sagen.

Narbatur war einen Augenblick wie erstarrt, dann durchfuhr ihn der Schreck wie ein Blitz und er sah sich hektisch nach Deckung um. Natürlich fand er keine, zumindest keine, die der Baumaschine Stand gehalten hätte. Narjanka warf sich gegen den SulSchamo und seine Muskeln spannten sich unter seiner Uniform, während er den schweren Kerl aus der Gefahrenbahn stieß. Im letzen Augenblick sprang der Hakhasu ab und zog die Beine im letzten Moment weg, bevor die Baumaschine sie zermalmen konnte.

Er selbst hatte jedoch keinen Platz, um auszuweichen. Er stand praktisch mit dem Rücken zur Hausecke, nur dass dort noch keine Wände gebaut waren. Hektisch sah er sich um, während das Ungetüm auf ihn zuraste. Dann sah er die Rettung. Er lief los, auf die Maschine zu, stieß sich von einer Kiste mit Rohren ab und sprang an eine dicke Stromleitung, die unter der Decke hing. Er bekam sie mit beiden Händen zu fassen, doch da gab sie nach, glitt nach unten, und er mit ihr. Mit einem erschrockenen Keuchen zog er sich an der abspulenden Leitung hinauf, so schnell er konnte, rutschte aber immer weiter hinab. Als die Leitung endlich mit einem Ruck am Ende angelangt war und sein Gewicht hielt, baumelte er wenige Zentimeter über dem Boden und damit genau vor der Walze, die ihn in diesem Moment erreichte.

Narbatur sprang vom Boden ab, fand mehr durch Glück ein Stück der Walze, auf der sich kein Metalldorn befand, und stieß sich auch daran ab, so dass er am gespannten Seil nach oben schwang. Mit einem lauten Schrei fing er an, die Walze seitlich entlangzulaufen, rutschte dann aber auf einem Dorn aus. Er fiel vorwärts, bekam einen Fuß auf die dicke Metallgabel, in der die Walze hing, und sein Gesicht pendelte eine Handbreit vor der Masse aus unaufhaltsamen Stahlspitzen. Mit einem letzten Kraftakt zog er sich am Seil nach oben, lief an der Gabel entlang und auf den Sitz des Geräts.

Er atmete kurz durch, beugte sich vor, um das Gerät auszuschalten, aber jemand hatte sowohl Steuerrad als auch die Pedale herausgerissen. Funkensprühende Drähte waren alles, was von ihnen übrig war – und in diesem Moment kam die Maschine am Rand an. Die schwere Walze sackte nach unten weg und der Sitz krachte Narbatur in den Rücken, der mit dem Gerät nach unten gerissen wurde. Verzweifelt drehte er sich aus dem Sitz, stieß sich daran ab, lief über das Heck der fallenden Maschine und nahm seine Kraft für einen Sprung zusammen. Mit einem Schrei streckte er sich, um das Baugerüst zu erreichen. Seine Finger näherten sich dem Rand, doch dann war sein Schwung aufgebraucht. Zentimeter bevor er den Stahlträger fassen konnte, verwandelte sich sein Sprung in einen Sturz – 250 Meter bis zum Boden.

Milkam klopfte kurz an, dann drückte er die schwere Feuerschutztür auf, die in das Büro des Ressourcenmanagers führte. Sie hatten sich die Zeit genommen, die Sareil gebraucht hatte, um seinen Arm notdürftig zu reparieren, und so fiel es ihm etwas leichter.
Mo’krat war für einen K’schigoten sehr schmächtig und klein und auch seine Backensäcke waren wenig beeindruckend. Darum hatte man ihm wohl auch einen Mädchennamen gegeben, bei dieser sexistischen Spezies eine der größten Beleidigungen.
Der K’schigote saß wie meist in seinem bequemen Liegesessel, zahlreiche schwebende Antigrav-Monitore um sich herum in der Luft, TRADs auf dem Schoß und stets war der kleine, knubbelige Serviceroboter in seiner Nähe, um ihm irdischen Kaffee und Süßigkeiten zu reichen.

Nun sah Mo’krat auf, stieß einen überraschten Laut aus und zappelte mit den kurzen, dicken Beinen, um sich aufzurichten. Erst als das nach einigen Augenblicken keine Wirkung zeigte, fuhr er den Sessel in die aufrechte Position und sprang heraus, um Milkam und dann Sareil ausgiebig die Hand zu schütteln. „Was treibt Sie beide denn her?“

„Ressourcenmanager“, grüßte Milkam und bedeutete Sareil, die Tür zu schließen. Er folgt der Geste zögerlich und sein Gesicht verzog sich zu einem stummen Tadel. Es muss ihm besser gehen, wenn er schon wieder rumzicken kann, dachte Milkam grimmig.
„Kommandant Gosen sagte, Sie könnten uns vielleicht bei einer Suche behilflich sein?“

„Nichts lieber als das“, verkündete der K’schigote und wies den Roboter an: „Lo’mir, hol doch mal zwei Stühle.“

Milkam warf Sareil einen besorgten Blick zu. Mo’krat verbrachte offenbar viel zu viel Zeit allein hier, von wo er die Zuweisung der Energieressourcen auf dem Raumhafen steuerte. Er hatte dem nicht vernunftbegabten Roboter einen Frauennamen gegeben. Das war oft ein schlechtes Zeichen. Wenn er nun auch noch mit dem Raumhafen sprach, würde Milkam ihn mal für eine psychologische Untersuchung empfehlen müssen.

Während der Roboter zwei Klappstühle heranbrachte und bereitstellte, nahm der Manager wieder Platz in seinem Sessel. „Was suchen wir denn?“

„Einen Mann, der etwa so aussieht.“ Milkam reichte ihm das TRAD, auf dem er das Bild des Fleutar mit den kreisrunden Narben so gut es eben ging nachgearbeitet hatte.

„Aha“, sagte Mo’krat und überspielte die Daten, um dann auf zahlreichen Monitoren Fenster anzutippen und Befehle einzugeben. „Was hat er denn angestellt?“

„Das wissen wir nicht“, gab Milkam zu.

„Aber er ist ein Verbrecher?“

„Wissen wir auch nicht.“

Mo’krat blickte auf. „Warum suchen wir ihn denn?“

„Wissen wir auch ni…“

Sareil unterbrach Milkam barsch: „Geht Sie gar nichts an.“

Mo’krat blickte ihn beleidigt an. „Ich muss schon wissen, in welche Richtung ich suchen soll. Sonst dauert das ewig. Ich bin gut, aber so gut ist keiner.“

„Entschuldigen Sie meinen Bruder. Wir sind beide sehr aufgewühlt“, erklärte Milkam und warf seinem Bruder einen warnenden Blick zu. „Unser Erzeuger, Girbal, wurde heute auf dem Planeten umgebracht. Dieser Mann hat anscheinend irgendwie damit zu tun oder weiß etwas darüber.“

„Oh!“, sagte der K’schigote aufrichtig bestürzt. „Das tut mir aber leid.“

Kurz schwiegen sie, dann sagte er: „Wissen Sie, was mir immer hilft? Schokoladenkekse!“ Er wollte den Roboter herbeirufen, aber Milkam hob die Hand. „Sehr aufmerksam, indes …“ Er klopfte metallisch gegen den Kopf seines Roboterkörpers.

„Oh, natürlich, wie dumm von mir. Ich mache mich dann mal auf die Suche!“

„Endlich“, grummelte Sareil leise, als der K’schigote sich auf seine Programme stürzte. Minuten gingen ins Land, schließlich eine ganze Stunde. Endlich, als Sareil schon angefangen hatte, nervös auf- und abzugehen, sagte der K’schigote: „Also einen solchen Fleutar habe ich in keiner meiner Datenbanken, tut mir leid.“

„Unfähiger …“, begann Sareil, verstummte aber, als Milkam ihm auf den Fuß trat und so eine Rückkopplung in seinen Systemen auslöste, die sich ähnlich wie Schmerz anfühlte.

„Vielen Dank, dass Sie es trotzdem versucht haben“, sagte Milkam und wandte sich zur Tür.

„Aber ich habe etwas über Ihren Erzeuger herausgefunden!“

Raumhafen Adamant – Ratschlag 6

Mittwoch, 19. Mai 2010
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Narbatur ließ die Waffe sinken, als der Mann, den Kopf zwischen zwei aufleuchtenden Scheiben, die er sich selbst an die Schläfen drückte, einige Male zuckte und dann wie ein nasser Sack hinter einer Behandlungsliege in sich zusammenfiel.

Alpha schlitterte zu ihm herüber, während Narjanka den Feuerlöscher von der Wand riss und das kleine Feuer löschte. Der Klon untersuchte den Mann kurz, dessen Augen noch immer geschlossen waren. Dann schüttelte er mit bebenden Mundfasern den Kopf. „Er ist tot.“

Narbatur ging ebenfalls hinüber. „Was ist das für ein Gerät?“

„Ein Entmaterialisierer. Man benutzt ihn, um Gewebe zu verflüssigen, Krebszellen beispielsweise oder Knochen, die falsch zusammengewachsen sind. Auf Stufe vier kann man damit Gliedmaßen amputieren.“

Narbatur blieb, von einer bösen Ahnung befallen, stehen. „Auf welche Stufe hat er es gestellt?“
Der Klon seufzte leise und sagte: „Zehn.“

Narbatur beschloss, dass er die Leiche nicht sehen musste.

Narjanka drückte ihm den Feuerlöscher in die Hand, ging um die Liege herum und pfiff durch die Zähne. „Das nenne ich mal eine glatte Rasur.“

Narbatur stützte sich auf der anderen Liege ab und schüttelte leicht den Kopf. „Warum sollte er das tun? Er hat sich doch praktisch schon erschießen lassen.“

„Drogen“, sagte Narjanka und zog den zweiten Klon, Gamma, aus einer Sammelkiste für schmutzige Kittel. Der kleine Mann hatte eine Hose über dem Kopf und jauchzte, als der Hakhasu ihn abstellte. „So etwas richten Drogen mit einem an. Apropos: Ich brauche jetzt erstmal einen Kehlensprenger.“
Narbatur musterte den Hakhasu nachdenklich. Ein PSI-begabter Mensch auf Drogen, der im wahrsten Sinne des Wortes kopflos agiert. Da stimmte etwas nicht.

„Oh nein“, sagte Narjanka und trat zu ihm. Zwischen ihnen fiel Beta auf die Behandlungsliege, der seinen Flug durch die Luft an der Deckenlampe gestoppt hatte.

„Was, nein?“, fragte Narbatur.

Der große Sicherheitsmann seufzte, legte ihm einen oberschenkeldicken Arm um die Schulter und sagte: „Ich kenne diesen Blick. Er bedeutet Überstunden!“

Milkam stand auf, als Kommandant Gosen in schnellem Schritt in sein Büro kam. Von der pompösen, verspielten Atmosphäre, die hier beim ehemaligen Kommandanten Bethel geherrscht hatte, war nichts mehr geblieben. Die neue Einrichtung war ein Spiegelbild des Fleutar selbst: schmucklos, direkt, funktional.

„Was kann ich für euch tun?“, fragte Gosen ohne Begrüßung. Er wirkte noch angespannter als sonst, war noch sehniger geworden und seine eigentlich leuchtend gelben Hautwülste hoben sich kaum noch von der grünen Haut ab. Trotzdem strahlte seine Haltung Vitalität und Energie aus, als er jetzt vor seinen Schreibtisch trat, sich dagegen lehnte und die Arme verschränkte. Als der Ärmel seiner makellosen Uniformjacke zurückrutschte, offenbarte sie einen kleinen Schnitt. Offenbar hatte Gosen es mal wieder beim Training übertrieben und war verletzt worden. Sein forschender Blick schweifte über Sareil, der noch immer vorgebeugt auf dem Besucherstuhl saß, und er hob fragend eine Augenbraue.
„Unser Erzeuger wurde ermordet“, sagte Milkam gerade heraus. „Und ich … wir glauben nicht, dass die Sicherheitskräfte des Planeten sich der Sache in angemessenem Rahmen annehmen werden.“
Gosen musterte ihn einen Augenblick länger, dann drehte er sich um und ging hinter seinen Schreibtisch. „Ich lasse mir die Akten schicken.“

Milkam nickte dankend, dann setzte der Kommandant nach: „Aber ich kann nichts versprechen.“

Es sah dem Fleutar gar nicht ähnlich, solche Einschränkungen zu machen und Milkam öffnete den Mund, um nachzufragen, aber Gosen sprach bereits weiter, während er einige Tasten an seinem Kommunikationsgerät drückte: „In Kürze habe ich hier hundert hochrangige Politiker, ihre Entourage und ein paar Tausend Reporter aller Spezies herumlaufen. Es tut mir leid, dass euer Erzeuger …“
Das Gerät piepste und Gosen blickte auf den Bildschirm, fuhr dann fort: „Opfer einer kriminellen Straßenbande geworden ist.“

„Das stimmt nicht“, mischte sich Sareil empört ein und sprang auf. „Die wollten ihn umbringen! Weil er die Wahrheit kannte!“

Gosen warf dem Ingenieur einen verwunderten Blick zu. „Die Wahrheit worüber?“

Sareil hob die Hände, ließ sie dann aber wieder sinken. „Das wissen wir noch nicht.“

Milkam kam ihm zur Hilfe: „Aber das war kein Raubüberfall. Diese Leute wollten Girbal töten! Genau ihn. Vermutlich hat jemand sie angesetzt.“

„Hm“, machte Gosen und warf einen erneuten Blick auf den Bildschirm, las etwas und stand dann ruckartig auf. „Wie gesagt, es tut mir leid. Wenn das hier wirklich ein Auftragsmord ist, werden die Sicherheitskräfte auf dem Planeten sicher eine Spur finden. Sonderermittler Kkim ist ein hervorragender Mann … Ermittler. Ich muss jetzt leider los. Haltet mich auf dem Laufenden.“
Damit wandte er sich ab und verschwand wieder durch die Tür. Milkam sah ihm wie von einer Antriebsentladung getroffen nach. Gosen hatte sich noch nie so aus der Affäre geschlichen. Da stimmte doch etwas nicht!

„Er wird uns also nicht helfen“, resümierte Sareil und ließ sich wieder auf den Stuhl sinken.

„Das wollen wir doch mal sehen!“, sagte Milkam und stürmte hinter dem Kommandanten her.

Alpha musterte den kopflosen Leichnam und sah dann zu Beta hinüber, der eben die Ergebnisse der Blutprobe ablas: „Keine Drogen. Ein bisschen Alkohol, und natürlich die Beruhigungsmittel, aber das ist schon alles.“

„Seltsam!“, sagte Alpha und ließ seine Augen nachdenklich über den Toten schweifen. Er hatte keine Schmerzen gespürt, war trotz mehr als ausreichender Betäubung herumgelaufen, obwohl seine Muskeln dazu eigentlich gar nicht in der Lage hätten sein dürfen.

„Hat der Mann Aua?“, fragte Gamma kleinlaut vom anderen Ende des Raumes, wo er auf dem Boden saß und einer kleinen, ausrollbaren Klaviatur schräge Töne entlockte.

„Der Mann ist tot, Gamma“, erläuterte Beta.

Gamma hob den Blick und sein Gesicht verzog sich zu einer mitleidigen Fratze. „Der Arme!“

Beta nickte. „Ja, der Arme.“

Alpha nahm einen Scanner zur Hand und sah sich die inneren Organe des Mannes an. Auch hier kein Hinweis auf eine krankhafte Veränderung. Der Sicherheitsmann hatte von PSI gesprochen, bevor er und sein Kollege aufgebrochen waren.

„Aber wenn man ohnmächtig ist, kann man kein PSI anwenden“, sagte er in den Raum.

Beta nickte. „Zumindest als Mensch nicht“, schränkte er ein.

„Vielleicht ist er gar kein Mensch“, führte Alpha den Gedanken weiter. „Beta, schalte den Tiefenscanner ein. Wie sehen uns den Guten mal genauer an!“

„Er da?“ Narbatur wies auf einen für seine Spezies kleinen SulSchamo, der keinen Schutzanzug trug, aber als einziger auf der Baustelle auch keinen Helm. Er hielt ein gepanzertes TRAD hoch und bellte etwas in seinen Kommunikator.

Der Halb-K’schigote, den Narbatur angesprochen hatte, und der gerade dabei war, ein dickes Rohr mit einer Lasersäge zu zerkleinern, nickte und wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Er war ein verstörender Anblick, denn sein Gesicht war beinahe menschlich, abgesehen von den beiden kleinen Hautsäcken und der fehlenden Nase.

Narjanka nahm den Fingerzeig auf und ging auf den Vorarbeiter zu. Narbatur folgte ihm und versuchte sich einzureden, dass sie nicht gerade 250 Meter über der Erde in einem halbfertigen Wohnhochhaus in der Smaragdstadt standen – auf provisorischen Bodenplatten.

Der Hakhasu erreichte den SulSchamo und Narbatur beeilte sich, aufzuschließen. Die Luft war von Staub durchzogen und sogar sein Kollege musste die dröhnende Stimme heben, um über das Krachen, Knallen, Rauschen und Dröhnen der Großbaustelle gehört zu werden.

In der Nähe des SulSchamo war die Luft einige Grad wärmer und unmittelbar über der Haut des Vorarbeiters flackerte sie sogar. Kein Händedruck zur Begrüßung, nahm er sich vor und wartete, bis der SulSchamo letzte Anweisungen in seinen Kommunikator gerufen hatte und sich ihnen zudrehte.
„Was gibt’s?“, fragte der Mann mit knurriger Stimme. Er war kaum größer als Narjanka und für einen Mann seiner Spezies beinahe zierlich. Er schätzte ihn auf 210 bis 230 Kilogramm.

„Wir würden gerne kurz mit Ihnen sprechen. Es geht um Karma Polzek“, leitete Narjanka das Gespräch ein.

„Was hat der Mistkerl angestellt? Sollte seit fünf Stunden hier sein und die Wasserleitungen verlegen.“ Der Vorarbeiter winkte einer jungen Grilbenierin, die mit einigen schimmernden Platten auf einer Antigrav-Plattform vorbeikam. Sie hielt das Gerät an und trat zu ihm.

„Bring die in den vierzigsten Stock runter.“

Die Frau nickte ernst. Sie trug deutliche, geschwungene Linien im Gesicht und auf den nackten Armen, was darauf hindeutete, dass sie eher wenig von Spaß hielt. Asketische Grilbenier entwickelten diesen Körperschmuck automatisch, wenn sie nur lang genug ein langweiliges Leben führten.

Als sie wieder verschwunden war, sagte Narbatur: „Er ist tot.“

Der Vorarbeiter ließ das TRAD sinken und sah sie an. Nach einer ganzen Weile sagte er: „Wundert mich nicht.“

„Warum ist das so?“, fragte Narbatur geduldig. Er hatte genug SulSchamo verhört, um zu wissen, dass sie gerne etwas langsam waren.

„Man wusste in den letzten Tagen nicht, woran man bei ihm war. Mal total gut drauf, dann wieder motzig und gereizt. Hat ihn einer in der Bar totgeschlagen?“

„So ähnlich“, räumte Narbatur ein. „Wissen Sie, woher …“ Er musste sich unterbrechen, weil eine große Maschine im Hintergrund gerade anlief und einen Lärm machte wie eine ganze Staffel startender Planetenhüpfer. Der SulSchamo winkte mit dem TRAD, bis er die Aufmerksamkeit des dicklichen Menschen im Unterhemd erregt hatte, der das riesige Monstrum bediente, und zog sich den klobigen Daumen über den nicht-existenten Hals. Die Maschine verstummte.

„Haben Sie eine Idee, woher diese Stimmungsschwankungen kamen?“

Der SulSchamo sah ihn einige Augenblick an, dann schüttelte er den Kopf: „Sehe ich aus wie eine Vulbrina?“

Narjanka lachte auf: „Beim besten Willen nicht!“

„Warum sollte er sich dann bei mir ausheulen?“

Narbatur nickte und wartete, hob beruhigend die Hand, als Narjanka ihn fragend ansah. Schließlich grollte der Vorarbeiter: „Aber sprecht doch mal mit Njestowska, an der Bauspritze. Mit der hing er in der letzten Zeit immer zusammen.“

Der Vorarbeiter wies auf den hinteren Bereich des Stockwerks und Narbatur folgte seinem Blick gerade rechtzeitig, um die riesige Baumaschine zu sehen, die sich donnernd den Weg durch drei mannsdicke Träger bahnte. Ihre Vorderseite bestand aus einer großen, mit stählernen Zähnen bedeckten Walze, die den Beton zu kleinen Brocken zermalmte, und sie hielt direkt auf sie zu.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 5

Mittwoch, 14. April 2010
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In der Zentrale der Sicherheitskräfte herrschte mehr Aufruhr als in einem Schwarm giftiger Wraga-Braha. Die Männer, Frauen, Hermaphroditen und Mehrgeschlechtler unterschiedlichster Spezies liefen umher, sprachen in ihre Kommunikatoren und glichen ihre Daten immer wieder mit einem großen Datenschirm ab, der im hinteren Bereich schwebte. Milkam wurde aus den darüberlaufenden Zahlenkolonnen und Kartenausschnitten nicht schlau, aber er ahnte, dass all dies mit der bevorstehenden Ratssitzung in Verbindung stand. Es musste ein Albtraum sein, auf einem Planeten wie Adamant die Sicherheit der wichtigsten Politiker des bekannten Universums zu garantieren.
Aber er hatte im Moment seinen eigenen Albtraum zu bewältigen. Sein Erzeuger war tot, und der Angriff war auf keinen Fall zufällig erfolgt. Er blickte auf Sareil, dessen Körper zahlreiche Dellen und Beulen aufwies, im Gegensatz zu seinem eigenen jedoch auch weiterhin voll einsatzfähig war. Sein Geburtsmitling, immerhin der Chefingenieur des Raumhafens, hatte den Arm stillgelegt, damit er nicht ständig Hydrauliköl verspritzte, war nach dieser Aufgabe aber gleich wieder in sich versunken.

Milkam spürte seinen Schmerz und seine Hilflosigkeit wie einen schlechten Geschmack auf den Schleimhäuten.

Er legte ihm die Hand auf die Schulter und wollte eben versuchen, ihn zu trösten, als ein Schatten über sie fiel. Er blickte auf und war überrascht, einen Jasa Apokato vor sich zu sehen. Die Spezies hatte sich einen Namen gemacht, indem sie die besten Attentäter und Terroristen hervorbrachte, dieses gut zwei Meter große Wesen war an seinem feinen Gesichtsflaum und den Haaren am Unterleib deutlich als Geschor zu erkennen. Milkam war schon immer von den drei Geschlechtern der Jasa Apokato fasziniert gewesen und hatte Geschor für sich als Doppelgeschlecht definiert. Sie konnten Kinder austragen, gleichzeitig aber auch welche zeugen, wohingegen die anderen beiden Geschlechter nur das eine oder das andere konnten.

Die schlanke, feingliedrige Gestalt sah auf ein TRAD in ihrer Hand, hob dann den Blick aus großen, wasserblauen Augen und fragte: „Milkam und Sareil Girbal?“

Milkam nickte, erhob sich und reichte ihm die funktionierende Hand. Der Sicherheitsmann sah einen Augenblick darauf und schüttelte sie dann. Dabei nahm die Haut an seiner Hand, eigentlich milchigweiß wie der Rest des Körpers, für einen Augenblick das dunkle Graubraun von Milkams Roboterkörper an.

Der Jasa Apokato war bis auf einen Waffengürtel mit einer Laserpistole und seinem Sicherheitspass an einem Band um den Hals nackt. Als er sich jetzt vorstellte, formte sich jedoch auf seiner Brust ein Kebill-Namensschild: „Ich bin Sonderermittler K-9 Kkim.“

Wie bei den Jasa Apokato üblich beinhaltete sein Namen ein Atemholen und so klang es wie: „Ka – kim“
„Sonderermittler“, sagte Milkam und nickte dem Mann zu, der sich nun umdrehte und auf eine Tür jenseits des Chaos wies. „Gehen wir in ein Vernehmungszimmer, da ist es etwas ruhiger.“

Milkam nickte erneut, hielt dann aber kurz inne, um Sareil auf die Füße und dann hinter sich herzuziehen, während er dem Sicherheitsmann folgte.

Es gab Tumult im Eingangsbereich und Milkam sah über die Schulter. Ein nackter, blutüberströmter K’schigote mit flatternden Backensäcken wurde von vier kräftigen Sicherheitsmännern hereingeschleift.

„Wieder einer von diesen Drogensüchtigen“, kommentierte eine spindeldünne Menschenfrau an einem Getränkeautomaten, den sie in diesem Moment passierten.

„Das nimmt gar kein Ende mehr“, bestätigte ihre Kollegin, eine dickliche Grilbenierin, an der die weiße Kebill-Uniform etwas sehr straff saß.

Dann waren sie im Vernehmungsraum angelangt und Milkam schob Sareil auf einen Stuhl. Er lehnte für sie beide das Getränkeangebot des Sonderermittlers ab.

Der Jasa Apokato ließ sich seufzend auf den Stuhl ihnen gegenüber sinken und nahm den Tee entgegen, der ihm in diesem Moment von einem dünnen, kleinen Roboter auf sechs großen Gummirädern gebracht wurde.

„Entschuldigen Sie die Unruhe … der Rat“, erklärte er und rief dann ihre Aussagen auf seinem TRAD auf, um sie noch einmal zu überfliegen. Der Bildschirm war so programmiert, dass Milkam die Worte aus seinem Blickwinkel nicht lesen konnte.

Der Sonderermittler begann Fragen zu stellen, das Übliche: Feinde, was wollte Girbal auf Adamant, wie war ihr Verhältnis zu ihm, kannten sie die Angreifer und derlei mehr. Milkam antwortete wahrheitsgemäß und auch Sareil schien durch die Ansprache Kkims langsam wieder zu sich zu finden.

Je länger die Befragung dauerte, umso vertrauter kam Milkam der Sonderermittler vor. Die Stimme, die Gestik – all das erinnerte ihn an jemanden. Dabei war er sicher, Kkim nie zuvor getroffen zu haben. Vielleicht eine Ähnlichkeit zu einem Bekannten. Aber zu wem?

Eine halbe Stunde später erhob sich der Sicherheitsmann mit einem Nicken und einem traurigen Lächeln. „Ich werde mich persönlich um die Angelegenheit kümmern.“

Milkam erhob sich ebenfalls. „Vielen Dank. Sie halten uns auf dem Laufenden?“

Kkim nickte und schüttelte ihnen erneut die Hand. Jetzt erst erhob sich auch Sareil. „Sobald ich etwas finde, sind Sie die ersten, die es erfahren. Bleiben Sie bitte in Reichweite des Kommunikationsnetzes des Planeten, falls es weitere Fragen gibt.“

Milkam musterte den Sonderermittler nachdenklich. An wen erinnerte der ihn nur?

„Guten Tag, meine Herren. Und mein aufrichtiges Beileid!“, sagte Kkim, wobei das Mitleid nicht bis in seinen Gesichtsausdruck reichte, dann öffnete er ihnen demonstrativ die Tür, und der Lärm des Büros schlug ihnen wieder entgegen.

Sareil ging als erster hinaus, Milkam folgte und warf dem Jasa Apokato noch einen Blick zu. Der sah ihnen nach und runzelte die nackte Stirn, wodurch der dichte Flaumteppich auf seinem Gesicht Wellen schlug.

„Sag mal, Sareil, kam der Mann dir auch bekannt vor?“, fragte er leise.

„Die sehen doch alle gleich aus“, gab der nur missmutig zurück und wich im letzten Moment einem großen SulSchamo in weißem Schutzanzug aus, der auf jeder Schulter eine doppelläufige Druckkanone trug.

Milkam sah sich noch einmal um, aber Kkim hatte bereits die Tür geschlossen. Sehr merkwürdig …

Narbatur warf sich zur Seite, als sich der Schuss löste. Der betäubte Randalierer traf einen Stapel Bandagen und Tücher hinter ihm im Regal, die von dem grünen Laserstrahl sofort in Brand gesetzt wurden. Narbatur rollte sich hinter einer dritten Behandlungsliege ab und kam wieder auf die Beine. Als der Angreifer wieder in Sicht kam, stand Narjanka bereits neben ihm, holte aus und verpasste dem Mann einen wuchtigen Schwinger.

Der Kopf des Mannes ruckte herum, die Augen noch immer geschlossen, doch der Treffer streckte ihn nicht zu Boden, was den Hakhasu aus dem Konzept brachte. Er starrte den Menschen einige Augenblicke verwundert an, lang genug, damit der die Laserpistole auf Narjankas Brust richten konnte.

Narbatur ergriff das erstbeste, was er in die Finger bekam und schleuderte es nach dem noch immer mit geschlossenen Augen dastehenden Menschen. Es war eine schwere Elektrosäge. Doch kurz bevor das klobige Ding die Hand des Menschen traf, wurde es von einer unsichtbaren Kraft aus der Bahn geworfen und traf Narjanka hart im Gesicht. Der Hakhasu wurde nach hinten geschleudert. PSI, schoss es Narbatur durch den Kopf.

Das dumpfe Klatschen hallte durch den Raum, wurde dann aber vom erneuten Fauchen der Laserpistole übertönt. Der Schuss sauste keine Handbreit an dem zurücktaumelnden Sicherheitsmann vorbei in die Deckenpanelen.

Narbatur sprang vor, aber da schwenkte der Mann schon wieder zu ihm herum. Er sah, wie sich der Finger erneut krümmte.

Die Klone warfen sich plötzlich auf den Betäubten. Einer klammerte sich an den Unterarm und zwang die Waffe nach unten, einer landete auf seinem Kopf und brachte ihn aus dem Gleichgewicht, was der Dritte nutzte, um hinter ihm auf alle Viere zu fallen, so dass er über ihn stolperte.

Der Mann ging zu Boden, die Laserpistole flog durch die Luft. Narbatur hechtete nach ihr, aber sie prallte an einem der Tische ab und schlitterte durch den Raum von ihm weg.

Der Mann landete in einem Klonknäuel, doch im nächsten Augenblick wurden die drei hellblauen, kleinen Gestalten wie von einer Explosion von ihm heruntergeschleudert und der Bewusstlose kam wie von Fäden gezogen wieder auf die Beine.

Er wandte sich zur Tür, aber dort hatte Narjanka Stellung bezogen, die Waffe im Anschlag. Er wirbelte herum, wollte zum Lüftungsschacht springen, aber Narbatur erhob sich in diesem Moment mit der Laserpistole in den Händen und rief: „Keine Bewegung!“

Dichter Rauch füllte den Raum zunehmend aus und Narbatur spürte ein Kratzen im Hals.

Der Mann stand einen Moment reglos da, dann wirbelte er herum und nahm etwas von einem Wagen. Es summte, und Narjanka schoss. Der Laserstrahl fuhr in die Brust des Randalierers und ein rauchendes Loch entstand, aber der Mann bewegte sich weiter.

„Was bei allen Sternschnuppen?“, fluchte der Hakhasu und legte erneut an, aber da drückte sich der Mensch zwei flache, mit Griffen ausgestattete Scheiben an die Schläfen.

„Nein!“, rief Alpha, der sich eben aus einem Stapel leerer Kartons freistrampelte.

Doch es war schon zu spät. Ein lautes Knistern ertönte, als der Mann den Knopf an dem Gerät drückte.

Wird fortgesetzt …

Raumhafen Adamant – Ratschlag 4

Dienstag, 13. April 2010
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Milkam starrte entsetzt auf Sareil, dessen eingedrückter Körper schlaff auf der Vorderradhaube des dreirädrigen Antigrav-Motorrads lag.

„Sareil!“, rief er und schüttelte den Kopf des Roboterkörpers, aber nichts geschah. Verzweifelt sah er von dem Fleck am Boden, der einmal sein Erzeuger gewesen war, zu seinem Mitgeborenen. Beide waren tot. Und das Schlimmste: Sareil und er hatten sich in den letzten Monaten nur gestritten. Wenn Saht weinen könnten, er hätte bittere Tränen in seine Nährlösung vergossen. Er hätte sich mit ihm versöhnen sollen, ihm verzeihen, doch jetzt war er nicht mehr. Sareil war fort!

Doch da glomm plötzlich das Licht in den Augen von Sareils Roboterkörper auf und er hob den Kopf.

Milkam sprang zu ihm: „Sareil, du lebst! Alles in Ordnung?“

„Girbal“, stammelte der Angesprochene und sein Körper richtete sich ruckartig auf.

Milkam beugte sich vor, halb zerrissen vom Schmerz um seinen Erzeuger und der Freude, dass Sareil noch lebte. Er rief: „Ich dachte, ich hätte dich verloren“ und wollte den formbaren Körper umarmen. Doch stattdessen ergoss sich ein Regen aus mittlerweile erkalteter Hydraulikflüssigkeit über sie beide.

Sareil drehte ihm das Gesicht zu, wischte sich mit einer Hand die Sensoren frei und sagte: „Girbal ist tot!“

Milkam nickte, schob aber die Verzweiflung und die Wut beiseite, um seinem Bruder zu helfen. Er hatte das Antigrav-Motorrad gerade zurückgesetzt, wobei der Leib des K’schigoten wie ein feuchtes Tuch zu Boden klatschte, da erklang hinter ihm das Surren eines Gleiters und eine Lautsprecherstimme: „Werfen Sie die Hände weg und heben Sie die Waffen.“

Milkam drehte sich verwundert um und sah einen Zweimanngleiter der Planetensicherheit, in schmuckem Kebil-Grauweiß. Er schwebte auf der Stelle und hatte Laserkanonen auf sie gerichtete, war aber zu breit für die Gasse.
„Ich meine: werfen Sie die Waffen weg und heben Sie die Hände!“, korrigierte sich der nervöse, junge Mensch auf dem Beifahrersitz. Der Pilot, ein Fleutar mit gezackten Wülsten und erkennbarem Übergewicht, verdrehte die Augen und setzte zur Landung an.

„Wir haben keine Waffen!“, rief Milkam und half seinem Bruder auf. „Und ich kann nur einen Arm heben.“
Der Fleutar stieg aus und seine grüne Haut schimmerte blasslila, weil der Schutzschirm über der bunten Stadt jetzt ein dunkles Blaurot annahm.

Der junge Mensch folgte eilig und zog seine Waffe, schob sich mit kleinen, scharrenden Schritten auf sie zu und warf immer wieder nervöse Blicke zu dem Fleutar, der in aller Seelenruhe eine Süßigkeit aus der Tasche zog und sich in den Mund steckte.

„Na, was haben wir hier?“, fragte er, als er die beiden Saht erreicht hatte, und Milkam erzählte es ihm.

Narbatur kam mit einem Zucken wieder zu sich, das ihn fast von der Behandlungsliege gerissen hätte. Narjankas riesige Pranke legte sich auf seine Brust und verhinderte den Sturz. „Ganz ruhig, Menschlein.“

Narbatur nickte dankbar und richtete sich auf. Er befand sich auf der Krankenstation. Neben ihm lag der Randalierer auf einem anderen Behandlungbett und ein sentralitischer Klon beugte sich gerade über ihn, um mit einem Scanner seine Werte zu messen. Das Licht des Bildschirms ließ die blassblaue Haut des künstlich erzeugten Wesens schimmern. Der kindliche Körper machte einen Schemel notwendig, um an den Patienten zu gelangen und die langen Fransen, die vor dem Mund des Klons herabhingen, lagen fast auf der Stirn des Gefangenen.

„Der böse Mann tut schlafen“, sagte eine helle Stimme neben ihm und als Narbatur zur Seite blickte, entdeckte er einen identischen Klon dort.

„Gamma“, korrigierte nun ein dritter, der um die Liege in Sicht kam und einen Dermaltransgressor in der Hand hielt.

„Es heißt: Der böse Mann schläft.“

„Ja, gut, Beta. Darf ich das machen?“, fragte der Kleine und lief aufgeregt zu seinem Pendant. Dabei sah Narbatur den griechischen Buchstaben Gamma, der groß auf den Rücken seines Overalls geprägt war.

„Das sind Alpha, Beta und Gamma“, erklärte Narjanka schmunzelnd. „Sie sind Berater des Kommandanten und manchmal vertreten sie Milkam.“

„Aha“, sagte Narbatur. Er wusste nie, wie er sich Klonen gegenüber verhalten sollte. Eigentlich verabscheute er die Idee, dass die Sentraliten diese Wesen als lebendige Datenbanken und künstliche Fachkräfte züchteten. Aber der Sternenrat hatte es genehmigt und die Klone selbst konnten ja auch nichts dafür.

„Ich will aber!“, quengelte Gamma und zog an dem Dermaltransgressor, den Beta nicht losließ.

„Geh, spiel mit deinen Antigrav-Bausteinen“, verlangte der und schob Gamma beiseite.

„Manno, nix darf ich“, beschwerte sich Gamma, trat gegen den Schemel, auf dem der dritte Klon, dann wohl Alpha, ins Schwanken kam, und ging in die Ecke, wo einige 3D-Bausteine schwebten. „Das sage ich Papa!“

„Was ist mit ihm?“, fragte Narbatur flüsternd und nickte zu Gamma hinüber. Das war der erste Klon, von dem er hörte, der auf einem kleinkindlichen Stand war.

„Lange Geschichte“, antwortete Alpha an Stelle des Hakhasu und sprang vom Schemel, während Beta den Transgressor ansetzte. „Das hier stellt den Mann einige Stunden ruhig.“

„War es wieder diese Droge?“, fragte Narbatur, massierte das letzte Kribbeln aus seinen Fingern und rutschte von der Liege.

„Wir haben noch keine Blutprobe genommen, aber es ist davon auszugehen“, sagte Alpha.

„Tolle Idee, dich selbst mitzuschocken“, höhnte Narjanka. „Und wenn er noch Freunde dabei gehabt hätte?“

„Oh, hat der große böse Hakhasu Angst vor ein paar Menschen auf Drogen?“

Narjanka schnaubte. „Wenn du das jetzt öfter vorhast, nehme ich eine Antigrav-Trage mit, du bist ganz schön schwer geworden.“

„Alles Muskeln“, gab Narbatur zurück.

„Ich nehme jetzt die Untersuchung vor, dann könnt ihr beiden ihn mitnehmen“, verkündete Alpha und Beta baute sich neben Narbatur auf. „Streitet ihr euch öfter?“

Narbatur sah verwundert zu dem kaum einen Meter großen Klon hinab. „Ständig“, sagte er mit einem Schmunzeln.

„Seid ihr schon lange zusammen?“

„Seit meinem ersten Tag auf dem Raumhafen“, berichtete der Mensch.

„Und jetzt ist die erste Herzensglut vorbei, wie die SulShamo sagen, was?“, fragte Beta mitfühlend und legte Narbatur die eine und Narjanka die andere Hand auf den Arm. „Das wird schon wieder!“,

„Was?“, rief Narbatur entsetzt und beeilte sich zu versichern: „Nein, ich … wir sind kein Paar! Ich …“

Narjanka lachte und tätschelte ihm den Kopf. „Wer weiß, was nicht ist …“

Narbatur wich zurück. Die Hakhasu hatten in der Regel kein Problem mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen, aber Narbatur war sicher, dass Narjanka ihn nur aufzog. Oder?

In diesem Moment flog die Laserpistole aus dem Holster des Hakhasu, landete in der Hand des ohnmächtigen Randalierers und richtete sich schwankend auf Alpha.

Der Klon machte keine Anstalten auszuweichen, sondern stammelte: „Das kann nicht sein! Der Kerl ist völlig abgeschossen!“

Tatsächlich waren die Augen des Liegenden geschlossen, dennoch glitt er jetzt von der Liege, richtete sich auf und die Pistole schwenkte auf Narbatur herum. Betäubt oder nicht … er würde schießen!

Wird fortgesetzt …

Raumhafen Adamant – Ratschlag 3

Montag, 12. April 2010
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Milkam hätte die Augen zugekniffen, wenn sein Körper diese Funktion besessen hätte, aber so blieb ihm nur übrig, dem hellen Blitz entgegenzublicken, der auf ihn niederraste – und dann an einer unsichtbaren Barriere unmittelbar vor seiner Brust abprallte.
Milkam, Sareil, ihr müsst etwas tun!, hörte er die wahre, warme Stimme seines Erzeugers in seinem Kopf. Sie klang fürchterlich schwach und zittrig. Girbal hatte seine psionische Kraft eingesetzt, um ihn zu retten. Jetzt müsste Milkam handeln, um seine Familie zu retten.

Die Vulbrina blickte verwundert auf die Waffe in ihrer Hand und das gab Milkam die kurze Verschnaufpause, die er brauchte. Er richtete sich auf und zog die Frau zu sich herunter, dann hob er den defekten Arm. Die Metallgliedmaße regte sich nicht, aber aus dem Loch schoss ein Geysir kochender Flüssigkeit und traf die Angreiferin im Gesicht.
Die bäumte sich kreischend auf, und in diesem Moment handelte auch Sareil. Sein unglaublich beweglicher Roboterkörper zog die Beine an und trat gegen die Waffe des Hakhasu, der über ihm stand. Die Wucht trieb den Giganten herum und der Schuss der Kanone löste sich, raste durch die Gasse und schleuderte die kreischende Vulbrina von Milkam herunter.
Milkam riss den anderen Arm hoch und fing die Diffusorpistole aus der Luft, die der Davongeschleuderten aus der Hand gesegelt war. „Auf Wiedersehen, Schnecke“, sagte er grimmig.

Der Hahkasu grunzte wütend und schlug mit dem Gewehrkolben nach Sareil, doch der schaffte es, sich zur Seite zu rollen. Dann schoss Milkam dem Söldner in den Rücken. Der Diffusorstrahl brauchte einen Augenblick, um sich durch die dicke Panzerung des Halsabschneiders zu brennen, aber dann fraß er sich in sein Fleisch. Der Kerl wirbelte herum und feuerte seine erneut geladene Druckkanone ab. Der Treffer warf Milkam von den Beinen, zermalmte die Waffe in seiner Hand und beulte die Brustplatte ein. Es war, als sei Milkam vor einen unsichtbaren Hochgeschwindigkeitsgleiter gesprungen.

Er überschlug sich einige Male polternd, dann landete er auf etwas Weichem. Er brauchte einige Augenblicke, um zu erkennen, dass es die Leichen der Grilbenier waren. Hastig sah er sich um, fand eine Laserpistole und wollte sie aufheben. Nur hatte auch sein anderes Schultergelenk etwas abbekommen und er bekam den Arm nicht mehr hoch.

Entsetzt sah er zu Sareil, der in diesem Moment auf den Schultern des Hakhasu landete, seine Oberschenkel um den Kopf schlang und ihm mit einem Rück das Genick brach.

Milkam stieß einen triumphierenden Schrei aus, doch dann erfüllte ein rötlicher Schein die Gasse, erklang das Brüllen einer plötzlichen Flamme und als er den Blick herumriss, sah er noch eine Wolke verdampfter Nährflüssigkeit aufsteigen. Er folgte ihr mit einem eisigen Gefühl im Magen bis zu ihrem Ursprung. Der Rand des von der Thermomachete geteilten Roboterschädels seines Erzeugers glühte noch. Der gekochte, verdrehte Leib Girbals rutschte heraus auf den Boden und wirkte neben dem schweren Stiefel des Angreifers winzig.
Der K’schigote hob mit einem gemeinen Lachen den Fuß.

Flieht, ihr Narren!, hörte er die angestrengte Stimme seines Erzeugers in seinem Kopf. Dann folgte das Bild eines Fleutar, dessen gelbe Wulste sich beinahe wie drei Kreise um seine Nase zogen.

„Nein!“, schrie Milkam, wollte die Arme hochreißen, doch sein Körper verweigerte den Dienst.

In diesem Moment sauste der Stiefel des K’schigoten hinab, und sein Erzeuger war nicht mehr.

Milkam wurde schwindelig, als die Verbindung, dieses feine, manchmal kaum spürbare Band abriss, das ihn seit seiner Geburt mit dem Wesen verbunden hatte.

Der K’schigote drehte sich um und zeigte mit der Machete auf Milkam. „Und jetzt zu euch!“

Milkam brüllte eine unartikulierte Herausforderung, schlug seine Schulter gegen die Wand, um sie wieder beweglich zu machen, und schaffte es tatsächlich, den Arm zu heben.

Der K’schigote lachte mit vollem Sackeinsatz und lief auf Milkam los. Der hob die Laserpistole und schoss auf den Mörder, aber die Waffe gab nur ein leises Quietschen von sich. Die andere Hand des Mannes präsentierte eine Fernbedienung. „Alle deaktiviert“, lachte er und forderte: „Wirst dich schon Mann gegen glitschiger Wurm mit mir messen müssen!“

Milkam brüllte frustriert und schleuderte die Waffe auf seinen Angreifer, der sie achtlos aus der Luft schlug. Trotz der unglaublichen, ohnmächtigen Wut in seinem Inneren war Milkam bewusst, dass er diesen Veteranen nicht im Nahkampf besiegen konnte.

Der K’schigote wurde schneller, pumpte Luft für ein Kampfgeheul in seinen Sack und holte mit der Machete aus, den Finger auf dem Knopf, der sie in Sekundenbruchteilen bis zur Weißglut aufheizen würde.

Milkam spürte die Leere, die der Tod seines Vaters hinterlassen hatte, aber er spürte auch noch etwas anderes: eine Art drückenden Gefühls unter seinen Augenstilen. Er kannte diesen Druck – es war sein verkümmertes PSI-Talent. Er konzentrierte sich darauf, ignorierte den K’schigoten und dann … hob er den Roboterarm und drückte den Starthebel des Antigrav-Motorrads, das er aus dem Augenwinkel sah, nur mit der Kraft seiner Gedanken ganz nach vorne. Im selben Augenblick ließ er sich fallen.

Das Gefährt schoss über ihn hinweg, kurz lastete das Antigra-Feld schwer auf seinem Rücken, dann gab es einen lauten Knall, als das Fahrzeug den Mörder erfasste und einen weiteren, als es ihn in die Wand rammte.

Milkam übertönte das Poltern der Trümmer mit einem lauten Schrei und stürmte dem Fahrzeug hinterher. Aber als er die halb eingestürzte Wand erreichte, verklang sein Schrei. Das Fahrzeug hatte auch Sareil mit sich gerissen, der nun neben dem K’schigoten eingequetscht war. Milkam sprang zu ihm, rüttelte an seinem Kopf, rief seinen Namen. Aber er reagierte nicht.

Narbatur riss die Hände hoch und bekam das Handgelenk des Verrückten zu fassen, aber der war grotesk stark, zwang die Scherbe immer weiter bis zu seinem Hals.

Narjanka hatte seine Laserpistole gezogen, angelegt und rief: „Soll ich schießen?“

Narbatur blickte in den schimmernden Lauf der Waffe und keuchte: „Nein!“

„Ich kann ihn treffen!“

„Nein!“, wiederholte Narbatur, denn der Angreifer mochte verrückt sein, aber dumm war er nicht, sondern hielt sich immer hinter seiner Geisel in Deckung.

„Soll ich?!“

„Nein!“, stöhnte Narbatur, der einsehen musste, dass der Angreifer ihm überlegen war. Also riss er die Hand mit einem Ruck nach unten, damit die Scherbe nicht direkt an seiner Kehle lag, ließ los und schoss mit seiner Bogenschlagwaffe auf sich selbst. Der blaue Lichtbogen schlug aus der Spitze, zuckte als krampfender Schmerz seinen Arm und Hals entlang und pflanzte sich dann in den Körper des Angreifers fort. Einige Augenblicke zuckten sie beide im Takt, dann wurde es schwarz um Narbatur.

Wird fortgesetzt …

Raumhafen Adamant – Ratschlag 2

Dienstag, 06. April 2010
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Milkam starrte auf die heranstürmende Horde und fühlte sich wie gelähmt. Sie würden sterben, in einer schäbigen Seitengasse in diesem Sündenpfuhl, und er würde nicht einmal erfahren, warum.

„Sareil, kümmere dich um den Hakhasu, Milkam, halte mir die Vulbrina vom Leib. Mit dem Rest werde ich fertig“, rief Girbal und Milkam spürte das vertraute Prickeln, wenn sein Erzeuger die psionischen Kräfte heraufbeschwor. Ansatzlos wirbelten die ersten beiden Grilbenier herum und eröffneten das Feuer auf ihre Kameraden. Sareil holte Schwung, lief einige Schritte die Wand hinauf und fing den Hakhasu in der Luft ab, bevor er landen und seine Druckkanone abfeuern konnte. Das zusätzliche Gewicht des stabilen Roboterkörpers überlastete die Antigrav-Stiefel, die mit einem Kreischen den Geist aufgaben. Gemeinsam stürzten die beiden zu Boden.

Jetzt erst konnte Milkam sich von dem Anblick losreißen. Er rannte auf die Vulbrina zu, die nun elegant landete und schoss. Im letzten Moment warf Milkam den Kopf zur Seite, so dass der schimmernde Diffusorstrahl ihn verfehlte, aber der Lasertreffer brannte sich durch seine Schulter. Die Warnhinweise des Roboters wurden Milkam als unangenehmes Ziehen übermittelt. Nicht vergleichbar mit den Schmerzen einer wirklichen Verletzung, aber deutlich genug.
Milkam wollte die Arme heben, um die Frau anzuspringen, aber der rechte versagte den Dienst. Stattdessen stieß der Roboterkörper zischend eine Fontäne kochender Hydraulikflüssigkeit aus dem Loch in der Schulter, die sich als feiner Nebel auf Milkams Videoscanner legte und ihn blendete.

Er taumelte weiter, doch die Vulbrina war nicht mehr vor ihm. Stattdessen landete etwas mit unglaublicher Wucht in seinem Rücken und riss ihn zu Boden. Er rollte sich über den intakten Arm ab, aber das Gewicht der Angreiferin drückte seinen Kopf auf den Boden. Dabei wischte der feuchte Müll zwar das Öl von seinen Scannern, so dass Milkam wieder sehen konnte, aber gleich darauf wünschte er sich fast, er wäre weiter blind.

Der Hahkasu hockte auf Sareil, die Druckkanone achtlos neben sich am Boden, und drosch wieder und wieder mit den Fäusten auf das formbare Gesicht ein. Noch schnellten Sareils Gesichtszüge in ihre programmierte Form zurück, aber der Schädel wurde dabei so durchgeschüttelt, dass Sareil, der im Innern in seiner Nährlösung schwamm, sicher übel gegen die Wände geschleudert wurde.

Girbal stand, die aus kleinen Messingkugeln zusammengesetzten Hände erhoben, noch immer mitten in der Gasse. Zwei der Grilbenier lagen reglos am Boden, ein weiterer umklammerte seine Hand mit der Pistole, und versuchte sie daran zu hindern, ihm selbst ins Gesicht zu schießen. Der vierte feuerte auf Milkams Erzeuger, doch der Laserstrahl wurde von dem Messingkörper reflektiert und schlug in eine Wand ein.

Jetzt brüllte der einsäckige K’schigote herausfordernd und sprang, eine gewaltige Thermomachete aus einer Scheide an seinem Gefährt ziehend, in die Gasse.

„Hey, Schnecke“, zischte die Vulbrina und warf ihn auf den Rücken, stellte sich auf seinen funktionierenden Arm und beugte sich über ihn. Die Diffusorpistole richtete sich auf seinen Kopf, die Laserpistole auf seine Brust, und ihr dritter Arm mit dem Messer, legte sich an seinen Unterleib. Ihr schmales, hübsches Gesicht blähte sich auf, bis es ein Spiegelbild des unförmigen Gesichts von Milkams Roboterkörper war, auf dem ein spöttisches Lächeln lag.
„Hat es für einen richtigen Körper nicht gereicht?“, spottete sie und Milkam hörte das Summen der Waffen unnatürlich laut.

„Ich habe wenigstens einen Körper für mein Geld bekommen, und nicht Geld für meinen Körper“, gab Milkam zurück.
„Die Frau mit der Waffe beleidigen, eine dumme Idee!“, lachte die Vulbrina und stieß mit dem Messer zu. Die Klinge drang durch die Außenhülle in das Filtersystem der Nährflüssigkeit.

Milkam ignorierte den symbolischen Schmerz und wandte hilfesuchend den Kopf, aber es sah schlecht aus. Girbal hatte den letzten stehenden Grilbenier auf den K’schigoten gehetzt, aber der schwang seine Machete in weitem Bogen und köpfte seinen Kameraden gerade ohne mit der Nickhaut zu zucken. Girbals Hände zitterten bereits, und Milkam spürte, dass sein Erzeuger nicht mehr lange standhalten würde.

Sareils Gegner hatte den Spaß an der Drescherei verloren und legte nun mit der Druckkanone an, auf deren Seite der Ladestatus von rot zu grün wechselte.

„Sag auf Wiedersehen, Schnecke!“, forderte die Vulbrina und drückte ab.

Narbatur verdrehte hinter Narjanka die Augen und hob den Arm, um auf seinem Kommunikator die Zeit abzulesen. 27 Uhr 13. Noch eine Dreiviertelstunde, dann wäre ihre Schicht zuende, und so sehr er den riesigen Hakhasu mochte, heute ging der Kerl ihm auf die Nerven.

„Ich mein ja nur – sicher, es hat ein bisschen mehr gekostet, aber so ein Gravitationskompensator macht sich spätestens bei engen Flugmanövern bezahlt.“

Narjanka drehte sich zu ihm um und fragte: „Hörst du mir eigentlich zu?“

„Sicher“, log Narbatur und winkte Olianka vom Informationsstand zu. Sie hatten einmal eine feuchtfröhliche Nacht verbracht, aus der sich aber nicht mehr entwickelt hatte. „Tolle Ausstattung, tolle Farbe, toller Preis, toller Gleiter. Trifft es das so in etwa?“

Narjanka öffnete das große Maul zu einer Erwiderung, aber da erklangen aufgeregte Rufe aus dem Ringsegment vor ihnen.

Narbatur streckte sich, konnte aber über eine Gruppe menschlicher Kebil-Beamter inklusive Reiseführer hinweg nichts erkennen, die gerade den Infostand belagerten. Kurzentschlossen sprang er auf den Rand eines mit Adamantblumen bestückten Bottichs.

In diesem Moment flog ein untersetzter Mensch in Kebil-Uniform durch das Schaufenster einer kleinen Kneipe neben Zugangstor 14. Der Mann rollte aus wie eine weggeworfene Puppe, dann landete ein weiterer Mensch im Fensterrahmen, hielt sich ohne die Schnitte zu bemerken am mit Scherben besetzten Rand fest und rollte wie irr mit dem Kopf.

„Da vorne“, rief Narbatur seinem Kollegen zu und wies auf den Mann.

„Ich seh’s“, versetzte der deutlich größere Sicherheitsmann und stürmte los. „Platz da! Sicherheit! Aus dem Weg!“, brüllte er. Ein dürrer Kebil-Ingenieur mit wirrem Haar reagierte nicht schnell genug, blieb in der sich öffnenden Schneise stehen und wurde von Narjanka mit einem Schulterstoß in seine Kollegen gekegelt.

Narbatur stürmte hinterher und rief dem verwirrten Mann eine Entschuldigung zu. Dann konzentrierte er sich auf seine ihm innewohnende Kraft, ließ seinen Geist in seine Muskeln sickern und stärkte sie. Von dieser zusätzlichen Energie beflügelt, überholte er Narjanka, was diesem ein unwilliges Grunzen entlockte.

Kurz bevor sie den Angreifer erreichten, riss dieser eine Glasscherbe aus dem Rahmen und sprang auf den Boden, um nach einer verängstigten Vulbrina-Servicekraft zu hacken.

Narbatur hob seinen Arm, lud die Bogenschlagwaffe und kam schlitternd vor dem Mann zum stehen. Der stierte ihn aus blutunterlaufenen, boshaften Augen an und wandte sich nun dem neuen Opfer zu. „Waffe weg!“, forderte Narbatur und legte an.

Narjanka hielt sich nicht mit dem Protokoll auf, als er nun ebenfalls ankam. Er lief einfach auf den Verbrecher zu und trat ihm vor die Brust. Der Treffer warf den Mann mehrere Meter rückwärts durch die Luft und gegen die Wand der Kneipe, an der er abtropfte und zu Boden ging.

„Du redest zuviel“, sagte Narjanka mit einem zufriedenen Grinsen.

„Sagt der Mann, der mich seit sieben Stunden mit seinem neuen Gleiter vollblubbert“, gab Narbatur zurück und trat zu dem Randalierer, der mit geschlossenen Augen und einer Platzwunde an der Stirn am Boden lag. Er drehte sich zu dem Hakhasu um. „Der muss erstmal auf die Krankenstation!“

„Vorsicht!“, warnte Narjanka, aber da war es schon zu spät – Narbatur spürte eine Hand im Haar und die Glasscherbe legte sich ihm an den Hals. Gleichzeitig klang ihm das irre Lachen des Verbrechers im Ohr.

Wird fortgesetzt …

Raumhafen Adamant – Ratschlag 1

Mittwoch, 24. März 2010
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Eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler

Milkam schüttelte verärgert den Kopf und wiederholte die Messung. Die Balken verschwanden, bauten sich neu auf und als das Piepsen verkündete, dass der Scanner seine Arbeit beendet hatte, leuchteten auf dem Bildschirm die gleichen Ergebnisse wie zuvor.
„Ingenieursgehilfe K-5 Gelamuderatukimefusikelanukilanutrisamutekofabitumehalufeketesame“, sagte Milkam tadelnd und sein Roboterkörper hob einen Zeigefinger.
Der Ramsaler krümmte sich zusammen, denn er wusste, dass der Arzt nur seinen vollen Titel und Namen benutzte, wenn er verärgert war. Bei der Bewegung rutschte eine der Windungen seines mittlerweile fast vier Meter langen, oberschenkeldicken Wurmkörpers von der Behandlungsliege und zog den Rest unaufhaltsam nach sich.
Wie ein sich abrollender Schlauch glitt Gelamude, wie ihn seine Freunde nannten, vom Tisch und landete auf dem weißen Boden der Krankenstation.
„Tut mir leid“, sagte der Ramsaler und sein Translingus klang irgendwie … zahnig. Kein Wunder, bestand sein Mund doch zu großen Teilen aus Zahnkreisen.
„`Tut mir leid´ hilft da wenig“, seufzte Milkam und füllte einen Dermaltransgressor mit dem Antiallergikum, das er vor kurzem entwickelt hatte. Er war sehr stolz auf den langen, von der Fachpresse sehr gut aufgenommenen Artikel über Allergieerkrankungen bei Ramsalern, den er daraufhin verfasst hatte. Immerhin konnte diese Spezies eigentlich alles fressen und verdauen.
„So, und ich will dich nicht noch mal dabei erwischen, dass du SulShamo-Küche verputzt.“
„Aber sie ist so … pikant.“
Milkam verdrehte die Augenstile, was sich jedoch nicht auf seinen veralteten Roboterkörper übertrug – dafür war die Gesichtmimik des antik zu nennende Stücks zu rudimentär. Also hob er dessen Arme. Natürlich war SulShamo-Küche pikant – sie wurde immerhin bei über 100 Grad serviert und gerne mit Vulkanasche gewürzt.
„Raus jetzt!“, forderte Milkam mit gespielter Strenge, drückte dem Patienten die schmale Platte mit dem Medikament knapp hinter die Mundöffnung auf den Körper und aktivierte das Gerät.
Gelamude kroch mit flachen, kleinen Bewegungen, die Milkam mittlerweile als Scham erkannte, aus der Station und erst als sich die Tür zischend wieder hinter ihm schloss, erlaubte Milkam sich ein Schmunzeln.
Es war schön, dass der Raumhafen Adamant nun eine große, stehende Mannschaft beherbergte, um die er sich kümmerte. Da fühlte er sich wieder wie ein richtiger Arzt. Von den unzähligen Besuchern des Urlaubsplaneten Adamant, die über den Raumhafen anreisten, sah er nur die akuten Notfälle.
Milkam seufzte, steckte seinem Körper ein Stück Energiekonzentrat in den Mund und nahm das TRAD mit der aktuellen Ausgabe von „Kebil-Medizin Aktuell“ zur Hand. Er hatte gerade einen Artikel auf dem großen Bildschirm des Geräts aufgerufen, da piepste seine Kommunikationskonsole.
Er seufzte erneut und trat an das Gerät. Ein Anruf vom Planeten, keine Kennung. Er drückte einige Knöpfe an dem alten Gerät, das noch zur Originaleinrichtung der Raumstation gehörte. Eigentlich waren mittlerweile tragbare Kommunikatoren Vorschrift für Kebil-Personal, aber Milkam war fest davon überzeugt, dass diese Dinger für die manchmal auftretenden Fehlfunktionen seines Körpers verantwortlich waren. Also war er bei dem guten alten klobigen Bauteil geblieben.
Der Ruf wurde aufgebaut und er sah ein kugelrundes Messinggesicht vor sich, in dem drei kugelrunde Messingkugeln Mund und Augen nachahmten und ein Kranz kleinerer Messingkugeln auf dem Hinterkopf die Audioscanner darstellte.
„Girbal“, wunderte Milkam sich erfreut. „Du bist auf Adamant? Was …“
„Ich habe nicht viel Zeit“, sagte der Saht am anderen Ende der Leitung. „In einer Stunde hinter der Lokalität `Grubenmuseum´ in der bunten Stadt, wir müssen uns treffen.“
Damit hatte Girbal auch schon wieder aufgelegt. Milkam blickte verwundert auf den Bildschirm. Warum diese Geheimniskrämerei? Aber wenn sein Erzeuger ihn rief, würde er folgen müssen.

Narbatur Segler nippte an seinem Shilsharak-Saft und bemühte sich, den beiden Kolleginnen möglichst lässig zuzunicken. Bei Sicherheitsfrau K-7 NehaLeke fiel ihm das vergleichsweise leicht. Die SulShamo wog etwa 300 Kilogramm, überragte ihn um fast einen Meter und ohne ihren Schutzanzug könnte man in ihrer Nähe Wasser zum Kochen bringen. Damit fiel sie aus Narbaturs Beuteschema deutlich heraus. Ganz zu schweigen davon, dass sie trotz seiner Beförderung zum Sicherheitsmann K-6 noch immer in der Hierarchie über ihm stand.
Sicherheitsfrau Eilani Sonnensucher hingegen war das genaue Gegenteil von NehaLeke. Schlank und biegsam wie eine Gerte und auf eine ganz andere Art und Weise heiß stand die blauhäutige Grilbenierin zudem als K-5 auch in der Rangfolge der Sicherheit unter ihm. Es mochte macho und sexistisch sein, aber was sollte er machen? Er hatte wohl von seinem Vater alte menschliche Unwerte geerbt.
Sherak Narjanka schnaubte in seinen Alkanuss-Sud und schüttelte schmunzelnd den Kopf, als Narbatur ihn ansah.
„Was denn? Darf man jetzt keine Kolleginnen mehr grüßen?“, beschwerte er sich bei dem Hakhasu. Der hob die Hand und winkte den beiden Sicherheitsfrauen seinerseits zu. „Natürlich darf man.“
„Was gibt es dann da zu lachen?“, wollte Narbatur wissen und biss von seinem Trilmaxfladen ab. Die Mischung aus Schärfe und Süße war hervorragend gelungen und er nickte dem menschlichen Koch in dem kleinen Imbiss anerkennend zu, der das Kompliment mit einem Lächeln entgegennahm.
„Du hechelst Eilani nun schon seit über einer Woche hinterher, und ich sage dir, das wird übel enden.“
„Erstens: Unfug! Und zweitens: Wieso?“, fragte Narbatur und beschloss, den Widerspruch in seiner eigenen Aussage zu ignorieren.
„Erstens: Wohl!“, brummte Narjanka und grinste so breit, dass seine Lippen sich an den Hauern spannten. „Und zweitens: weil man nichts mit einer anderen Sicherheitsfrau anfängt! Schon gar nicht jetzt.“
Narbatur wusste, worauf Narjanka anspielte. Die große Sternenratssitzung sollte auch in diesem Jahr auf Adamant stattfinden, und wenn man wusste, worauf man zu achten hatte, bemerkte man die strengeren Sicherheitsprotokolle. Stationskommandant Gosen hatte sie, geschickt wie er war, im Laufe mehrerer Wochen nach und nach verschärft, damit sie zum Stichtag den Kebil-Vorgaben genügten.
Die Sicherheitsleute liefen deutlich öfter Streife, was auch der Grund war, warum Narjanka und er heute auf dem Ring unterwegs waren, statt wie ursprünglich vorgesehen ihren Bürokratierückstand aufzuarbeiten.
„Liebesgeschichten im Kader sorgen nur für Unruhe, und ich an deiner Stelle würde Gosen nicht mit weiteren Problemen kommen“, fuhr der Hakhasu fort und stand auf.
„Ach komm, Gosen liebt mich!“, sagte Narbatur selbstbewusst. „Der alte Stahlbesen hat einen Narren an mir gefressen, den habe ich in der Tasche.“
Narjanka salutierte zackig und blickte über Narbaturs Schulter, der herumwirbelte und Gosen persönlich hinter sich vermutete. Doch da war bis auf eine Gruppe bunt gekleideter Luolmar-Händler niemand zu sehen.
Narjanka lachte dröhnen auf, was eine rote sentralitische Klonfrau in einem Overall so erschreckte, dass sie ihr Tablett fallen ließ. Da aber nur verpackte Waren darauflagen, war kein Schaden angerichtet.
„Sehr witzig. Mal sehen, wie es dir gefällt, wenn Gosen spitzkriegt, dass du deinen neuen Gleiter mit illegalen Treibdüsen ausgestattet hast.“
Nun war es an Narjanka, sich nervös über die breiten Schultern umzusehen. „Darüber macht man keine Scherze“, wisperte er.
Nabatur lachte und schlug seinem Freund und Kollegen auf die Schulter, was den Effekt eines Hiebs auf ein Stahlschott hatte. Man brach sich halb die Finger und erreichte nichts. „An die Arbeit! Der Ring patrouilliert sich nicht selbst.“

Milkam sah dem Taxishuttle etwas verloren hinterher, während es sich erhob und knapp unter dem im Moment grün leuchtenden Schutzschirm dahinschoss, der in der Perlenstadt über ihnen den Boden, hier unten aber die Decke darstellte.
Milkam fühlte sich in der bunten Stadt nicht wirklich wohl. Sicher, die Perlenstadt suchte er gerne mal auf, spielte ein bisschen in den Kasinos, sah sich Varietéshows an und genoss das Nachtleben. Denn dort oben hatte alles Klasse, war sauber und überwacht. Hier unten aber ließ der Sicherheitsdienst des Planteten viel zu oft die Antigrav-Steuerung locker und Pi auch schon mal glatt 3,2 sein.
Im Ergebnis fand man hier die Kriminellen, die sich auf verbotene Liebesdienste, illegales Glücksspiel und Schutzgelderpressung spezialisiert hatten. Was wollte Girbal hier?
Das Grubenmuseum war, wie sich herausstellte, als Milkam die Straße entlangging, gar kein Museum, sondern eine Kneipe. Sie gab sich, zumindest von außen, den Anschein eines Geteriumbergwerks, inklusive Arbeitsrobotern, die einem die Tür aufhielten … und Milkams Roboterkörper erschreckend ähnelten. Irgendwann würde er sich einen neuen leisten können. Er brauchte nur einmal richtig zu gewinnen, dann …
Milkam ließ den Eingang links liegen, bog um die Ecke und prallte zurück, denn an der Ecke presste gerade neckend ein Luolmar seinen Dreiecksmund auf den Hals eines Jasa Apokato, der daraufhin an dieser Stelle die gleiche graublaue Farbe annahm, wie die Haut des Luolmar. Milkam erschauderte. Diese Art von fleischlicher Verbindung war ihm als Arzt natürlich bekannt, aber als Saht eher zuwider.
Er ging weiter, das Licht des Schirms und damit der Umgebung wechselte langsam zu einem satten Gelb und so erstrahlte auch der eigentlich weiße Körper Sareils in dieser Farbe, als er jetzt in Sicht kam.
Milkam erstarrte, dachte kurz daran, sich zu entfernen, bevor sein Geburtsmitling ihn entdeckte, aber da war es schon zu spät. Die elaborierte Mimik von Sareils topmodernem Roboterkörper verzog sich zu sichtlichem Missfallen und er schüttelte kurz den Kopf, hob dann aber die Hand zu einem spöttischen Salut.
Milkam schnaubte und ging zu ihm hinüber. Natürlich würde sein Erzeuger auch Sareil zu einem Gespräch bitten, wenn er schon auf Adamant war. Immerhin entstammten sie beide seinem ersten Gelege.
Milkam nickte stumm und lehnte sich neben Sareil an die schmutzige Wand. Ein kopfgroßer, mit einem Rüssel bewehrter Schädling wühlte sich durch einen großen Stapel mit Müll am Ende der schmalen Gasse.
„Weiß du, was er will?“, fragte Sareil nach einigen Augenblicken.
Milkam schüttelte den Kopf.
„Schmollst du immer noch?“, fragte Sareil und versuchte ein Lächeln. „So langsam müsste doch wohl genug Zhagur denaturiert sein, damit du …“
„Halt’s Maul!“, verlangte Milkam barsch. Er würde Sareil seinen Verrat nie verzeihen, und der teure, neue Körper seines Geburtsmitlings würde immerwährendes Zeugnis über seine unmoralische Verfehlung ablegen.
„So war es immer. Wenn du nicht deinen Willen bekommst …“ Sareil machte eine fließende wegwerfende Geste, die Milkam nur umso wütender machte, weil er eine solche Beweglichkeit bei seinen Operationen sehr gut gebrauchen könnte.
„Müsst ihr beiden denn immer streiten?“, fragte eine metallische Stimme vom Eingang der Gasse und sie drehten sich um, Sareil deutlich geschickter, um ihren Erzeuger in seinem alten Roboterkörper auf sich zukommen zu sehen. Hinter ihm auf der Hauptstraße fuhr in diesem Moment ein Gleiterbus vorbei und die Scheinwerfer ließen seinen auf Hochglanz polierten Messingleib aufleuchten.
Milkam nahm den Geist seines Erzeugers in seinem eigenen wahr, spürte die Wärme des Larvennestes und die wohlmeinenden Gedanken. Doch dann wurde das Gefühl eisiger, als sich Ärger hineinmischte, der Erinnerungen an Jahre der strengen Erziehung wiederaufleben ließ.
„Ihr habt es nicht nur versäumt, euch weiterzubilden“, tadelte Girbals metallische Roboterstimme, „ihr habt sogar noch einiges verlernt.“
Milkam blickte betroffen zu Boden, Sareil hingegen funkelte ihren Erzeuger trotzig an. Das mangelnde psionische Talent seiner Nachkommen war Girbal stets ein Dorn im weichen Unterleib gewesen. Er, der Meister der Psionik, hatte extra die Mühe auf sich genommen, sich keinen Partner zu suchen, sondern sich selbst zu befruchten und die ganze Last der Erziehung auf sich zu nehmen. Doch sein Talent, das seiner Meinung nach Fortbestehen musste, war nur bei einem seiner Nachkommen wirklich gewachsen. Milkam und Sareil waren psionisch gesehen Blindgänger, was auch der Grund gewesen war, weswegen sie Lumbêz, ihren Heimatplaneten, unmittelbar mit Erreichen ihrer vierten Form verlassen hatten und zum Kebil Konsortium gegangen waren.
„Gut, dann muss ich euch eben durch Worte vermitteln, was vor sich geht.“ Seine Audioscanner drehten sich schneller. „Wir haben nicht viel Zeit, vermutlich sind sie mir schon auf der Spur.“
Er hatte es eben ausgesprochen, da strahlte erneut ein helles Licht in die Gasse, doch diesmal fuhr es nicht vorbei. Er gehörte zu einem breiten Antigrav-Motorrad, auf dem ein fettleibiger K’schigote saß. Einer seiner Backensäcke hing schlaff und vernarbt herunter, aber der andere pumpte sich dafür umso beeindruckender auf und er brüllte: „Holt sie euch!“
In dem Moment brach die Hölle los. Von oben stürzte ein riesiger Hakhasu mit Antigrav-Stiefeln auf sie hinab, die Druckkanone im Anschlag. Zu beiden Seiten des K’schigoten stürmten grilbenische Halsabschneider auf sie zu, einige mit Thermomacheten und Schockschwertern, andere mit Laserpistolen. Und jetzt sprang auch noch eine schlanke Vulbrina in enger Lederkleidung in einem gestreckten Salto von der Rückenlehne des K’schigotenanführers herab, in der einen Hand eine Diffusorpistole, in der anderen ein langes Messer und nun wuchs ihr ein dritter Arm, mit dem sie eine Laserpistole zog.
„Hast du eine Waffe?“, fragte er Sareil und kannte die Antwort schon, bevor der teure Roboterkörper den Kopf schüttelte.

Wird fortgesetzt …

Mehr zur Spezies der Ramsaler finden Sie in einer der kommenden Ausgaben der Media-Mania (www.media-mania.de). Die Vergangenheit der Saht Milkam und Sareil (und anderer Figuren) beleuchtet der Roman „Raumhafen Adamant – Die vergessene Schlacht“, der im September im Ulisses-Spiele-Verlag erscheint.
Ein Tagebuch über die ersten Diensttage von Narbatur Segler auf dem Raumhafen Adamant erscheint nach und nach im Blutschwerter-Forum (www.blutschwerter.de).

Raumhafen Adamant startet bei Ulisses

Mittwoch, 03. Februar 2010
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Raumhafen Adamant hat ein Zuhause gefunden. Wir sind stolz und froh, dass das neue Rollenspiel von André Wiesler pünktlich zur RPC erscheinen wird (wenn keine kosmischen Psioniker schädlichen Einfluss nehmen).

Im gleichen Format wie bei unseren John-Sinclair-Produkten wird RAD (so die Abkürzung) auf 100 Seiten alles beinhalten, was man für actionreiche Abenteuer im ganzen Universum braucht, vor allem aber auf dem Freizeitplaneten Adamant. Das vollfarbige Buch wird von Bildern aus der Feder Volker Konrads geschmückt, den man bereits für seine Ratten-Illustrationen kennt und liebt.

Als kleiner Teaser hier schon mal der Klappentext des Rollenspiels:

Raumhafen Adamant – Das Action-Rollenspiel

Adamant … der neue Ausflugsplanet hat alles, was der Reisende zur Erholung braucht: Endlose Sandstrände und ein azurfarbenes Meer, Amüsement jeder Art, faszinierende Flora und Fauna – ein echtes Traumziel.

Aber der Planet hat auch eine andere Seite: Die Sperrzone voller Mutanten, militante Umweltschützer, mysteriöse, psibegabte Ureinwohner, das organisierte Verbrechen, Rotlichtviertel, Bauruinen und dazu intrigante Politiker und Spione aller Spezies, die sich hier mal mehr, mal weniger unauffällig die Thermomachete in den Rücken rammen.

Vom Tumult im Rest des Universums ganz zu schweigen!

Raumhafen Adamant ist ein buntes Action-SciFi-Rollenspiel mit einfachen Regeln, das sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Spielen Sie draufgängerische Piloten in grilbenischen Gleitern, verführerische Gestaltwandlerinnen mit Energienetz, dreigeschlechtliche Attentäter mit psionischen Fähigkeiten, kernige Soldatinnen mit Steinhaut, verschlagene vierbeinige Schmuggler mit der Lizenz zum Betrügen und vieles mehr.

Bei Adamant ist nur eines sicher: Langweilig wird’s nie!

Aber das RAD-Rollenspiel bleibt nicht allein. Fans des Wuppertaler Autors werden sich noch an die gleichnamige Fortsetzungsgeschichte erinnern, die Pate für dieses neue Rollenspiel stand und eine zeitlang auf Andrés Homepage zu lesen war. Wir haben uns auch diese Geschichte sichern können und bringen sie euch im Herbst als Roman mit dem Titel „Raumhafen Adamant – Die vergessene Schlacht“ ins Haus. Auch hier schon mal zum reinschnuppern der Klappentext:

Raumhafen Adamant – Die vergessene Schlacht

Einst war Adamant ein friedlicher Bergbauplanet, doch damit ist es jetzt vorbei. Im Auftrag des Kebil-Konsortiums soll ein Urlaubsplanet aus ihm werden. Schnell zeigt sich, dass diese Aufgabe nicht so leicht durchzuführen ist, wie es die k’schigotischen Ingenieure sich wünschen würden.

Zahlreiche Hindernisse stehen dem Terraformen im Weg: Mysteriöse Wesenheiten auf dem Planeten, Konflikte zwischen den Spezies und nicht zuletzt die vergessene Schlacht sorgen dafür, dass sich das Personal der Raumstation über Adamant in ernsten Schwierigkeiten wiederfindet, die das Ende des Universums bedeuten könnten. Werden die sentralitischen Klone Alpha, Beta und Gamma, der Sicherheitschef Gosen, die Saht in ihren Roboterkörpern und die Telepathin Flutfuri die Gefahr abwenden können?

André Wieslers neuer Roman erzählt eine rasante Science-Fiction-Geschichte mit viel Humor und packender Action.

Darüberhinaus könnt ihr euch auf diverse Überraschungen freuen, die den Launch von RAD begleiten werden – u.a. bei uns im Wunderwerk.

Also: Triebwerke zünden, Geschütze fertig, das All braucht Helden – oder zumindest verrückte Draufgänger.