Pünktlich zum Erscheinen des neuen Das Schwarze Auge-Romans Tagrichter von Dorothea Bergermann gibt es wieder einen kurzen Einblick in die Liste der handelnden Personen. Dieses Mal stellen wir einen weiteren Praios-Novizen, einen jungen rastullahgläubigen Novadi und eine traviatreue Gastwirtin vor.
Rhys ist ein auf der falschen Seite des Bettes geborener Sprössling des Hauses vom Großen Fluss. Wen genau er Vater nennen kann, hält Rhys sorgfältig geheim, aber seine Verwandten schätzten ihn genug, um ihm das Studium am Seminar der Wehrhalle in Elenvina zu ermöglichen. Dort erwarb er sich rasch einen Ruf als aufgeweckter und arbeitsfreudiger Student – aber genauso schnell sammelte der prügelfreudige Junge Karzertage zur Besinnung.
Allerdings schlägt Rhys sich nicht mit jedem. Er sucht die besondere Herausforderung. Zusammen mit ein paar Gleichgesinnten vermöbelt er mutmaßliche Phex-Novizen. Als die regelmäßigen Straßenschlachten zwischen Novizen und Lehrlingen im Handwerkerviertel überhandnahmen, verhängte der Scholasticus eine rigide Ausgangssperre. Nun sitzt Rhys des Abends gelangweilt auf seiner Pritsche im Novizenschlafsaal und plant die große Revanche gegen die Phexensjünger.
“Unter uns – niemand in dem Hörsaal wusste, wie die wandernden Magi besteuert werden. Wir waren alle nur glücklich, dass er jemand anderen gefragt hat.”
Hiram ben Rashim
Der achtjährige Sohn des novadischen Pferdehändlers Rashim kennt sein eigenes Volk nur aus Erzählungen und von den jährlichen Pferdemärkten am Rande der Khôm. Vater Rashim bemüht sich redlich, seinem Sohn die 99 Gesetze des All-Einen nahezubringen, und obwohl Hiram von Zwölfgöttergläubigen umgeben ist, richtet er seine Gebete nicht an die Frauen Rastullahs.
Er ist ein Wirbelwind auf dem Marktplatz, und mancher Händler hat den kleinen Novadi und seine Freunde schon verflucht und verwünscht. Aber als er von einem Magus den Auftrag erhält, einen schweren Stein verschwinden zu lassen, fällt ihm nichts Besseres ein, als ihn in ein überlaufenes Gasthaus zu bringen und der Tochter des Wirts zu geben. Dies erweist sich gleichzeitig als die beste und schlechteste Entscheidung in seinem jungen Leben.
Phejanca Wirt
Als Travisbert Zimmermann seine mütterlich-rundliche Verlobte aus Gareth mitbrachte, nahm man sie im Handwerkerviertel freundlich auf. Travisbert war wohlgelitten, und das verfallende Anwesen seiner Familie blühte unter Phejancas fester Hand rasch wieder auf. Überhaupt erwies sich die Zimmermannsgattin als äußerst glückliche Verwalterin. Ihre Investitionen trugen schnell Früchte, und das Vermögen der jungen Familie wuchs beinahe schneller als ihre Kinderschar.
Bald konnte sich Travisbert in die Ränge der Elenviner Handwerksmeister einkaufen, und seine Frau eröffnete ein Gasthaus, in dem sich Gesellen wie Meister gleichermaßen wohlfühlten. Aber auch durchreisende Geweihte und Prediger vom Bund des wahren Glaubens wurden bald auf die neue Wirtschaft aufmerksam und quartierten sich bevorzugt dort und nicht in der Wehrhalle ein.
Mittlerweile hat Phejanca ein Dutzend leiblicher Kinder und ungezählte Paten- und Pflegekinder. Auch ein paar Waisen bietet sie ein sicheres Heim. Dass sie oft im Travia-Tempel zu finden ist und das Viertel im Gemeinderat vertritt, ist selbstverständlich. Allerdings kann sich niemand im Handwerkerviertel erklären, warum sie nun schon zum zweiten Mal die Akoluthenwürde im Dienste Travias abgelehnt hat.
“Gerade Markttage sind Schlachttage, Alrik. Du bekommst ein halbes Schwein, eine Schlachtplatte oder Metzelsuppe. Ganz, wie du es bezahlen kannst. Ein Rindvieh wie dich konnte ich leider nicht finden, sonst würde ich es dir glatt auftischen.”

Im Oktober erscheint von Dorothea Bergermann der Roman »Tagrichter«, Folgeband zu ihrem im April letzten Jahres erschienenen Debütroman »Nachtrichter« (DSA #118). Die Autorin berichtet für das Ulisses-Blog von ihrer Arbeit an ihrem zweiten eigenständigen Werk: