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Raumhafen Adamant – Ratschlag 22

Sonntag, 23. Januar 2011
raumhafen-adamant-%e2%80%93-ratschlag-22

Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

22

Der Schuss durchdrang Gosens Oberarm und verschmorte den Kies und Sand unter ihm zu heißem Glas. Gosen schrie vor Schmerz auf und ließ das Lasergewehr fallen. Aber das war nicht die erste Verletzung dieser Art, die er erhalten hatte, auch wenn er seine heilenden Naniten sehr vermisste.

Reiß dich zusammen, mahnte er sich, rollte aus dem Weg eines weiteren Schusses und sprang auf. Der dritte Laserschuss stanzte ein Loch in die Druckkanone, deren Ladekammer mit lautem Keuchen ihr Leben aushauchte.

Gosen grollte wütend, schätzte die Entfernung ab und drehte sich zweimal schnell im Kreis, um dann die schwere Waffe zu schleudern. Sie traf den Angreifer am Kopf und riss ihn von den Beinen.

Gosen rannte los, riss mit Links die Thermomachete vom Gürtel und sprang ab. Der Hieb traf auf das zur Abwehr erhobene Gewehr, schnitt glühend hindurch und blieb im Helm stecken. Für einen kurzen Augenblick erstarrte der Mann im Anzug. Dann merkte er, dass er noch lebte und fuhr mit leisem Sirren die langen Vibroklingen in den Unterarmen seines Anzugs aus.

„Oh Mist“, fluchte Gosen und versuchte die Machete wieder herauszuziehen, aber sie steckte fest.

_________

Narbatur wurde von dem Druck der Beschleunigung in den Sitz gedrückt. Die Nase des Gleiters zeigte direkt nach oben, hinter dem davonrasenden Transporter her, und unter ihm stiegen auch die Jäger, um ihm den Weg abzuschneiden.

Sein Kopf pochte schon nicht mehr, sondern wogte in einem Meer der Schmerzen und immer wieder musste er Tränen wegblinzeln.

Tera löste den Sicherheitsgurt und ließ sich über die Rückbank in den hinteren Bereich des Gleiters rollen.

„Was machst du da?“, rief Narbatur ihr entgeistert zu. Bei der Geschwindigkeit konnten die Gravitationsemitter sie nicht mehr halten, würde jede Kursänderung sie durch den Innenraum schleudern.

„Uns Zeit verschaffen“, sie riss die Verkleidung von den Elektroteilen und dem Generator, der das Lasergeschütz mit Energie versorgte, und fing an, scheinbar wahllos Kabel herauszureißen und neu zu verbinden.

„Narbatur, deinen Kommunikator“, verlangte sie.

„Was?“

„Nicht fragen, machen!“, blaffte sie ihn an.

Die Jäger wagten noch nicht, auf sie zu schießen, um den zivilen Luftverkehr nicht zu gefährden, aber sobald sie den Orbit verließen, wären sie Freiwild.

Er ließ seinen Kommunikator nach hinten fallen, Tera fing ihn, zerschmetterte ihn an einer Metallkante und las Bauteile aus dem Schrott.

„Bei drei schaltest du den Antrieb aus, drehst dich in der Luft und feuerst das Geschütz ab.“

„Was?“

Tera zog sich wieder auf den Sitz und sagte: „Eins!“

„Bist du wahnsinnig?“

Sie schnallte sich an: „Zwei!“

„Du wirst uns umbringen!“

„Drei!“

Narbatur fluchte, schaltete den Antrieb aus und nutzte die Steuerdüsen des Schiffes dazu, es um 180 Grad zu drehen. Die ballistische Energie trug das Schiff noch ein Stück weiter, dann wurde es langsamer und begann zu stürzen.

„Auf wen?“, fragte Narbatur.

„Egal!“, rief Tera und Narbatur feuerte einfach ins Leere. Ein Funkenregen explodierte im hinteren Bereich des Gleiters und die Schiffsysteme und alle Anzeigen gingen aus. Das Geschütz glühte auf und wurde von einer Verlagerungswelle zerrissen, die sich aus dem Lauf schob. Sie breitete sich aus, traf die Jäger der Planetensicherheit und auch ihre Systeme schalteten sich ab. Die Antriebe stotterten und dann fielen auch sie in Richtung Planetenoberfläche.

„Toll gemacht, jetzt stürzen wir alle zusammen ab“, keuchte Narjanka.

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Gosen warf sich nach hinten und entging so ganz knapp einem Hieb mit den vibrierenden Klingen am Unterarm des Angreifers. Er rollte sich rückwärts ab, drehte sich um und floh. Das überraschte den Gegner offenbar, denn er zögerte kurz, machte sich dann aber an die Verfolgung. Dummer Fehler, dachte Gosen grimmig, sprang ab und rollte sich über den steinigen Boden ab, um das fallengelassene Lasergewehr aufzuheben. Doch er landete auf seiner verletzten Schulter und als der stechende Schmerz und die Welle der Übelkeit vergangen waren, lag er auf dem Rücken am Boden und sah den Gegner auf dem Kopf stehend auf sich zulaufen.

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„Gnagnagna“, äffte Tera den Hakhasu nach, schnallte sich erneut ab und drehte sich um, um die Kabel wieder anders zu verbinden. Mit einem gequälten Fauchen sprang der Antrieb wieder an und Narbatur riss das Schiff herum, hielt auf den Transporter zu, der jetzt langsamer wurde. Sie sahen deutlich das pulsieren und wabern der ersten von drei Grenzzeitwellen.

„Sie wollen sich aus dem Staub machen“, sagte Tera.

„Ach was?“, sagte Narjanka spöttisch.

Wir dürfen sie nicht entkommen lassen, dachte er und schüttelte leicht den Kopf, was die Schmerzen in ein neues Spektrum der Qual explodieren ließ.

„Narjanka, du lenkst. Bring uns so nah heran, wie irgendmöglich!“

Der Hakhasu sah ihn verwundert an, umfasste dann aber das Steuer mit einer riesigen Hand. Narbatur schloss die Augen und in der Dunkelheit schwappten leuchtende Wolken, die bei jedem neuerlichen Schmerzimpuls aufgleißten.

Kann man sich mit PSI umbringen?, fragte er sich und verzog das Gesicht zu einem schmalen Lächeln. Gibt nur einen Weg, das herauszufinden.

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Der Angreifer sprang vor und wollte Gosen die summenden Klingen in den Kopf rammen, aber der Fleutar rollte sich im letzten Moment über die gute Schulter zur Seite. Damit aber leider auch von dem Lasergewehr weg. Die Klingen gruben sich in den sandigen Untergrund und der Gegner riss sie sofort wieder heraus, um mit der anderen Hand nach Gosen zu schlagen.

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Narbatur öffnete die Augen wieder und heftete seinen Blick auf den Transporter, von dem nun die zweite Welle ausging. Hätten sie doch nur einen Sprungunterbrecher. Nicht ablenken lassen!

Sein Blick verengte sich auf das weiße Raumschiff, bis er nichts anderes mehr wahrnahm. Er sammelte Kraft, spürte, wie sein Kopf sich von innen mit eisigen Nadeln füllte, aber er biss die Zähne zusammen. Dann streckte er seine Sinne aus, ertastete das elektromagnetische Feld der Schiffssysteme, badete in den Impulsen, in den Nullen und Einsen der Datenströme. Dann fand er den Navigationscomputer, griff darauf zu, glitt in die Zieldaten.

Das Schiff sandte die dritte Welle aus und verschwand in der Grenzzeit.

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Gosen glitt zur Seite, knapp an den Klingen vorbei, die seine Uniform schredderten, umfasste den Unterarm und drückte, doch er war nicht stark genug, um gegen die hydraulische Kraft des Kampfanzuges anzukämpfen. Der Mann drückte den Kommandanten von sich und schlug erneut zu. Gosen ließ sich auf die Knie fallen und beugte sich nach hinten. Die Klingen sausten Millimeter über seinem Gesicht vorbei und eine der vibrierenden Schneiden zog dabei eine Schneise in seine Wange.

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„Verdammt!“, donnerte Narjanka, hieb auf das Armaturenbrett und hinterließ eine tiefe Delle darin.

Narbaturs Kopf schien nun von bösartigen, brennenden Insekten bevölkert zu sein. Seine Gliedmaßen zitterten unkontrolliert und er konnte unmöglich sprechen. Mit letzter Kraft griff er auf Narjankas Kommunikator zu und übermittelte das Letzte Bild, das er wahrgenommen hatte.

Das Gerät piepste und Narjanka sagte: „Narbatur, du Teufelskerl!“

Dann verschwand der Schmerz und wurde durch gnädige Dunkelheit ersetzt.

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Gosen riss den verletzten Arm mit einem Schmerzensschrei hoch, ergriff das Lasergewehr damit und rammte den Lauf in die Spalte zwischen Brust- und Unterleibplatte des Anzugs.

Der Mann schlug erneut zu, aber in dem Moment fasste Gosen mit der gesunden Hand um und zog den Abzug. Lichtstrahlen pulsierten in den Körper des Angreifers, ließen die Innenseite des verspiegelten Visiers aufleuchten, die klingenbewehrten Unterarme sackten hinab und der ganze Körper folgte.

Gosen wollte sich wegrollen, wurde aber unter dem schweren Anzug begraben, der ihn platt auf den Boden drückte. Die schulterplatte lag genau auf der Wunde an Gosens eigener Schulter und er schrie vor Wut und Schmerz, bis er sich darunter hervorgearbeitet hatte.

In diesem Moment erhielt er einen Anruf. Es war Sicherheitsmann Narjanka.

„Kommandant Gosen“, rief der Mann aufgeregt. „Sonderermittler Kkim hat Ratsmitglieder entführt. Er ist in die Grenzzeit eingetreten, aber der Kleine … Sicherheitsmann Segler meine ich, hat die Zieldaten auslesen können.“ Es folgte eine Datenübermittlung mit Grenzzeitkoordinaten. „Sollen wir …“

In diesem Moment brach die Verbindung ab. Gosen blickte verwundert auf seinen Kommunikator – kein Netz. Die Terroristen mussten auch das Kommunikationsnetz infiltriert und ausgeschaltet haben. Das würde eine nette Panik geben.

Gosen seufzte, lief zu seinem Schiff, stieß den ohnmächtigen Menschen aus dem Weg und stieg ein. Er würde die anderen auflesen und dann hinterherspringen. Ohne Kommunikation konnte er keine Verstärkung holen, ganz zu schweigen davon, dass die Erklärungen viel zu lange dauern würden. Ich muss mal wieder selbst ran, dachte er und ein vorfreudiges Lächeln umspielte seine Lippen, als er das nun wieder funktionsfähige Schiff startete und die Kebil-Transporter fliehen sah.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 21

Sonntag, 16. Januar 2011
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Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

21

Gosen nutzte die Deckung des Waldes und schob sich an die Landungsstelle der Gegner heran. Sie waren nicht schwer auszumachen. Die grilbenischen Kampfanzüge waren zwar eleganter als andere Fabrikate, aber auch sie waren mit ihren Gyros und Panzerplatten nicht für den dichten Wald gemacht. Der Feind machte einen Lärm wie ein amoklaufender K’britâr. Äste krachten, Blätter raschelten und das Zischen der Hydraulik hatte alle Tiere zum Verstummen gebracht.

Gosen lugte um den Stamm eines riesigen Baumes herum und sah zwei der Gegner in enger Formation durch den Wald streifen. Sie hatten sich, wie zu erwarten, in Zweierpatrouillen aufgeteilt, um das Suchgebiet zu maximieren.

Der kurze Blick reichte Gosen, um das Alter der Anzüge nach oben zu korrigieren. Der eine hatte sogar noch einen Hydraulikgenerator auf dem Rücken, der zischend den nötigen Druck durch Schläuche pumpte.

Ein boshaftes Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus, als er sich eine Strategie zurechtlegte.

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Narbatur lenkte den Gleiter durch die engen, überfüllten Straßen, wenige Meter über den Dächern der mit Rädern oder Luftkissen versehenen Verkehrsteilnehmer und wich hier einer Leuchtreklame, da einem in der Luft geparkten Gleiter aus.

„Das ist Irrsinn!“, rief Narjanka.

Narbatur behielt den Umgebungssensor im Blick und ließ den Gleiter über den Flügel rollen, um einem aufsteigenden Shuttle auszuweichen. Er hatte die Jäger mit seinem Manöver überrascht, was sie aber nicht daran hinderte, jetzt hinter ihm in die Straßenschlucht zu tauchen. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis weitere Jäger zu der Jagd stoßen würden.

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Gosen verharrte gegen den Stamm gelehnt, bis die beiden Gegner an ihm vorbeigestapft waren, der eine rechts, der andere links vom Baum. Dann sprang er vor, hieb mit der Thermomachete, die rot glühend auffauchte, die Schläuche auf dem Rücken des einen durch, dessen Anzug daraufhin mit einem Zischen in sich zusammensackte. Kein Wunder, dass diese Anzüge nur wenige Jahre in Gebrauch gewesen waren.

Der andere Angreifer wirbelte herum, aber Gosen rollte sich ab, nutzte seinen Gefährten als Deckung und aktivierte die Druckkanone.

Als der andere seinen Kameraden umlaufen hatte, um ein freies Schussfeld zu haben, zeigte die Druckkanone mit einem Piepen den vollendeten Ladevorgang an. Gosen riss sie hoch und feuerte. Der Druckstrahl löste sich donnernd aus der Waffe, der Rückstoß riss ihn von den Füßen und warf ihn auf den feuchten Waldboden. Er sprang auf die Beine und sah zufrieden auf seinen Gegner hinab, der wie eine alte Büchse zusammengedrückt am Baum lehnte. Er trat dem in seinem Anzug gefangenen anderen Feind gegen die Brust, um ihn auf den Bauch zu werfen, damit er sich nicht befreien konnte und lief wieder los. Vier im Sinn, dachte er und lachte leise auf.

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„Festhalten“, sagte Narbatur ruhig. Er war so konzentriert, dass er seine Kopfschmerzen fast nicht mehr wahrnahm. Er wusste, dass er seinen Körper bis zum Äußersten antrieb und war nicht scharf auf die Rechnung, aber es musste sein. Der Sternenrat war die eine, große, stabilisierende Kraft im bekannten Weltraum und er würde nicht zulassen, dass ihn jemand sabotierte.

Er riss das Steuer herum, flog eine enge Kurve und feuerte mit der Laserkanone auf einen unförmigen Umwandlungskasten, um dann direkt wieder abzudrehen, auf den alten Kurs.

Diese Geräte waren beim Bau von Versammlung genutzt worden, um die immensen Strombedürfnisse zu sichern. Sie sollten eigentlich provisorisch sein, aber man hatte immer noch nicht alle ausgetauscht.

Zum Glück, dachte Narbatur, als der Kasten in einer Feuerwolke explodierte und einen dichten Funkenvorhang in die Luft sandte. Die Straßen so nah am Zentrum waren geräumt und Wesenleer. Noch mal zum Glück!

Sein Manöver zwang die Jäger, aufzusteigen, wollten sie nicht blind fliegen, und so gewann er etwas Zeit.

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Gosen hatte die nächsten beiden Gegner rasch eingeholt. Sie standen vor einem Mammutbaum und sahen sich nervös immer wieder um. Er würde nur unter Mühen an sie herankommen. Da fiel ihm auf, dass die braune Borke über den beiden grüne Sprenkel aufwies, die sich bewegten und immer wieder in einem Spalt im Stamm verschwanden. Er schmunzelte, hob die Druckkanone und schoss. Auf diese Entfernung würde er bei seinen Gegnern nichts ausrichten können. Aber das war auch nicht sein Ziel.

Er hörte das dumpfe Pochen, mit dem der Schuss den hohlen Baum traf und durchschüttelte. Die fingergroßen Insekten am und im Baum reagierten darauf, wie es Wraga-Braha auf jede Provokation taten: Sie verfärbten sich blutrot, stiegen in einem dichten Schwarm auf und stürzten sich auf das nächste, was sich bewegte. In diesem Fall die zu ihm herumwirbelnden Anzugträger. Im Nu waren sie von einer dichten, roten Wolke umgeben. Sicher, die Stachel würden ihre Anzüge nicht durchdringen, aber die Insekten würden in den nächsten Minuten nicht von ihnen ablassen, länger, wenn sie in Panik geraten und um sich schlagen sollten. Ihr seid erstmal beschäftigt, dachte Gosen und wandte sich in Richtung seines Raumschiffs. Bleiben zwei.

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Narbatur holte aus dem Gleiterantrieb heraus, was er konnte, und endlich kam der Purpurne-Sitzungssaal in Sicht. Er lag inmitten eines schmucken Parks mit Wasserspielen und war umgeben von den vier Parkhotels.

„Und jetzt?“, fragte Narjanka, dessen Muskeln sich rund und riesig unter der Uniform abzeichneten, weil er sich so im Sitz festkrallte.

„Verhindern wir die Ratssitzung“, sagte er und feuerte die Laserkanone ab.

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Wie erwartet hatten die letzten beiden Gegner mittlerweile das Raumschiff gefunden. Der eine war gerade dabei, das Schloss zu überbrücken, wofür er seinen Helm abgenommen hatte. Darunter kam ein bulliger Mensch zum Vorschein, den Gosen schon einmal gesehen hatte. Er arbeitete als Ober in einem der Parkhotels. Der andere sicherte derweil zum Waldrand hin. Eine Ablenkung musste her. Gosen sah sich suchend um und fand einen Klomschak-Baum. Seine großen, holzigen Früchte waren schwer und rund und damit ideale Geschosse. Er drehte drei von dem holzigen Stamm ab und lief weiter, bis er einen schlanken, biegsamen Baum fand. Schnell hatte er einen Ärmel von seinem Hemd gerissen und ein Katapult gebaut. Er zog es zurück und ließ zwei Klomschaks lossegeln. Kaum waren sie in der Luft, schrie er: „Deckung, Bomben!“

Die Wache warf sich sofort zu Boden. Der Mann am Schloss drehte sich verwundert herum und wurde von einer der harten Früchte am Kopf getroffen. Es gab einen hohlen Schlag und er sank in sich zusammen.

„Manchmal überrascht es mich selbst, wie gut ich bin“, rief Gosen vergnügt, der mit der Druckkanone in der einen und dem Lasergewehr in der anderen Hand auf die Wache zuschlenderte. „Waffe weg.“

Doch der Mann sprang auf die Beine, riss seine Waffe hoch und schoss. Der Lichtbolzen zischte knapp an Gosens Hüfte vorbei. Der zuckte mit den Schultern und schoss mit beiden Waffen zurück. Der Laserstrahl sauste in den Himmel, denn die Druckkanone riss ihn herum und nach hinten. Während er über den Boden rollte, dachte Gosen: Übermut tut selten gut.

Dann traf ihn der Laserschuss.

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Der armdicke Strahl des Lasergeschützes durchschlug eine große Tanne und traf dann einen unscheinbaren kleinen Bau neben dem größten der Parkhotels. Steine wurden verdampft und was nicht pulverisiert wurde, wurde von der Explosion in Stücke gerissen. Noch während Narbatur hochzog, schossen dunkelbraune Fontänen aus dem Boden und verteilten sich über die Hotelfront und den Park.

„Hast du da gerade die Abwasserfilterung weggeschossen?“, fragte Narjanka verblüfft.

„Klar“, sagte Narbatur nicht ohne Stolz. „Der Rat tagt doch nicht in einem beschissenen Haus. Gefahr gebannt. Und jetzt landen wir.“

„He, du Schlaukopf“, wandte Tera ein. „Bevor du zu sehr feierst, schau mal da rüber!“

Narbatur sah an ihrem Finger entlang und entdeckte einen Kebil-Transporter, dessen Heckklappe sich gerade schloss. Im Innern stand ein Jasa Apokato in der Uniform der Planetensicherheit.

„Ist das Kkim?“, fragte er verwundert.

Tera nickte. „Mit einer handvoll wichtiger Ratsmitglieder!“

Der Transporter startete und schoss steil in den Himmel. „Er will sie entführen!“, erkannte Narbatur.

„Vermutlich sein Plan B“, grollte Narjanka. „Und jetzt?“

Narbatur seufzte, war sich der Jäger deutlich bewusst, die sich von allen Seiten näherten und zog die Nase des Gleiters hoch. „Hinterher!“

Raumhafen Adamant – Ratschlag 20

Sonntag, 09. Januar 2011
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Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

20

„Eine PSI-Kernschmelze?“, fragte Beta weinerlich und erschauderte bei den Bildern, die ihm dabei durch den Kopf gingen.

Milkam nickte: „Wenn viele intelligente Wesen sich mit dem gleichen Problem beschäftigen, bildet sich, auch wenn sie nicht in PSI ausgebildet wurden, ein psionisch aufgeladenes Feld. Wenn man genug Psioniker mit einer entsprechenden Fähigkeit zusammenbekommt, kann man diese Wolke überladen und sozusagen zur Kernschmelze bringen.“

Beta erschauderte erneut. Das kam seinen schlimmsten Befürchtungen schon ziemlich nah.

„Und was passiert dann?“ Gosen hatte seine Frage sachlich und ohne erkennbares Unbehagen gestellt, aber Beta kannte ihm mittlerweile lang genug, um seine Aufregung zu spüren.

„Gebratenes Ratsmitgliederbris“, sagte Sareil.

In diesem Moment tauchte ein Kebil-Transporter unmittelbar über ihnen ab und krachte mit lautem Scheppern auf ihr Dach. Gosen konnte das Raumschiff abfangen, aber ein weiterer Transporter setzte sich hinter sie und aktivierte einen Suspensionsstrahl und hielt sie so fest. Das größere Raumschiff riss den Transporter zwar nach den Gesetzen der Physik hinter sich her, war aber zu schwerfällig, um dem erneuten Treffer von oben auszuweichen. Der Jäger ging in einen Sturzflug über, der Dschungel unter ihnen wurde aus einer grünen Fläche langsam zu einzelnen Pflanzen.

„Verdammt!“, fluchte Gosen und versuchte hochzuziehen, aber da umhüllte ein weiterer grünlicher Suspensionsstrahl ihr Schiff und drückte es noch weiter nach unten.

„Ihr wollt uns auf den Boden bekommen? Könnt ihr haben!“, rief Gosen und lachte rau. Er betätigte verschiedene Knöpfe, die nicht zur Standardausstattung gehörten, und ein tiefes Dröhnen vibrierte durch den Raumschiffrumpf. Es wurde schlagartig schneller und Gosen drückte die Nase nach unten, so dass sie sich jetzt in einem senkrechten Sturzflug befanden. Die Gravitationsemitter jaulten am Limit. Die beiden Kebil-Transporter wurden von ihren eigenen Suspensionsstrahlen an den Jäger gefesselt und mitgezogen.

Gosen wählte eine Nummer und rief ins Kommunikationsgerät: „Narjanka. Sorgen Sie dafür, dass der Rat sich nicht versammelt. Der Rat darf sich auf keinen Fall versammeln! Und vertrauen Sie Kkim nicht!“

Er wartete keine Bestätigung ab, sondern umklammerte den Steuerhebel.

Beta umschlang Gamma, der lachend neben ihm saß. Dauernd stürze ich ab oder werde beschossen, beschwerte er sich in Gedanken und wimmerte leise.

Mit einem gemeinen Grinsen gab Gosen noch etwas mehr Schub und nun konnte Beta durch die Frontscheibe schon fast einzelne Blätter ausmachen.

Der Kommandant lachte und fragte die Verfolger: „Seid ihr bereit, für eure Sache zu sterben?“

Narbatur raste in wenigen Kilometern Höhe über den Planeten, war damit aber immer noch langsamer unterwegs, als seine Gedanken. Gehirnfresser-Saht, der Rat … das alles war eine gänzlich andere Größenordnung, als ein fettleibiger Drogenbaron.

Narjankas Kommunikator piepste und der Hakhasu musste sich verdrehen, um ihn einzuschalten. Gosens Stimme rief über einen Klangteppich, der nach Maschinen an der obersten Leistungsgrenze klang: „Narjanka. Sorgen Sie dafür, dass der Rat sich nicht versammelt. Der Rat darf sich auf keinen Fall versammeln! Und vertrauen Sie Kkim nicht!“

Dann hatte er schon wieder aufgelegt.

„Die Ratssitzung stoppen? Wie stellt der Mann sich das vor?“

Narbatur warf seinem Kollegen einen kurzen Blick zu. „Ich habe da eine Idee.“

Er aktivierte die Laserkanone.

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Sie waren noch 200 Meter über dem Boden, als der Druck auf die Steuerung in Gosens verkrampften Händen nachließ, und bei 100 Metern verlor auch der Pilot des anderen Transporters die Nerven und schaltete den Suspensionsstrahl ab.

Gosen lachte. „Feiglinge!“

Die Kompensatoren des Jägers kreischten auf, als er ihn in einer mörderischen Kurve hochzog und die Unterseite des Raumschiffs säbelte einige Baumspitzen ab.

„Haben keinen Mumm mehr, diese …“, setzte er an, doch in diesem Moment krachte etwas ins Heck seines Schiffs und blaue Blitze wanderten über den Rumpf. Rote Warnlampen leuchteten auf, als zahlreiche Systeme ausfielen. Antrieb weg, Steuerung weg, Navigation weg. Nur noch die Steuerdüsen waren aktiv. Der Jäger kippte zur Seite weg und touchierte einen Mammutbaum mit dem Flügel. Das Schiff wurde in eine rasante Rotation versetzt und Gosen schlug mit dem Kopf gegen die Seitenscheibe. Sie würden gleich in den Urwald krachen und irgendwo zerschellen.

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Narjanka sah ihn verwundert an. „Was wird das denn?“

Narbatur warf ihm ebenfalls kurz einen Blick zu. „Vertrau mir! Sende unseren Code, damit man uns passieren lässt.“

„Was hast du vor?“, hakte sein Kollege nach.

„Die Ratssitzung abblasen“, sagte Narbatur und schenkte ihm ein wackeliges Lächeln.

Narjanka grunzte und aktivierte seinen Kommunikator, um der Flugsicherheit ihren Sicherheitscode zu übermitteln.

„Wenn das schief geht …“, grollte er.

„Darfst du sagen, dass du es mir ja gleich gesagt hast“, sagte Narbatur und stieg über die Flughöhe einer Dreiergruppe kleiner Shuttles, die ebenfalls auf die Stadt zuhielten.

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„Festhalten“, brüllte Gosen überflüssigerweise. Alphas Knöchel traten schon weiß hervor, so sehr klammerte er sich in den Anschnallgurt. Um sie herum war es grün und braun und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie einen Baum treffen würden.

Da fauchten die die Steuerdüsen auf, als Gosen sie gezielt überlastete. Statt auf harten Boden zu krachen, klatschten sie auf die Oberfläche eines kleinen Sees, den Alpha nicht einmal wahrgenommen hatte. Wasser spritzte und sie sprangen durch die Rotation angetrieben wie ein flacher Stein die Oberfläche entlang.

Gosen bremste ihre Drehung mit den Steuerdüsen ab, sie wurden langsamer und mit dem letzten Schwung glitten sie auf das steinige Ufer des Sees. Gosen hatte sich schon abgeschnallt und war aufgesprungen, bevor Alpha auch nur den Würgereiz ganz im Griff hatte.

„Kommt schon“, rief der Fleutar, zog seine Hand über einen Genomscanner in der Wand und riss eine Klappe auf. Dahinter steckten Druckkanonen, Lasergewehre und Thermomacheten in Halterungen. Gosen ließ den Blick kurz über die Klone schweifen, dann über Sareils Klammerhände und warf schließlich nur Milkam ein Gewehr zu, nahm sich selbst eines und hängte sich eine Druckkanone an einem Gurt um.

Gamma rief: „Will auch!“ und streckte die Arme nach den Waffen aus.

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„Wir haben freien Flug bis in den Sicherheitsparameter, drei Kilometer um den Purpursaal“, erklärte Narjanka nach einem kurzen Gespräch am Kommunikator.

„Hoppla“, sagte Narbatur. „Die Marke haben wir gerade passiert.“

„Ah, ich verstehe“, sagte Tera. „Hervorragende Idee. Ich hoffe nur, wir überleben sie!“

„Ich verstehe gar nichts“, fluchte Narjanka und nahm einen Anruf der Steuerzentrale entgegen.

„Sicherheitsmann Narjanka“, schnarrte eine strenge Frauenstimme. „Sie haben den Sicherheitsparameter verletzt.“

„Ach echt? Mensch, Kollege, du bist falsch abgebogen“, rief der Hakhasu.

„Drehen Sie sofort ab, sonst werden Sie abgeschossen!“

„Narbatur, mach, was die nette Frau sagt“, drängte er, aber Narbatur zuckte nur mit den Schultern.

„Wir haben das gleich geklärt“, sagte Narjanka in den Kommunikator.

In diesem Moment kamen ihnen zwei Kebil-Jäger entgegen, die zwar nicht schnittig oder gefährlich aussahen, aber trotzdem ausreichend bewaffnet waren.

„Ich glaube, wir haben ein Problem mit der Steuerung. Haben wir doch, oder?“ Narjankas Stimme wurde langsam schriller.

Narbatur nickte. „Genau, große Probleme.“

Zwei weitere Jäger schoben sich von hinten an sie heran.

„Dies ist die letzte Warnung.“

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„Raus!“, befahl Gosen und trieb die beiden Roboter und die drei Klone aus dem Raumschiff und in den dichten Dschungel am Rand des Sees. Keine Sekunde zu früh. Er blickte in den Himmel – die gute Nachricht war, dass die Transporter bis auf die Suspensionsstrahler offenbar keine Waffen besaßen. Die schlechte, dass ihre Heckklappen sich nun öffneten und jeweils drei grilbenische Kampfanzüge ausspuckten. Gosen kniff die Augen zusammen – es waren veraltete Exemplare, was den Vorteil hatte, dass sie nur eine sehr begrenzte Schwebefähigkeit hatten. Sie reichte aus, um ihren Sturz soweit zu bremsen, dass sie nicht wie Bomben in den Wald einschlugen, aber sie würden wenigstens nicht über die Wipfel hinweg abkürzen können.

„Milkam, du bleibst bei den Kleinen. Lauf nach Norden, bis ihr etwas anderes von mir hört.“ Gosen wies dem Saht vorsichtshalber mit einer Geste den Weg. „Ziel auf den Unterleib, da haben ihre Anzüge eine Schwachstelle.“

Milkam nickte und lief los. Gamma rief laut nach Gosen, wurde aber von den beiden anderen Klonen mitgezogen.

Gosen schlug sich nordöstlich in den Wald, lief einen Bogen und hielt dann auf den Landungspunkt der Truppe zu. Ihr werdet euch noch verfluchen, dass ihr mich im Wald kriegen wollt, versprach er ihnen in Gedanken.

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„Narbatur, Man!“, flehte der riesige Hakhasu fast. Narbatur warf ihm einen kurzen Blick zu, dann ließ er den Gleiter in die Straßenschluchten der großen Gebäude von Versammlung hinabstürzen.

„Jäger Staffel Kepa, Feuer frei“, erklang es noch aus dem Kommunikator, dann wurde die Verbindung unterbrochen.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 19

Sonntag, 02. Januar 2011
raumhafen-adamant-%e2%80%93-ratschlag-19

Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

19

„War das wirklich nötig, Vater?“, fragte Gosen und wischte sich Blut von der Oberlippe, das aus seiner Nase strömte. Sein Vater musterte ihn mit dem gleichen strengen Gesichtsausdruck, den er selbst immer zur Schau trug, und stellte fest: „Also stimmt es wirklich.“

Gosens Wangenmuskeln knackten, so angespannt war er und er musste die Fäuste ballen, damit seine Hände nicht vor Wut zitterten.

„Du bist die Schambringer losgeworden und hältst es nicht für nötig, zurückzukehren?“

„Warum hätte ich zurückkehren sollen?“, fragte Gosen lauter, als er beabsichtigt hatte. „Nenn mir einen Grund, warum ich Fleutar hätte vorziehen sollen.“

Sein Vater funkelte ihn an und jetzt zuckten auch seine Wangenmuskeln. Gosen hätte beinahe bitter aufgelacht, als ihm einmal mehr auffiel, dass sie sich zu ähnlich waren, um miteinander klarzukommen. Doch dann wurden die Züge seines Vaters weicher, sein stahlharter Blick wich zur Seite. „Deine Mutter.“

Gosens Hände erschlafften wie von selbst und er spürte seine Wut verpuffen.

„Wie geht es ihr?“

„Die Ärzte gaben ihr ein Jahr. Das ist nun 15 Monate her. Du kennst sie. Sie ist eine starke Frau.“

Gosen nickte stumm. „Du hast dich entehrt“, stellte er dann fest.

Sein Vater nickte mit grimmigem Gesicht.

„Ich nehme an, du hast eine Sondergenehmigung?“

Er nickte wieder. Das war typisch für seinen Vater. Er hatte Gosen mit Schimpf und Schande aus dem Haus gejagt, als er von seinem Entschluss erfahren hatte, den Planeten zu verlassen. Seit diesem Tag vor fast zwanzig Jahren war er für seinen Vater praktisch tot gewesen, nur seine Mutter hatte ihm gelegentlich Nachrichten geschickt. Und jetzt hatte derselbe Mann sich Naniten einsetzen lassen, um den Orbit Fleutars verlassen zu können, ohne zu zerfallen und zu sterben.

„Warum?“, fragte Gosen, aber er kannte die Antwort schon, bevor sein Vater sie aussprach: „Unsere Bündnisse müssen gestärkt werden. Die Kammer verlangte es.“

Er seufzte und richtete sich wieder kerzengerade auf. „Die Pflicht ist wichtiger.“

Gosen nickte nachdenklich und blickte über die Schulter zu den drei Klonen und den beiden Saht, die dort standen und darauf warteten, dass er etwas unternahm.

„Du hast Recht!“, schloss er und wandte sich ab. „Melde dich, bevor du abreist“, sagte er im weggehen.

„Es ist noch nicht zu spät“, sagte sein Vater, als er bereits einige Schritte getan hatte.

Gosen hielt inne, spürte den Drang, sich umzudrehen, seinem Vater all die Verachtung und Feindseligkeit zurückzuzahlen, die er durch ihn erlitten hatte. Aber dann sagte er nur matt: „Ich werde sie besuchen.“

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Narjanka schrie auf, als der Laserstrahl grell leuchtend durch die Luft auf seinen Kopf zuraste. Doch der Schuss verfehlte ihn um Haaresbreite, um dann in den Kopf eines untersetzen Grilbeniers einzuschlagen, der gerade mit einem Desintegratormesser in der Hand auf den Hakhasu zugesprungen war. Der Treffer ließ den Angreifer zusammensacken und an Narjankas Rücken abtropfen.

„Vielleicht sollten wir das nicht hier klären“, schlug Tera vor – wenn das überhaupt ihr richtiger Name ist, fuhr es Narbatur durch den Kopf.

„Oh doch, Schätzchen, wir klären das hier und jetzt!“, blaffte Narjanka und wischte sich verstohlen den Schweiß von der Stirn. Es fiel ihm sichtlich schwer, den Coolen zu geben und sich nicht nach dem toten Angreifer umzusehen.

„Warum die Scharade?“, fragte Narbatur verstimmt.

„Das machen wir Agenten so“, sagte Tera mit einem Augenzwinkern und seufzte dann. „Taugrom … ich habe an anderer Stelle, die euch nichts angeht, von einem neuen Terrorring erfahren, der auf Adamant tätig werden will. Sie nennen sich die „Hüter des alten Weges“, was immer das bedeuten soll.“

„Und als wir auftauchten, dachtest du dir, du hängst dich an unsere Ermittlung dran und erntest die Lorbeeren?“, blaffte Narjanka.

Tera lachte spöttisch: „Wer hat euch denn in den letzten Stunden mehrfach den Arsch gerettet?“

Narjanka plusterte sich auf und trat drohend auf die Agentin zu, die eine lockere Abwehrhaltung einnahm. Da piepste der Kommunikator des Hakhasu und er grunzte: „Vom Gong gerettet.“

Dann trat er zurück, hob den Arm und nahm den Anruf an.

__________________

Gosen sah sich während seines Gesprächs mit der Planetensicherheit nicht nach seinem Vater um, und als er dem Sonderermittler ihren Verdacht geschildert und die kleine Gruppe Wartender erreicht hatte, war der Flottenführer nicht mehr zu sehen.

„Sonderermittler Kkim kümmert sich darum. Die Sache liegt jetzt nicht mehr in unserer Hand.“

Alpha stöhnte auf und nahm Gamma ein TRAD ab, das der Klon immer wieder in die Luft warf und auffing.

„He, mein Raumschiff!“, beschwerte sich sein Ziehsohn, aber Alpha hielt ihn mit dem einen Arm ab, während er eine lange Liste überflog.

„Kkim? Wie in Kkimgerlusfolkkamussimlekam?“

Gosen runzelte die Stirn und rief die Mitarbeiterdatenbank auf. „Ja, wieso?“

Milkam sah dem Klon über die Schulter: „Der steht auf der Liste, die Girbal uns bringen wollte.“

„Und das heißt …“, setzte Sareil an.

„Dass er einer der Terrorsaht ist“, schloss Gosen. „Verdammt!“

„Terrorsaht?“, fragte Milkam skeptisch.

Beta nickte und sah vorwurfsvoll zu den beiden Roboterkörpern hinüber: „Guter Name!“

Gosen hob erneut den Kommunikator und eine dunkle Stimme antwortete: „Kommandant Gosen. Was kann ich für Sie tun?“

„Kommandant Gosen. Was kann ich für sie tun?“, hörte Narbatur seinen Kollegen fragen und drückte sich ein Pflaster gegen die Kopfschmerzen auf. Es wirkte nur mäßig, aber das Pochen ging etwas zurück.

„Sie können Ihren faulen Hintern in Ihren pervers teuren Gleiter schwingen und mich am Purpur-Sitzungszentrum treffen.“

Narjanka warf Narbatur einen verwunderten Blick zu. Wenn der Kommandant ausfallend wurde, war es meist wichtig.

„Worum geht es denn?“, wagte der Hakhasu nachzufragen.

Aber nur, weil Gosen weit weg ist, dachte Narbatur und musste schmunzeln.

„Um eine Horde Gehirnfresser-Saht, die den Sternenrat sabotieren wollen. Sicherheitsstufe K-12. Und jetzt schwingt die Hufe, Männer!“

„Zu Befehl“, rief Narjanka und drehte sich um, nur um aufzukeuchen, als ihn das verbeulte, rauchende Wrack daran erinnerte, was aus seinem Gleiter geworden war.

Tera folgte seinem Blick und sagte: „Ich besorg uns ein Gefährt.“

„Du willst einen Gleiter klauen?“, fragte Narbatur entgeistert.

„Schiebt einfach alles auf mich“, sagte sie und verschwand um die Ecke, um wenige Augenblicke später mit einem schnittigen, schlanken und nicht zuletzt mit einer Laserkanone bewaffneten Gleiter zurückzukehren.

Tera glitt auf den Rücksitz. Narjanka musterte kurz den Fahrersitz des offensichtlich für kleinere Spezies ausgelegten Gleiters und quetschte sich dann murrend auf den Sitz daneben.

„Wir fahren einen geklauten Gleiter“, sagte Narbatur kopfschüttelnd und startete, mit Kurs auf das Purpur-Sitzungszentrum in der Stadt namens Versammlung. Er war nicht der Einzige mit diesem Ziel. Sicherheitspatrouillen, Shuttles mit Presse und Ratsgleiter strömten aus allen Richtungen darauf zu.

„Das erklärt, warum der Kerl sich den Kopf weggeschmolzen hat“, sagte Narjanka unvermittelt.

„Der Drogenmann?“

Der Hakhasu nickte und stieß dabei mit dem Hauer gegen die niedrige Decke des Gleiters.

„Weil ihm ein Saht im Kopf saß“, erkannte Narbatur. „Das ist schlecht, denn das bedeutet, dass diese Terroristen zu allem bereit sind.“

__________________

Gosen wartete nicht ab, bis seine Passagiere sich angeschnallt hatten. Er löste die Halteklammern und ließ seinen Fleutar-Jäger auf den Planeten zustürzen. Das Raumschiff war nach Hakhasu-Art nachträglich zu einem vollwertigen Grenzzeit-Schiff umgebaut worden und mit einem Olmanor-Geschütz bewaffnet, das ihm in der Atmosphäre wenig nutzen würde. Aber er hatte den Suspensionsstrahl ausbauen und durch eine Druckkanone ersetzen lassen.

„Warum gehen sie das Risiko ein, einen Diplomaten zu übernehmen und dann loszuschicken, bevor der Saht in seinem Kopf nicht mehr zu scannen ist?“, fragte er über die Schulter, während er seinen Prioritätscode eingab und quer durch verschiedene Anflugkanäle schoss.

„Das ist eine gute Frage“, sagte Milkam und schnallte sich eilig an. „Eigentlich sollten sie doch darauf bedacht sein, dass sie nicht auffallen. Wie wollen sie den Rat sonst erfolgreich unterwandern.“

„Aber sie haben ja gar nicht den Rat unterwandert“, wandte Alpha ein, der eben Gamma anschnallte. „Sie haben sich niedere Beamte, Diplomaten und Angestellte hier auf Adamant geschnappt.“

„Weil sie die Ratssitzung nicht steuern wollen“, schwante es nun auch Beta.

„Sondern sprengen“, erkannte Gosen und senkte die Nase des Raumschiffes noch weiter ab, um den Sturzflug zu beschleunigen. Flammen loderten während des Wiedereintritts an der Cockpitverglasung entlang.

„Nicht sprengen“, wandte Sareil mit blecherner Stimme ein. „Sondern schmelzen.“

„Du meinst, sie versuchen ein Kulhimano?“, fragte Milkam entsetzt.

„Ein was?“, fragte Gosen und ließ das Schiff an einem Frachter vorbeisausen, der eben vom Planeten startete.

„In Translingus könnte man es wohl eine … PSI-Kernschmelze nennen.“

Raumhafen Adamant – Ratschlag 18

Sonntag, 19. Dezember 2010
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Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

18

Narjanka versuchte den Gleiter abzufangen, aber die Antigrav-Düsen stotterten unkontrolliert und all seine Steuerbemühungen sorgten nur dafür, dass der Gleiter in eine Kreiselbewegung gebracht wurde, die sie herumwarf.

Der Boden kam immer näher und Narbatur erkannte entsetzt, dass sie mitten in ein Wohnhaus krachen würden. Bei einer der rasanten Drehungen sah er eine Jasa-Apokato-Familie an einem Tisch sitzen.

Er schloss die Augen, was das Schwindel- und Übelkeitsgefühl noch verstärkte, und konzentrierte sich. Sein Kopf pochte bereits unangenehm und jede weitere PSI-Anwendung würde ihm vermutlich die Migräne des Jahrhunderts verschaffen, aber sie hatten keine andere Chance. Selbst wenn die Sicherheitseinrichtungen des Gleiters ihr Leben retten würden, würde das Haus aus billigen Bauplatten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Er spürte eine Energiequelle, einen Schirm, unmittelbar neben der Bauhalle. Es war ein Biosiegel vor einem Lebensmittelladen, dafür gedacht, den Schmutz und die Insekten von den Auslagen fernzuhalten. Er drang in das Steuerrelais ein, erweiterte das Biosiegel und pumpte dann jedes Elektron Energie in die Emitter, derer er Habhaft werden konnte. Dann schlugen sie auf …  doch sie brachen nicht hart durch die Häuserwand, sondern prallten an dem Schutzschild ab, das er improvisiert hatte. Wie ein Gummiball wurden sie beiseite geworfen und dann wurde alles in Narbatur zusammengepresst, als der Gleiter auf dem Dach landete, weiterrutschte und die Antigrav-Halterungen die Energie gleichmäßig verteilten.

Es dauerte einige Augenblicke, bis das Kreiseln in seinem Kopf aufhörte. Er öffnete die Augen und fiel in diesem Moment aus dem Sitz auf das Innere des Daches. Narjanka polterte neben ihm zu Boden, doch als er sich umsah, fand er Tera nicht.

War sie aus dem Gleiter geschleudert worden? Doch dann sah er ihre schlanken Beine bereits vor dem Fenster des umgedrehten Gleiters. Sie beugte sich herunter und reichte ihm eine Hand, um ihn aus dem Wrack zu ziehen. Wie war sie so schnell da herausgekommen?

Er ließ sich von ihr helfen und richtete sich schwankend auf. Obwohl ihm kotzübel war, bemerkte er, dass Tera gar keine Probleme dieser Art zu haben schien. Sie sah sich aufmerksam um. Narbatur folgte ihrem Blick und verzog das Gesicht. Die Emitter an der Vorderfront des kleinen Ladens waren nur noch rauchende Trümmer, von der Energie, die er hindurchgepresst hatte völlig vernichtet. Auf der anderen Seite stieg dichter Rauch von der brennenden Halle auf und er hörte schon die Sirenen näher kommen.

In diesem Moment zerbarst das Tor der Halle und die Verbrecher preschten mit dem Frachtgleiter heraus, kamen ins Schlingern und räumten mit dem Hinterteil ihres Gefährts die komplette Auslage des Geschäftes ab. Exotische Früchte und Gemüsearten kullerten über den Boden oder wurden zu Matsch.

Tera lachte kurz auf und trat beiseite, weil nun Narjanka seine Sinne wieder beisammen hatte und mit wuchtigen Tritten die verbeulte Tür aus den Angeln riss. Die Fenster waren viel zu klein für ihn. Er wälzte sich heraus und erneut bemerkte Nabatur, wie ruhig und gefasst Tera war. Sogar Narjankas Hände zitterten leicht, obwohl der erfahrene und kampferprobte Haudegen wirklich schon viel Schlimmeres durchgemacht hatte.

Kurzentschlossen sammelte er seine letzten Kräfte und drang in ihren Geist ein, ohne Vorbereitung, ohne Vorwarnung und ohne sich selbst Zweifel daran zu erlauben. Die Deckidentität der Bauarbeiterin war gut gefügt und einen normalen PSI-Scan hätte sie damit vermutlich täuschen können, aber im Moment war sie abgelenkt, und so sah er, was sie wirklich war.

„Verdammt, Narbatur, musste das sein?“, fragte Tera wütend und hatte plötzlich zwei kleine Diffusorpistolen in den Händen, die eine auf ihn, die andere auf seinen schwer atmenden Kollegen gerichtet.

___________________

„Das ist ein Saht?“, fragte Alpha entgeistert und nahm Gosen das TRAD mit dem Scan wieder ab, um es hin- und herzudrehen. „Jetzt wo du es sagst …“

„Ich dachte, das wären nur Gerüchte?“, fragte Beta und erschauderte sichtlich. „Ihr kriecht wirklich …“

Ein kleiner Roboterkörper schnarrte: „Nicht wir!“ Alpha erschloss sich durch logische Deduktion, dass dies Sareils neuer Körper sein musste, von dem Tschingri gesprochen hatte. Er war nur wenig größer als Alpha selbst.

„Die Ordnung des alten Weges“, seufzte Milkam und schüttelte den Kopf. „Dieser da kann noch nicht lange im Hirn des Diplomaten stecken. Wenn sie sich erstmal einige Tage lang angepasst haben, ahmen sie die sie umgebende Körpersequenz nach und sind praktisch nicht mehr zu scannen, wenn man nicht weiß, wonach man sucht.

„Pheromone“, sagte Alpha stolz, ließ das TRAD achtlos fallen und hielt den Scannerstift hoch. Als er sich der Aufmerksamkeit aller Anwesenden bewusst war, erklärte er, was es mit dem Gerät auf sich hatte.

„Einfach, aber genial“, lobte Milkam.

„Könnte ihr das alle?“, fragte Beta angeekelt. Sareils kantiger Kopf nickte, Milkam schüttelte den seinen und erklärte: „Man muss sich speziell darauf vorbereiten, die alte Nahrung zu sich nehmen und bestimmte Enzymketten aufbauen. Und natürlich muss man PSI beherrschen, um das Nervensystem übernehmen zu können.“ Er zuckte mit den Schultern und es trat eine peinliche Stille ein.

„Was sollen wir jetzt tun?“, wandte er sich fragend an Gosen.

„Erstattet Bericht bei der Planetensicherheit“, gab Gosen zurück, blickte erneut auf die Uhr und zog dann seine Uniformjacke gerade – was überflüssig war, weil sie schon so glatt war, wie ein vereister See. „Ich muss weg.“

Damit wirbelte er herum und ging im Stechschritt aus dem Raum.

Alpha warf Beta einen kurzen Blick zu, dann stürmten sie beide hinter dem Kommandanten her. Alpha hielt den Scanner vorgestreckt, bis sie Gosen einholten und er ihn beinahe versehentlich in den Oberschenkel des Fleutar stach.

Auf Betas fragenden Blick schüttelte er den Kopf. Gosen war kein Sahtwirt. Aber was war dann los mit ihm?

Aus dem Augenwinkel sah Alpha, dass auch die beiden Saht sich ihnen angeschlossen hatten, mit Gamma im Schlepptau. Sie folgten dem dahineilenden Gosen durch das chaotische Durcheinander des Ringes, in dem es mittlerweile vor Sternenratuniformen nur so wimmelte. Als sie den Ankunftsbereich beinahe erreicht hatten, drehte sich Gosen kurz drohend zu ihnen um, sagte dann aber doch nichts.

Alpha hielt jedoch die Hand hoch und seine drei Begleiter blieben bei ihm stehen, um Gosen etwas Freiraum zu lassen. Gemeinsam beobachteten sie, wie Gosen vor einer der Schleusen Habacht-Stellung annahm und salutierte, als ein anderer Fleutar herauskam. Er trug die graugrüne Uniform der Fleutar-Planetenflotte und drei goldene Dreiecke auf den Schulterklappen wiesen ihn als Flottenführer aus, dem zweithöchsten Rang der Truppe.

Seine Narbenwülste waren bereits zu einem graugelb verblasst und das kurz geschorene Haar war ebenfalls farblos geworden.

Der Mann trat zu Gosen, ließ den Blick an ihm hinabgleiten und schlug dann eine ansatzlose Rechte in das Gesicht des Stationskommandanten, die den erfahrenen Kämpfer überraschte und zu Boden schickte. Als er sich wieder aufrappelte und sich einen rötlichen Blutfaden von der Nase wischte, fragte er: „War das wirklich nötig, Vater?“

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„Was ist denn jetzt los?“, fragte Narjanka eher verwundert als erschrocken. Man konnte meinen, dass täglich schöne Bauarbeiterinnen Waffen auf den Hakhasu richteten. Nur dass sie keine Bauarbeiterin war.

„Sie ist eine Sternenratspionin“, erklärte Narbatur und hob langsam die Hände.

„Ah“, sagte sein Kollege, hob ebenfalls die Hände. „Das erklärt einiges. Aber warum richtet sie Waffen auf uns?“

„Vermutlich misstraut sie uns“, sagte Narbatur und zog mit zwei Fingern die Laserpistole aus dem Gürtel, die er in der Halle aufgelesen hatte.

„Kann ich verstehen. Ich würde dir auch nicht vertrauen.“

Narbatur konzentrierte sich ein weiters Mal, obwohl sein Kopf mittlerweile schon ein unablässiges Stakkato aus Schmerzimpulsen durch seinen Körper hämmerte. Er spürte die Waffen in ihrer Hand und mit einem Aufschrei sandte er seine letzte Kraft aus. Während er keuchend auf die Knie sank, sah er Narjanka vorspringen und zuschlagen.

Die Agentin feuerte, zielte dabei auf seine Knie, aber die Waffen gaben nur ein hohles Summen von sich. Doch dann war die Agentin nicht mehr da, wo die riesige Faust des Hakhasu landete. Sie tauchte unter dem Schlag durch und rammte Narjanka das Knie in die Seite. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war das so angenehm wie ein Angriff gegen ein Raumschiffschott. Doch ihr Angriff war nur eine Finte gewesen. Als sie sich jetzt unter den Armen Narjankas hinwegrollte, der nach ihr griff, sah Narbatur die Waffe seines Kollegen in ihren Händen. Sie kam hoch, legte an und schoss erneut. Der Strahl raste genau auf Narjankas Kopf zu.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 17

Sonntag, 12. Dezember 2010
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Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

17

Alpha lief wie ein eingesperrter Namahar auf und ab und murmelte vor sich hin.

Beta reichte Gamma einen weiteren Baustein, den dieser mit äußerster Konzentration auf einen Stapel lud, dessen Ende er schon jetzt nur auf einem Stuhl stehend erreichen konnte.

„Wir müssen an diese Daten herankommen. Mit diesem Kerl stimmt etwas nicht, Diplomat hin oder her!“

Beta seufzte, reichte den nächsten Stein hoch und sprang dann zurück, als der Stapel in sich zusammenfiel.

„Manno“, maulte Gamma. „Ich hab doch gesagt, wir müssen die festkleben.“

„Das ist aber gefudelt“, mahnte Beta und reichte Gamma ein TRAD mit einem integrierten Malprogramm. „Hier, mal was!“

Gamma trat noch einmal trotzig in den Trümmerstapel und sprang dann auf das große Bett, das sie sich teilten. Beta trat zu Alpha und sagte leise: „Ich habe vielleicht eine Idee, wie wir die Daten bekommen könnten.“

Alpha wirbelte herum, packte Beta an den Schultern und schüttelte ihn. „Wie?“

„Aua“, beschwerte er sich und machte sich los. „Beruhige dich erstmal wieder!“

Alpha atmete tief durch und entschuldigte sich. „Das macht mich ganz kribbelig. Habe ich einen Fehler gemacht oder steckt da etwas anderes dahinter?“

„Die Scannersysteme sind doch Zollgeräte und nur in zweiter Linie Sicherheitsgeräte. Das bedeutet, dass sie vermutlich an das zentrale Datennetzwerk angeschlossen sind, und das wiederum heißt, dass …“

Alpha nahm den Gedanken auf: „Tschingri sich einklinken und sie herunterladen kann!“

Beta nickte. „Wenn sie Lust dazu hat.“

„Fragen wir sie.“ Alpha lief zur in die Wand eingelassenen Konsole, steckte die Erweiterung ein, die ihre Gespräche mit der KI verschlüsselten und aktivierte die Begrüßungsroutine. Es dauerte keine zwei Sekunden, dann antwortete Tschingri: „Hallo Jungs, was liegt an?“

Alpha öffnete den Mund, aber Beta trat ihn unauffällig und mischte sich ein: „Och, so dies und das. Aber wie geht es dir? Alles in Ordnung?“

„Ich habe Sareil das Leben gerettet, sonst nichts Besonderes“, sagte die KI und in ihrer gesichtslosen Stimme lag Stolz.

„Ehrlich?“, fragte Beta aufrichtig verwundert.

„Ja, Bombe!“, gab die KI zurück. Alpha musste sich die Hand in den Mund stecken, um nicht mit seiner Frage herauszuplatzen. Er wimmerte leise dabei.

Tschingri lachte: „Was wollt ihr wirklich, Jungs?“

Beta seufzte und nickte Alpha zu, der mit einem Plöppen die Hand aus dem Mund zog und ihr Anliegen hervorschnatterte.

Tschingri dachte einen Augenblick darüber nach und seufzte dann. „Na gut, aber nur, weil in der letzten Zeit allerhand seltsame Dinge auf dem Raumhafen passiert sind!“

„Dankedankedanke!“, frohlockte Alpha und zeigte Beta den gehobenen Daumen.

Es dauerte keine Minute, dann meldete sich Tschingri mit den Daten wieder. Beta lief es kurz kalt über den Rücken, als er sich vorstellte, was die künstliche Intelligenz für einen Schaden an den Systemen der Station anrichten könnte, wenn sie das wollte. Aber Gosen vertraute ihr, also würden sie es auch tun.

Alpha rief die Daten mit zitternden Händen auf und studierte sie. Beta sah ihm über die Schulter. Es war keine Aufnahme eines medizinischen Scanners, aber sie konnten die Systeme des Körpers gut erkennen.

„Da“, sagte Alpha nach einer Weile und wies auf einen unförmigen Schatten im Kopf des Mannes. „Das ist ein Tumor!“

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Narbatur hörte seinen eigenen Schrei über das dumpfe Fauchen des Feuers und die wilden Schüsse kaum, aber er war sicher, dass er schrie. Seine Augen zuckten im dunklen Rauch umher, da stieß mit einem Mal etwas Großes auf sie zu, tauchte ab und dann krachten sie schmerzhaft auf das Dach von Narjankas Gleiter. Sein Kollege startete durch, brach an anderer Stelle durch das Dach und gewann an Höhe.

Dann hielt er inne, damit seine beiden Passagiere durch das sich langsam öffnende Verdeck hineingleiten konnten.

„Du blöder Vollidiot!“, schalte der Hakhasu, kaum dass Narbatur in den Sitz geglitten war.

„Hoppla“, sagte Narbatur und hob entschuldigend die Hände. „Ist ein bisschen schief gegangen.“

„Kommt dir dieser Kerl bekannt vor?“ Narjanka hielt ihm eine Fahndungszeichnung vor, die einen älteren Fleutar mit kreisrunden Narbenwülsten im Gesicht zeigte. „Das ist Taugroms Rechtsverdreher. Warum?“

„Gosen will, dass wir ihn finden und in die Mangel nehmen.“

„Halleluja!“, freute sich Narbatur und verdrängte jeden Gedanken daran, wie sie dieses Schlachtfeld da schräg unter ihnen erklären sollten.

Eine dumpfe Explosion erschütterte die Halle und Trümmer wurden durch das zerstörte Dach in die Luft geschleudert. Ein brennendes Fass traf den Gleiter knapp hinter der Fahrgastzelle, zerbarst in eine Feuerwolke und riss den halben Antrieb vom Rumpf. Warnsignale und rote Leuchten erwachten zum Leben. Der Gleiter ging laut jaulend und funkensprühend in einen unkontrollierten Sinkflug über – man hätte es auch einen Absturz nennen können. Und über all dem lag Narjankas dröhnender Schrei: „Nicht schon wieder!“

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Milkam klopfte kurz und trat dann in Gosens Büro, ohne eine Antwort abzuwarten. Der Kommandant saß hinter seinem Schreibtisch, aber es war weder ein Bildschirm eingeschaltet, noch hatte er ein TRAD in der Hand. Stattdessen starrte er aus zusammengekniffenen Augen ins Leere. Es dauerte eine volle Sekunde, bis er Milkam bemerkte, was ebenfalls sehr merkwürdig war.

„Ja, Milkam“, sagte Gosen und schüttelte leicht den Kopf, wie um unliebsame Gedanken zu vertreiben. „Was gibt es?“

Ein leises Quietschen kam näher und dann betrat auch Sareil das Büro. Sein rechtes Bein verhakte sich bei jedem zweiten oder dritten Schritt im Kniegelenk.

Milkam trat an den Schreibtisch und reichte dem Fleutar das TRAD mit den Namen darauf. „Das ist der Inhalt der verschlüsselten Liste. Mehr konnte Mo’krat nicht retten.“

Gosen überflog sie, aber bevor er zu einem Ergebnis kommen konnte, flog die Tür erneut auf und Gamma kam hereingestürzt. „Papa!“, rief er und stürmte zu Gosen, um ihm auf den Schoß zu klettern, aber der Kommandant hielt ihn mit dem Fuß ab und sagte: „Du hast doch Stubenarrest!“

Die andere beiden Klonbrüder folgten auf dem Fuße und Alpha sprang auf einen Stuhl, von dort auf den Schreibtisch und lief zu Gosen hinüber: „Ein Tumor!“

Gosen hob beide Augenbrauen.

„Dein Freund, der Diplomat, der sondert Saht-Pheromone ab, aber er nimmt keine Drogen, und er hat einen Tumor.“

Gosen verstand offensichtlich kein Wort, aber Milkam hatte das Gefühl, als hätte man ihn samt und sonders in geeiste Salzsäure getauscht.

„Ein Tumor?“, fragte er und nahm dem Klon das TRAD aus der Hand, auf dem ein diffuser Scan zu sehen war. Seine Befürchtungen bewahrheiteten sich. Das war kein Tumor!

„Oh nein“, sagte er und hielt Sareil den Scan hin, aber der machte einige Verrenkungen. Er wollte wohl mit den Schultern zucken, denn er war natürlich nicht ausgebildet in Saht-Anatomie. Geräte lagen ihm eher.

„Möchte mir jemand erklären, was hier los ist?“, fragte Gosen wütend und sah auf die Uhr an seiner Wand.

„Wie …“, setzte Milkam an, musste aber schlucken und neu ansetzen. „Wie heißt denn dieser Diplomat?“

„Reinhard September“, sagte Gosen verärgert. „Aber was hat das …“

Milkam hob die Hand, sah auf die Liste mit den entschlüsselten Namen und sagte erneut: „Oh nein.“

Gosen stand auf, blickte erneut auf die Uhr und verlangte: „Informationen! Sofort!“

Milkam versuchte seine rasenden Gedanken zu beruhigen, sammelte sich, und sagte: „Das ist kein Tumor in seinem Kopf.“

„Was ist es dann?“, wollte Alpha aufgeregt wissen.

Milkam sah zu Boden, konnte Gosens Blick nicht erwidern, und sagte es ihnen.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 16

Sonntag, 05. Dezember 2010
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Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

16

„Entschuldigung“, rief Alpha dem Mann hinterher, der sich verwundert zu ihm umsah und eine buschige, graue Augenbraue hob.

„Wir müssten sie mal ganz kurz untersuchen“, sagte er dreist und wollte den Scanner über den Mann fahren, aber er kam nur bis zum Knie, da schloss sich die große, kräftige Hand des Menschen um seinen Unterarm und die andere nahm ihm das Gerät weg.

„Was ist das? Eine Art Messgerät?“, sagte der Mann mit tiefer, erboster Stimme. „Ich lasse mich nicht scannen. Ich besitze diplomatische Immunität!“

„Nur ganz kurz“, versuchte Alpha ihn zu überreden, aber der Schmerz in seinem Arm wurde immer schlimmer.

„Nein!“, sagte der Mann, warf den Pheromonscanner achtlos beiseite und beugte sich drohend über Alpha. „Ich weiß nicht, wem du gehörst oder für wen du arbeitest, Klon, aber versuch das nie wieder. Unerlaubte Scans verstoßen gegen die Gesetze des Sternenrats.“

„Streng genommen gilt hier das Recht des Konsortiums“, wandte Beta ein und versuchte den Griff des Mannes von Alphas Arm zu lösen. „Und Sie tun ihm weh!“

Der Mann schnalzte missbilligend mit der Zunge und ließ los. Alpha taumelte einen Schritt rückwärts, stolperte dann über den Antigrav-Koffer und zog Beta mit zu Boden.

„Rudelkitzeln!“, kreischte Gamma erfreut und warf sich auf seine Brüder, die gespreizten Finger im Anschlag.

„Haha, nicht jetzt, haha, Gamma, haha!“, wehrte sich Alpha und sprang wieder auf die Füße.

„Mit dem stimmt etwas nicht!“, rief er Beta zu, der japsend Gammas Hände abzuwehren versuchte. „Gamma! Hör auf!“, ermahnte er seinen Bruder scharf und der ließ von Beta ab, zog aber einen Flunsch. „Manno!“

Der Mann war unterdessen wieder unterwegs, offenbar zu einem der Shuttleanleger, wollte also vermutlich zum Planeten hinunter.

Alpha zog Beta auf die Beine und sagte: „Wenn wir doch nur einen Scan von ihm kriegen könnten.“

„Ich habe eine Idee!“, rief Beta und lief los.

„Was denn?“

„Wirst schon sehen!“

„Hui, Wettrennen“, rief Gamma und wetzte los.

Beta holte den Antigrav-Koffer des Mannes ein, der in diesem Augenblick einen Blick über die Schulter zurückwarf. Auf Alpha wirkte er besorgt, aber er hatte es nicht so mit den Gefühlen.

Beta sprang auf den Koffer, wie auf ein Reittier, schlang die Beine darum und warf sich zur Seite. Der Koffer versuchte die ungleiche Last abzufangen und fuhr in die andere Richtung. Nach zwei engen Kreisen hatte Beta unter dem entgeisterten Blick des Menschen den Dreh raus und steuerte den Koffer wie einen Gleiter über den Flur.

„He, wirst du da wohl runtergehen?“, rief der Mann erbost und ging eilig hinter seinem Koffer her. Zu laufen war ihm wohl zu peinlich, was ein Glück war, denn wirklich schnell war der Koffer nicht.

Als Alpha sah, wohin Beta unterwegs war, verstand er. Er überholte den fluchenden Mann, zog Gamma mit sich und schob ihn vor. „Lenk NehaLeke ab!“, rief er ihm zu und Gamma sah ihn kurz unverständig an, entdeckte dann aber die große SulSchamo-Sicherheitsfrau und jauchzte auf.

„Tante Leke!“, rief er der Frau zu, die gelangweilt an der Steuerkonsole des Zollscanners lehnte. Wenn der nächste Frachter anlegte, würde hier die Hölle los sein, aber im Moment hatte die Frau nichts zu tun.

„Gamma!“, rief sie mit donnernder Stimme und fing seinen Bruder auf, der sich ihr entgegenwarf, und wirbelte ihn herum, als sei er eine Puppe. Sie warf ihn in die Luft, bis er fast an die hohe Decke des Rings stieß, und Gamma lachte dabei so laut und herzlich, dass er kaum noch Luft bekam.

Alpha huschte unterdessen an der SulSchamo vorbei, die schon ohne Ablenkung selten etwas unter anderthalb Meter Höhe bemerkte, und aktivierte das Scannersystem. Beta zog im Inneren der großen Schleuse enge Kreise und wirkte schon ziemlich grünblau im Gesicht.

Da betrat der Mensch die Schleuse endlich. „Runter von meinem Koffer, du unverschämtes …“

Seine weiteren Worte hörte Alpha nicht mehr, denn er schloss die Schleuse, deren Tor mit einem lauten Krachen herunterfiel. Schnell konzentrierte er den Scanimpuls auf den Menschen und aktivierte das Gerät. Daten wurden erfasst und auf ein Display überspielt … das in diesem Moment von einer grüngelben Hand ausgeschaltet wurde. Die dazugehörige andere Hand packte Alpha am Ohr und zog ihn vom dem Hocker herunter, drehte ihn um. Vor ihm stand Gosen und sah streng auf ihn hinab.

„Ach, nicht schon wieder“, schimpfte Alpha und verzog das Gesicht, als Gosen ihn noch ein wenig stärker am Ohr zog und zur Seite führte.

„Das ist doch wohl mein Text“, sagte Gosen mühsam beherrscht. „Sicherheitsfrau NehaLeke“, grollte er. Die SulSchamo kam herbeigeeilt, was bei ihr wirkte wie ein Gletscherrutschen. „Möchten Sie mir erklären, warum diese Klone Botschafter Lehmann in eine Frachtschleuse einsperren und ihn illegal scannen konnten, obwohl Sie Wachdienst hatten?“

„Ich …“ Die SulSchamo dachte einen Augenblick nach. „Ist das eine Fangfrage?“

Gosen seufzte. „Schaffen Sie mir die drei Nervensägen aus den Augen. Gamma, du hast drei Tage Stubenarrest, und ich würde vorschlagen, dass deine Brüder in der Zeit bei dir bleiben.“

„Das ist leider …“, wollte Alpha einwenden, aber Gosen beugte sich vor und hob eine Augenbraue. „Sicher, gute Idee. Ein bisschen lesen, ausruhen. Hervorragend!“

Beta kam mit einem zufriedenen Lächeln auf ihn zugelaufen, sah Gosen und wurde schlagartig langsamer. Kurz glaubte Alpha, er wolle sich an dem Kommandanten vorbeischleichen, aber dann gesellte er sich zu seinen Brüdern.

„Ich weiß wirklich nicht, was in letzter Zeit mit euch los ist“, sagte Gosen ernst und schüttelte den Kopf. Kurz strich er Gamma über den Kopf und fügte hinzu: „Und dass ihr den Kleinen immer mitreinziehen müsst!“

Alphas erster Impuls war, Gosen auf die identische Größe aller Klone hinzuweisen, aber dann begriff er, was der Fleutar meinte, und schämte sich ein bisschen.

Gosen ging auf den Menschen zu, der mit hochrotem Gesicht aus der Schleuse trat, nun wieder von seinem Koffer verfolgt, der jedoch etwas Schlagseite hatte.

„Reinhard“, begrüßte der Kommandant den Diplomaten. „Schön, dich wiederzusehen.“

Alpha schluckte schwer. Da hatten sie sich ja grad den Richtigen ausgesucht.

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Milkam überflog die Liste, die Mo’krat vor der Selbstzerstörung hatte bewahren können, und runzelte die Stirn. Es waren ausschließlich Namen, die hier verzeichnet waren, die meisten durch die Fragmentierung unvollständig. Aber einige waren zu erkennen, und Mo’krat pfiff eine sorgenvolle Melodie, während der Computer die Liste mit dazugehörigen Arbeitsstellen und Lebensläufen ergänzte.

„Sehe ich das richtig“, sagte Sareil und drehte mühsam den unbeweglichen Kopf noch etwas weiter, um Milkam anzusehen. „Das sind alles Leute, die auf Adamant arbeiten? Und die meisten von ihnen in den Park-Hotels und dem Purpur-Sitzungszentrum?“

„Genau“, sagte Mo’krat. „Genau da, wo …“

„… in Kürze die Ratssitzung stattfinden wird und die Ratsmitglieder wohnen“, vervollständigte Milkam seinen Satz.

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Die Wolke aus destruktivem Schall, Holzsplittern und giftiger Flüssigkeit traf auf Narbatur und Tera, als sie hart auf dem Boden landeten. Doch statt sie in Stücke zu reißen glitt sie über sie hinweg und krachte in den Kistenstapel hinter ihnen. Ein mattgelbes Kraftfeld, das von Teras Armband ausging, hatte den Angriff abgewehrt.

Narbatur warf ihr einen verwunderten Blick zu. Das war Militärtechnologie! Wie kam die Bauarbeiterin da ran?

„Willst du weiterkuscheln, oder sollen wir verschwinden?“, fragte Tera spöttisch, während das Kraftfeld flackerte und dann verschwand, als die Energie des kleinen Generators aufgebraucht war. Narbatur schnaubte und sprang auf die Beine, wollte der Menschenfrau galant aufhelfen, aber die war bereits hochgeschnellt und rannte von den feuernden Wachen weg in das Kistenlabyrinth. Narbatur folgte ihr eilig, da schlugen erste Laserschüsse hinter ihnen ein.

„Seid ihr wahnsinnig? Die Fässer!“, hörte er eine schrille Stimme kreischen, aber es war schon zu spät. Die von dem Schalldruckgewehr aufgewirbelte Flüssigkeit entzündete sich mit einem ohrenbetäubenden Knall und schleuderte die anderen Fässer durch die Halle. Hitze schlug Narbatur in den Rücken und die Druckwelle riss ihn erneut zu Boden. Er rollte sich ab, krachte dabei aber in eine der Kisten und schrie auf, als etwas in seiner Schulter knackte.

Tera hatte es noch weiter geschleudert und sie kletterte eben aus einer mit Verpackungswatte gefüllten Kiste. Glück muss man haben, dachte Narbatur neidisch und kämpfte sich auf die Beine, um sich umzusehen.

Einige Grilbenier und Menschen verfolgten sie mit Schaum vor dem Mund und wild feuernd. Offenbar hatten diese Leute von der eigenen Drogenware genascht.

Der K’schigote stand weit im Hintergrund und versuchte die Mukfeli mit Elektroschocks dazu zu bringen, sich ebenfalls an die Verfolgung zu machen, aber die halbintelligenten Wesen schreckten vor dem Feuer zurück.

In diesem Augenblick explodierte am anderen Ende der Halle ein weiteres Fass und schleuderte brennende Flüssigkeit über Kisten und andere Fässer, die ebenfalls in Kürze explodieren würden. Schon jetzt war die Halle eine Feuerfalle. Hinter ihnen die Wachen, der Weg zum Fenster von der Feuersbrunst abgeschnitten. Das sieht nicht gut aus, sorgte er sich.

Tera stieß ihn an und wies auf einen hohen Kistenstapel im hinteren Bereich der Halle. „Da rauf!“

Die Kistenpyramide reichte bis fast unter das mit Glasscheiben versetzte Flachdach. Narbatur nickte und sie rannten weiter.

Ein Laserschuss stanzte ein Loch in Narbaturs Jacke und zog einen sengenden Streifen aus Schmerz an seiner Rippe entlang. „Verdammt“, schrie er und lief schneller.

Endlich hatten sie den Stapel erreicht, liefen herum, um ihn zwischen sich und die Wachen zu bringen, und machten sich an den Aufstieg. In dem Moment gab es eine erneute Explosion und die Feuersbrunst riss ein großes Loch in die Basis des Stapels. Die Kisten, auf denen sie kletterten, gerieten ins Wanken.

Narbatur fluchte und nahm all seine Konzentration zusammen, verdrängte die Schmerzen, die Angst, und schob alles, was ihm an geistiger Kraft noch blieb, in seine Muskeln. Sie krampften kurz, doch dann spürte er den heißen Strom, der ihm übermenschliche Kräfte verlieh.

Er stieß sich ab, flog von Kiste zu Kiste und packte Tera unzeremoniell um die Hüfte, um sie mit sich zu reißen. Der Stapel begann zu kippen und ein weiters Fass ging hoch, sauste wie eine Rakete knapp an ihnen vorbei und krachte durch die Decke. Glasscherben regneten auf sie herab, aber Narbatur hielt nicht inne. Er riss den schmerzenden Arm hoch, um seine Augen zu schützen und sprang ab, als die Kiste gerade unter ihm wegbrach.

Mit einem Aufschrei streckte er sich und bekam einen der Dachbalken zu fassen. Unter ihnen stürzte der Stapel in einer Wolke aus Feuer und Splittern zusammen. Der dichte Rauch wurde vom Loch im Dach wie in einem Kamin angezogen, kratzte in Narbaturs Kehle und biss in seine tränenden Augen. Aber er sorgte auch dafür, dass die Wachen sie nicht aufs Korn nehmen konnten.

„Kletter … hoch“, presste Narbatur hervor, dessen verrenkter Arm wie von flüssigem Feuer erfüllt schien. Tera drehte sich in seinem Griff und zog sich an seinem Rücken hoch. Unter ihnen loderte das Feuer auf und die aufsteigende Hitze ließ ihre Kleidung flattern. In diesem Moment krachte es laut im Balken und als Narbatur entsetzt hinaufsah brach er ab und stürzte mit ihnen zusammen nach unten weg.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 15

Montag, 29. November 2010
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Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

15

Alpha schüttelte noch immer verwundert den Kopf und lief, ohne auf die anderen Reisenden zu achten, durch den Ring des Raumhafens. Beta hielt Gamma an der Hand, der beständig versuchte, sich loszumachen und weitere Süßigkeiten bei den Standbetreibern zu schnorren. Sie passierten auf dem Weg zur technischen Abteilung einen der Pylone für große Passagierschiffe und eine Flut von unterschiedlichsten Fluggästen strömte aus den Schleusen. Im Nu waren sie von eiligen Mitgliedern verschiedenster Spezies umgeben.

„Ich muss irgendwas falsch gemacht haben“, seufzte Alpha und blieb stehen, um verwundert an der Flanke einer Luolmar hinaufzusehen, die ihre beiden quengelnden Kinder quer über dem Panzer trug. „Was ist denn hier los?“, fragte er und wedelte mit der Hand.

Bevor Beta antworten konnte, stieß der Scanner einen kurzen Signalton aus und alle drei Klone sahen auf das Anzeigegerät.

„Aha!“, sagte Alpha.

„Oho“, sagte Beta.

„Pieps!“, sagte Gamma und klatschte in die Hände.

Beta folgte der Richtung, in die der Scanner zeigte und musterte die Wesen dort. Alpha schwenkte den Scanner langsam umher, bis er erneut piepste. So vehement es ihnen bei den meist größeren Passagieren möglich war, arbeiteten sie sich durch die Menge und folgten der Duftspur, die der Scanner aufgenommen hatte.

Nach einigen Minuten waren sie aus dem gröbsten Pulk heraus und kamen schneller voran. Alpha schaltete das Piepsen aus, damit ihr Ziel sie nicht kommen hörte, und wurde schneller. Beta hatte Mühe, mit Gamma an der Hand nachzukommen, aber wenn sie ihren Bruder jetzt im Wust der Passagiere verloren, käme er vielleicht zu schaden. Bei diesem Gedanken stach ihm die Furcht wie ein Messer ins Herz. Sie alle waren bereits fast fünf Jahre alt und würden ihr vorgesehenes Todesalter bald erreicht haben.

Nicht jetzt, schalt er sich und schloss zu Alpha auf, der nun bestimmt auf einen hochgewachsenen, älteren Menschen deutete, der an einem Stand ein Getränk in einem Trinkbeutel kaufte. Er trug eine lange, stahlgraue Robe und das wenige Haar, das ihm noch in einem Kranz am Hinterkopf verblieb, hatte die gleiche Farbe. Er zahlte mit Adamantbereil und aktivierte die kleine Antigrav-Tasche wieder, die wie ein treuer Hund hinter ihm herfuhr.

„Der da ist es“, sagte Alpha und Beta sah dem Mann skeptisch hinterher. „Sieht mir nicht nach jemandem aus, der Drogen nimmt.“

„Das werden wir gleich herausfinden“, sagte Alpha und lief wieder los.

_______________

Milkam schreckte aus einem kleinen Schlummer hoch, als Mo’krat sagte: „So, jetzt kann’s losgehen.“

Der K’schigote hatte eine Analyse nach der anderen über die Daten auf dem TRAD laufen lassen, bis er sicher war, die Verschlüsselung knacken zu können.

Sareils Körper hatten sie derweil an die Energieversorgung der Station angeschlossen, um seine uralte Batterie zu laden, und sein Geburtsmitling schaffte es, auch ohne bewegliche Gesichtszüge sichtbar zu schmollen.

Milkam stand auf und trat zu dem K’schigoten. Sareil versuchte dasselbe, aber das dicke Kabel war nur einen Meter lang und hielt ihn an der Wand. Es brauchte einige Versuche, bis er mit den klammerartigen Händen den Stecker gelöst hatte.

Milkam ignorierte sein blechernes Motzen und sagte: „Dann los!“

Mo’krat aktivierte diverse Programme und die Buchstaben und Grafiken auf dem Bildschirm fingen an, zu wandern, sich zu verändern, heller und dunkler zu werden. Ein sehr beeindruckendes Schauspiel, auch wenn Milkam keine Ahnung hatte, was da geschah. Sareil offenbar schon, denn er rief jetzt: „Achtung, es destabilisiert sich!“

„Ich weiß“, gab Mo’krat barsch zurück und fing an, weitere Programme zuzuschalten.

„Das ist eine Negativschleife“, bellte Sareil.

„Ich weiß!“, grollte Mo’krat.

„Den Zwischenpuffer! Sie müssen den Zwischenpuffer …“

„Ich weiß!“, schrie Mo’krat nun so laut, dass seine Backensäcke bis zum Platzen gefüllt waren und Milkams Audiosensoren sich pfeifend überluden. Als das Geräusch nachließ, erstarben auf dem Bildschirm die letzten Zeichen.

„Was ist passiert?“, fragte er erschrocken.

„Unser Freund hier hat Mist gebaut, das ist passiert“, maulte Sareil und stapfte wütend auf und ab. „Er hat eine inversdestruktive Rückkopplungsschleife übersehen!“

„Nein, hat er nicht“, blaffte Mo’krat zurück. „Das war ein semiintelligenter Kolfato-Graumfleu-Virus mir integrierter Versus-Logik.“

Sareil blieb stehen und sein ausdrucksloses Robotergesicht wandte sich langsam dem K’schigoten zu. „Ein was?“

„Pah!“, gab Mo’krat nur zurück. „Laien.“

„Heißt dass, es ist alles weg?“, fragte Milkam betrübt.

Mo’krat gab ein stolzes Flöten von sich. „Keineswegs. Ich konnte einen Teil der Daten retten.“

Der K’schigote rief sie auf und Milkam starrte verwundert auf die Liste, die sich vor ihm ausbreitete. „Das kann doch nicht sein!“

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Tera wich langsam von den Fässern zurück und bog hinter einige Kisten ab, die weniger explosiv waren. Narbatur folgte ihr, hielt dabei jedoch den Blick auf den Frachtgleiter gerichtet. Die Kisten wurden anscheinend achtlos abgeladen. Und hier war keine Spur von irgendeiner Drogenküche. War das hier nur ein Zwischenlager? Kam die Amokdroge vielleicht sogar von einem anderen Planeten? Bei den Mengen, die in letzter Zeit auftauchten, müsste das Zollnetz aber ein massives Loch haben. Wobei es durchaus vorstellbar war, dass eine großzügige Beteiligung am Gewinn ein solches Loch riss.

Er stieß mit dem Rücken gegen Tera. Obwohl – Tera war weder so groß, noch so schwer … und sie trug auch keine Panzerung!

Narbatur wirbelte herum und schlug sofort zu. Die Wache, die offenbar ebenfalls rückwärts gegangen war, drehte sich ebenfalls herum und somit direkt in seinen Schlag hinein. Der muskulöse Grilbenier taumelte und wollte seine Laserpistole hochreißen, aber da sprang ihn Tera an und entrang ihm die Waffe. Flugs glitt sie hinter ihn, presste den Lauf an die Schläfe des Mannes und legte ihm einen Arm um die Kehle. Er verfügte über keine einzige dunkle Markierung, was Narbatur verriet, dass er das Leben in vollen Zügen genoss. Hoffentlich hing er dann auch entsprechend daran.

„Keinen Mucks“, forderte Narbatur und rieb sich die Fingerknöchel. Der Verbrecher nickte langsam. Narbatur kam etwas näher und flüsterte: „Wo kommen die Drogen her?“

„Was für Drogen?“, fragte der Grilbenier, aber Narbatur brauchte kein PSI einzusetzen, um zu erkennen, dass er log.

„Erschieß ihn!“, befahl er Tera und erst als er es bereits gesagt hatte, befiel ihn die Angst, die Menschenfrau könnte glauben, er meine es ernst.

Aber sie zwinkerte ihm über die Schulter des Grilbeniers zu und sagte: „Okay.“

„Nein, halt!“, keuchte der Grilbenier. „Ich weiß nicht wo sie herkommen. Sie werden hier angeliefert, manchmal auch im Laden, und wir verteilen sie dann an die Zwischenhändler.“

„Reicht uns das?“, fragte Narbatur mit seinem fiesesten Lächeln.

„Nein“, beschied Tera und ließ die Laserwaffe kurz aufsummen.

„Ehrlich, mehr weiß ich nicht. Aber … aber es heißt, dass Taugrom die Drogen geschenkt bekommt. Von einem geheimen Gönner!“

„Geschenkt?“, fragte Narbatur. Er schüttelte den Kopf. Es half nichts, er würde den Verbrecher psionisch sondieren müssen. Einbruch und Geiselnahme hatte er schon auf dem Kerbholz, da kam es darauf jetzt auch nicht mehr an.

Er begann sich zu konzentrieren, sah dem verängstigten Mann tief in die Augen … und verlor eine Haarsträhne, als ein Laserstrahl knapp an seinem Kopf vorbeisauste und in eine Kiste einschlug.

„Sie haben uns entdeckt“, rief Tera erschrocken und hieb dem Grilbenier die Waffe ins Genick. Der Mann sackte zusammen.

„Ach was“, sagte Narbatur spitz und warf sich nach vorne, riss Tera mit, als hinter ihm das charakteristische Trillern eines abgefeuerten Schalldruckgewehrs erklang. Eine Flut tödlicher Schallwellen wälzte sich durch den Raum, ließ Kisten zu Splitter zerbersten, brachte Fässer zum Platzen und hielt genau auf sie zu.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 14

Montag, 22. November 2010
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Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

14

„Hände hoch, Mädel“, wiederholte die schnarrende Stimme des Halbmenschen, der die zweiköpfige Patrouille führte. Seine grobschlächtige Gestalt und die goldenen Venen, die sich unter der hellen Haut abzeichneten, wiesen darauf hin, dass er Phulbinerblut – oder besser Edelmetall – in seinen Adern trug.

Tera bedeutete Narbatur mit einer Geste, die durch die Kisten vor den Blicken der Patrouille verborgen blieb, außer Sicht zu bleiben und trat in die Gasse. Sie hob die Arme und Narbatur brauchte einige Sekunden, um sich von dem Anblick, den ihre schlanke Figur dabei bot, loszureißen. Er linste zwischen den Kistenstapeln an der Wand hindurch. Der zweite Wachmann sah dem ersten zum verwechseln ähnlich. Zwillinge vermutlich. Beide trugen einfache Arbeiteroveralls am stämmigen Körper und klobige Schalldruckgewehre in den Händen. Diese Waffen waren wegen ihrer Tendenz, eine Menge Kollateralschaden zu verursachen, auf Adamant verboten. Er könnte die beiden auf der Stelle einlochen … aber das würde die Leute im Innern der Halle alarmieren und sie fänden nie heraus, was der Lastgleiter hier abgeliefert hatte. Also wartete er noch ab, während die Patrouillenbrüder sich einen wollüstigen Blick zuwarfen und näherkamen.

„Was macht ein hübsches Mädchen wie du in einer schmutzigen Gasse wie dieser?“, fragte der vordere und lachte grunzend.

Narbatur musste ein Aufstöhnen unterdrücken. Tera machte einen Schritt vor, um die beiden abzufangen, bevor sie um die Kisten herum waren und Narbatur sehen konnten. Der schloss kurz die Augen, lauschte, und konzentrierte sich ganz auf seinen Körper. Hörte das Blut rauschen, während Tera erklärte: „Muss mich verlaufen haben. Ich suche einen Schönheitssalon.“

Narbatur spürte, wie die Kraft, die ihn seit seiner Jugend begleitete, in seine Gliedmaßen floss und ihn schneller, stärker, geschickter machte.

„Hast du doch gar nicht nötig!“, sagte der hintere Bruder und der vordere setze hinzu: „Ich bin sicher, wir finden was Besseres, was du in der Zeit machen kannst.“

„Sowas zum Beispiel?“, fragte Tera und aus dem Augenwinkel sah Narbatur sie vorschnellen. Der vordere Bruder keuchte schmerzerfüllt auf. Narbatur unterdrückte einen Fluch und war schnell wie eine Grenzzeitwelle um die Kisten herum, so dass der Halbphulbiner keine Zeit hatte, über seinem verdrehten Arm ganz in sich zusammenzusinken.

Narbatur nutzte den gekrümmt dastehenden als Trittbrett, sprang in die Luft und trat dem zweiten Bruder gegen den Kopf, als dieser gerade die Waffe hob. Er ging mit einem Sprühregen goldenen Bluts aus dem Mund zu Boden. Narbatur wirbelte sofort herum, sichelte dem anderen die Beine unterm Körper weg und schlug ihn noch im Fallen ebenfalls K.O.

„Man, du bist schnell!“, staunte Tera beeindruckt und Narbatur ließ einige flirrende Tritte in die Luft schnellen, bevor er die Energie wieder freigab. „PSI“, erklärte er stolz und bückte sich, um die Waffen aufzuheben, an die Wand zu lehnen, und mit einem weiteren Tritt zu zerschmettern. Nur leider taten sie ihm nicht den Gefallen, zu brechen. Er trat noch einmal zu, wieder ohne Effekt, und seufzte dann.

„So kann man einen guten Eindruck versauen“, erklärte er mit einem verlegenen Lächeln und zuckte mit den Schultern.

Tera trat vor, besah sich die Gewehre kurz und trat dann zu. Mit lautem Krachen brachen sie durch und Spulen und Relais regneten heraus. „Alles eine Frage der Statik“, erklärte sie mit einem koketten Lächeln und wies dann auf den Kistenstapel: „Wollen wir?“

Narbatur musterte die Frau einen Augenblick, gefangen in einer Mischung aus Bewunderung und verletztem Stolz, dann nickte er und machte sich daran, den Stapel zu erklimmen. Wenig später ließ er sich nach einem kurzen Blick durch die halbdunkle Lagerhalle auf der Innenseite leise zu Boden fallen. Tera folgte ihm, elegant wie eine Katze, und gemeinsam näherten sie sich der Mitte der Halle, in der mit auf- und abschwellendem Summen der Gleiter schwebte. Er stand unter einer grellen Lampe und einige Mukfeli luden leise murrend unbeschriftete Kisten ab. Die kräftigen Wesen trugen die großen Plastikbehälter mühelos auf ihren langen Armen und ihre Hornplatten schimmerten im Licht der Lampe. Wann immer sie eine Kiste aufgestapelt hatten, ließen sie sich auf alle viere fallen, und eiltem einem Affen ähnlich zurück. Um ihre dicken Hälse lagen blinkende Bänder, die zweifelsohne mit dem Steuerarmband des in lange, rote Gewänder gekleideten K’schigoten verbunden waren, der neben dem Gleiter stand.

Tera stupste Narbatur an und wies auf die Fässer, hinter denen sie sich gerade versteckten. Große Warnaufdrucke wiesen sie als brandgefährlich, giftig und explosiv aus.

Er blickte sich um und sah überall in der Halle immer wieder kleine Gruppen dieser Fässer zwischen den Kisten stehen. „Oh Mist!“

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Beta wies triumphierend auf eine junge Menschenfrau, die gerade von zwei kräftigen Sicherheitsmännern abgeführt wurde. Sie warf sich wütend in die Antigrav-Schellen, die ihre Hände über dem Kopf hielten, und wären ihre Beine nicht mit einer kurzen Kette zusammengebunden gewesen, hätte sie vermutlich wild um sich getreten. Sie hatte sogar etwas Schaum am Mund.

Alpha nickte und gab zu: „Du hattest Recht, das ist wirklich eine von ihnen.“ Er holte das kleine Kästchen hervor, schaltete es ein und nahm den Scanstift in die Hand.

„Dann wollen wir mal!“ Er hielt zielstrebig auf die Frau zu. Beta folgte ihm auf dem Fuße, sah sich aber nach Gamma um. Er entdeckte ihn einen Augenblick später an einem kleinen Stand für Gebäck. Die pausbäckige, alte Vulbrinaverkäuferin lehnte sich eben über die Kante, um ihm über den haarlosen Kopf zu streichen und ihm einen Keks zu schenken. Gamma war überall auf der Station bekannt wie ein bunter Hund und nutzte es schamlos aus, dass er als eine Art Ziehsohn des Kommandanten bekannt war. Und man konnte ihm nicht einmal böse deswegen sein.

„Aus dem Weg, Kleiner“, hörte er die dröhnende Stimme des menschlichen Sicherheitsmannes. Er hatte die großen, dunklen Augen, die man oft bei Bewohnern der Dunkelmilch-Kolonie fand.

„Sonderermittlung“, verkündete Alpha mit dem Brustton der Überzeugung, trat an die Frau und hielt ihr den Scanstift unter die Nase.

Die andere Wache, ein untersetzter Boldimot, ließ zwei seiner acht Tentakeln vorzucken und zog Alpha aus dem Weg, als die Gefangene beide Beine hochriss, um ihn zu treten. Kopfüber an den Beinen gehalten baumelte Alpha im Griff des Sicherheitsmannes und las in aller Seelenruhe das Ergebnis ab.

„Seltsam“, sagte er, wurde abgestellt und sowohl Haupt- als auch Nebenkopf des Boldimot wurden missbilligend geschüttelt und setzten das gallertartige Fleisch seines zähen Körpers in Bewegung.

Beta eilte zu ihm und zerrte ihn aus dem Weg, damit die Sicherheitsleute ihre Gefangen wegführten konnten.

„Was ist seltsam?“, fragte er dann. Gamma kam unterdessen wieder zu ihnen geschlendert, den Mund voll, die Lippenfasern von Zuckerguss verschmiert, und erklärte: „Die nette rote Frau hat mir ein Gebäckstück, rund, mit verflüssigtem und erkaltetem Zucker … aus Rüben oder Zuckerrohr durch auskochen … erhitzen über 100 Grad … Maßeinheit …“

Beta nahm Gamma bei den Schultern und schüttelte ihn ein bisschen. „Gamma! Kaskade!“

Sein Bruder blinzelte einige Male verwirrt, war aber aus der gefährlichen Assoziationskette befreit und fing sofort wieder an zu lächeln. „Das war leeeecker!“, erklärte er und rieb sich den Bauch.

Beta seufzte und tätschelte ihm die Wange, um sich dann zu Alpha umzudrehen, der noch immer die Anzeige des Gerätes studierte. „Alles da, erhöhte Stresshormonwerte, Inhibitionsgrenzensenkung … diese Frau hat definitiv die neue Droge genommen.“

„Aber?“, fragte Beta und Alpha sah auf.

„Aber keine Spur von den Sahtpheromonen!“

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Narjanka schlug die Tür zu und genoss für einen Augenblick den typischen Geruch eines neuen Gleiters. Er wurde stark vom Aroma des Hochleistungsklebers geschmälert, mit dem die reparierten Teile angebracht wurden, aber an Tagen wie diesen musste man das Glas halbvoll sehen.

Dann schnaubte er, als ihn das Verhalten seines Kollegen wieder einholte. Der Junge war zu einfach mit einem hübschen Gesicht um den Finger zu wickeln. Es war Irrsinn, da einfach so einzusteigen, gerade jetzt, wo die Lage so aufgeheizt war.

Narjankas Kommunikator piepste in schneller Folge und das rote Signallicht, das er für Gosens Anrufe programmiert hatte, erhellte das Gleiterinnere. Na klar, wann, wenn nicht jetzt.

Narjanka hob das Gerät so an, dass die Holokamera ihn gut erfasste, atmetet durch und meldete sich.

„Gosen hier“, erklärte der Kommandant überflüssigerweise, denn sein Gesicht wurden kristallklar auf den Holoschirm von Narjankas klobigem K’schigotengerät übertragen.

„Ich möchte, dass Sie sich einer Sache annehmen, die mir gewaltig stinkt“, kam er gleich zur Sache.

„Rufen Sie sich die Berichte der Girbals auf, darin finden Sie Informationen zu einem tödlichen Überfall. Damit scheint ein abtrünniger Sicherheitsmann in Verbindung zu stehen, Alimaajas, Sie kannten ihn glaube ich?“

Narjanka nickte: „Sind uns hier und da über den Weg gelaufen. Was hat er angestellt?“

Gosen musterte ihn kurz nachdenklich, dann sagte er: „Planquadrat 14-7 mit einer Bombe in die Luft gesprengt.“

Narjanka pfiff an seinen Hauern vorbei. Das passte so gar nicht zu einem Vulbrina, und zu Alimaajas schon gar nicht. Der Mann war immer so hilfsbereit und um andere besorgt gewesen.

„Ja, ganz recht“, sagte Gosen und ahmte seinen Pfiff nach. „Wo ist Segler?“

Narjanka bemühte sich, nicht schneller zu atmen und den Blick weiter auf den Schirm zu halten. „Er ist schnell was holen … wegen dieses anderen Falls.“

Gosen zog eine Augenbraue hoch, zuckte dann aber mit den Schultern und befahl: „Holen Sie ihn und bewegen Sie Ihren überbezahlten Hintern. Sie suchen mir diesen Kerl hier – der steckt da mit drin, und ich will wissen, wie!“

Gosen drückte einen Knopf und während eine Zeichnung von einem Fleutar auf dem Bildschirm erschien, wurde die Verbindung beendet.

„Leck mich am Hauer“, stieß Narjanka erfreut aus. „Diesen Mistkerl kenne ich doch!“

Raumhafen Adamant – Ratschlag 13

Montag, 15. November 2010
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Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

13

Alpha hielt den dünnen Scanstift in die Luft wie ein Schwert und rief: „Heureka!“

Dabei zog er leider das Kabel an dem Scanner so straff, dass es den Analysekasten von der Behandlungsliege zog und Beta vorhechten musste, um ihn aufzufangen.

Er warf seinem Bruder einen vorwurfsvollen Blick zu und fragte: „Und damit können wir jetzt die Droge aufspüren?“

„Falsch!“, rief ihm Alpha triumphierend entgegen. „Damit können wir die Pheromone aufspüren, die mit dem Missbrauch der Droge einhergehen!“

„Und das nützt uns wie genau?“, fragte Beta und drückte seinem Bruder den Kasten in die Hand, der ihn an seinem Overallgürtel befestigte.

„Wir suchen uns jetzt jemanden, der die Droge in sich trägt, damit wir die Auswirkungen studieren können. Endlich mal wieder ein echter Forschungsauftrag!“

Beta verzog das Gesicht. Wenn sein Bruder so etwas sagte, bedeutete das immer Ärger.

Milkam glaubte, sein schadenfrohes Grinsen müsse so breit sein, dass es jeden Moment seine eingeschränkte Mimik platzen ließe.

„Du hast mich fast zu Tode erschreckt“, beschwerte sich Sareil zum wiederholten Male. „Ich dachte, der Sicherheitsmann wäre zurückgekehrt, um den Job zuende zu bringen.“

„Jaja“, sagte Milkam und richtete sich wieder auf. „Jetzt komm raus, damit wir uns dieses TRAD vornehmen können!“

„Ich bin sicher, man kann diesen Körper …“, setzte Sareil an, verstummte dann aber und kroch aus dem Kopf des modernen, aber völlig demolierten Roboterkörpers in den Nährstoffbehälter hinüber. Milkam musste ein gehässiges Lachen unterdrucken, als er das durchsichtige Röhrchen von dem teuren Körper abschraubte, in die Ecke ging und ihn in den klobigen, viereckigen Kopf von Sareils neuem Körper steckte. Wobei neu nun wirklich das letzte Wort wäre, mit dem man diesen Körper beschreiben würde. Die ehemals silberne Lackierung war an diesem knapp anderthalb Meter hohen Klotz schon weitgehend abgeblättert und darunter kam die stumpfgraue Grundierung zum Vorschein. Auf kastenförmigen Beinen saß ein kastenförmiger Körper und darauf ein kastenförmiger Kopf mit einfachen Sensoren und einem Mund, der nur aus einem leuchtenden Strich bestand. Milkam hatte das Ding von einem Schrotthändler erstanden, eigentlich als Ermahnung daran, dass es immer noch schlimmer kommen konnte. Dass sein Bruder jetzt gezwungen war, dieses Ungetüm zu bewohnen, bis der Ersatzkörper eintraf, war süße Ironie.

Sareil glitt in den Kopf hinein und Milkam schraubte das Röhrchen ab. Doch nichts geschah. Natürlich, dachte er und schlug sich vor die Stirn. Einschalten!

Er beugte sich vor, hob den Arm des Roboterrelikts an und legte den dort verborgenen großen Kippschalter um.

Ein lautes Summen erklang und der Körper zitterte einige Male, während das System sich mit Piepsen und Rattern initialisierte. Dann hob er die Hände mit den Greifklammern vor die gelben, scheinwerferartigen Augen und eine blechern klingende Stimme sagte: „Das ist ein Scherz, oder?“

„Keineswegs. Das ist der einzige sahttaugliche Körper den ich auf die Schnelle auftreiben konnte.“

„Es gibt auf ganz Adamant keinen besseren Körper?“, fragte sein Bruder empört und ungläubig zugleich.

„Doch, Dutzende. Aber du kannst dir keinen davon leisten und ich werde keinen KEB dafür ausgeben. Nenn es ausgleichende Gerechtigkeit.“

„Ich nenne es Schikane! Was ist mit dem Kebill-Ersatzkörper?“

„Ist beantragt. Kommt sicher bald. Ich warte ja auch erst seit vier Jahren auf meinen!“, feixte Milkam und klopfte dem laufenden Viereck auf den Kopf. „Wenigstens hat er schon direktes Feedback.“

„Ja, aber es fühlt sich an, als wenn man in einer Turbine sitzt.“

„Du kannst gerne auch in einem Nährstoffbottich warten, bis sich etwas Besseres ergibt?“

Jetzt hob sich das flache Gesicht und Sareil sagte wütend: „Nein, wir müssen Girbal rächen.“

„Du meinst natürlich, bei der Aufklärung des Mordfalls helfen, nicht wahr?“, sagte Gosen streng. Er war unbemerkt in die technische Abteilung gekommen und stand jetzt, die Beine schulterbreit, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, aufrecht vor ihnen.

„Wenn dir das lieber ist“, gab Sareil barsch zurück.

„Das ist es mir in der Tat. Denn sonst müsste ich euch beide wegen Verdacht auf Planung einer Straftat und Vigilantismus festnehmen lassen.“ Er schüttelte leicht den Kopf.

„Sicher, alles streng nach Gesetz“, schaltete sich Milkam ein und trat zum Kommandanten. „Du bist sicher wegen der Bombe hier?“

„In der Tat. Ein erster mündlicher Bericht tut Not, irgendwie muss ich dem Konsortium ja das Raumschiffgroße Loch in der Außenhülle erklären. Das alles zerstreut die Sicherheitsbedenken der Verantwortlichen beim Rat nicht eben.“

Miklam zuckte mit den Schultern. „Wir haben die Bombe da nicht hingelegt.“

Er berichtete dem Kommandanten, was vorgefallen war und Milkam tat es ihm gleich. Als er alles erfahren hatte, nickte Gosen einmal knapp und streckte die Hand aus. „Das TRAD!“

Sareil wollte widersprechen, es an sich nehmen, aber zum ersten Mal seit vier Jahren war Milkam schneller als sein Bruder, und er genoss es! Mit einer raschen Bewegung hob er das TRAD auf und reichte es Gosen, der es anschaltete und auf den Bildschirm blickte.

„Verschlüsselt“, sagte er, wenig überrascht und reichte das TRAD an Milkam zurück, obwohl auch Sareil die Klammer danach ausstreckte.

„Mo’krat soll sich das mal ansehen. Das ist jetzt eine offizielle Ermittlung und ich ernenne euch zu Laienermittlern. Das gibt euch praktisch keinerlei rechtliche Befugnisse, aber ich kann euch auf dem Laufenden halten. Ich werde zwei meiner Männer drauf ansetzen!“

Milkam nickte und winkte seinem Bruder, der sich langsam und mit steifen Gliedern in Bewegung setzte. „Ich brauche Öl“, beschwerte er sich und Milkam las im Gehen eine Ölflasche auf.

„Gleich im Fahrstuhl“, sagte er mit unverhohlener Schadenfreude.

Narbatur glitt über die Motorhaube des Gleiters, dessen Hinterteil nun einen erkennbar anderen Farbton hatte, und stieg ein. „Man sieht fast nix“, sagte er und versuchte den Spott aus seinem Tonfall zu halten.

Narjanka sah ihn einen langen Augenblick an, wollte eben etwas sagen, da ging eine der hinteren Türen auf und Tera glitt mit einer anmutigen Bewegung hinein.

„Ich bin da, kann losgehen“, sagte sie und wies schräg in den Himmel über der Stadt Versammlung, in dem immer wieder Gleiter und Shuttles vorbeischossen. „Vielleicht warten wir oben? Dann sehen wir besser, wohin sie sich aufmachen.“

„Was wird das denn, Mädchen?“, grollte Narjanka und drehte sich zu ihr um.

„Ich komme mit“, betonte die Erdenfrau, verschränkte die Hände vor der Brust und zog einen süßen Schmollmund.

Ich glaube, ich bin verliebt, dachte Narbatur entzückt.

„Das glaube ich kaum“, sagte Narjanka und wollte aussteigen, vermutlich, um die Frau aus dem Auto zu ziehen, aber da rief sie: „Da, das ist der Laster!“

Narjanka fluchte, ließ sich wieder in den Sitz fallen. „Raus!“, rief er noch einmal, aber die Frau aktivierte stattdessen die Antigrav-Sicherung. „Fahr zu“, mahnte Narbatur grinsend, der sich über eine Gelegenheit freute, weiter mit der Frau zu flirten. „Sonst sind sie weg.“

Narjanka fluchte erneut, ließ den Gleiter dann aber abheben, um sich in einiger Entfernung hinter den Laster zu setzen.

„Die haben Ihren Gleiter aber schnell wieder hingekriegt“, kommentierte Tera von der Rückbank und Narbatur musste ein Lachen unterdrücken.

„Dünnes Eis, Kleine“, grollte Narjanka und flog einen Bogen um ein großes Versammlungsgebäude. Er ließ sich etwas zurückfallen, um dem Fahrer des graublauen, unbeschrifteten Frachtgleiters nicht aufzufallen. „Hat mich einen Großteil meiner Ersparnisse gekostet.“

„Die Farben sind nicht ganz …“ , setzte die Frau an, aber Narbatur bedeutete ihr mit einer Geste, das Thema ruhen zu lassen. Sie lächelte ihn breit an und ließ sich wieder in den Sitz fallen.

Sie folgten dem Gefährt einige Zeit über den Planeten hinweg, bis es schließlich über der Smaragdstadt zu sinken begann. Die Wohnsiedlung glich von oben einem Spiegelei. In der Mitte lagen die ansehnlichen, teuren Wohnhäuser, darum lag ein größerer Rand einfacher, billigerer Wohnstätten ohne Schmuck und am Rand war sie ausgefranst, wo noch immer unablässig gebaut wurde. Der Frachter hielt auf ein solches Randgebiet zu und kam neben einer Lagerhalle zum stehen, in der vermutlich Baumaterial zwischengelagert wurde. Narjanka flog darüber hinweg, und landete zwei Straßen weiter. Bis sie, die unerschütterliche Bauarbeiterin noch immer im Schlepptau, an der Halle ankamen, war von dem Frachtgleiter nichts mehr zu sehen, aber aus dem Inneren erklangen Geräusche. Es wurde offenbar abgeladen.

„Ich fordere einen Durchsuchungsbefehl an“, verkündete Narjanka und zog seinen Kommunikator, um dann zu wispern. „In der Zwischenzeit kannst du das Mädchen da loswerden.“

„Lass sie doch. Ich habe ein gutes Gefühl bei ihr“, widersprach Narbatur. Immerhin hatte sie ihm bereits das Leben gerettet.

„Wo das Gefühl herkommt, wissen wir doch wohl beide“, sagte der Hakhasu und warf einen deutlichen Blick auf seinen Schritt. „Was glaubst du machen die mit uns, wenn wir hier eine Zivilistin mit reinschleppen?“

„Jetzt entspann dich mal. Die Frau kann auf sich selbst aufpassen.“

„Mag sein, aber du nicht mehr, wenn sie in der Nähe ist.“ Damit wandte sich Narjanka ab und begann zu telefonieren.

„Vielleicht sollten Sie wirklich besser …“

„He, Sie können jede Hilfe brauchen, die Sie kriegen können. Außerdem …“ Sie hob ein Bein an und machte im Stehen einen Spagat an der Außenwand der Halle, wobei sie ein sehr hübsches Bein entblößte. „Bin ich flexibel.“

Narbatur klappte den Mund wieder zu und nickte wie betäubt, während sie das Bein wieder absetzte. In diesem Moment kam Narjanka zurück. „Ein Sonderermittler Kkim ist jetzt wohl für den Fall zuständig und hat unser Gesuch abgelehnt. Er sieht keine Gefahr im Verzug und rät uns, einen Richter zu bemühen. Verdammte Jasa Apokato! Man hat nichts als Ärger mit ihnen.“

Narbatur überging den latenten Rassismus des Hakhasu. Seine Spezies war seit langer Zeit mit den Jasa Apokato verfeindet, da blieb so etwas nicht aus.

„Dann schauen wir einfach mal so rein“, schlug Tera vor. „Nur mal rasch einen Blick reinwerfen. Muss ja keiner wissen.“

„Das ist Hausfriedensbruch.“

„Da hat er Recht“, bekräftigte Narbatur seinen Kollegen.

„Aber vielleicht können wir herausfinden, was die da drin machen. Was der Dicke mit der Sache zu tun hat.“ Sie warf einen prüfenden Blick auf den Hakhasu, ob er den Köder schluckte. Er tat es nicht. „Das bleibt ein Verbrechen, und damit könnten wir dem Mistkerl ein Schlupfloch bieten.“

„Oder ihn festnageln“, widersprach Narbatur, durch dessen Adern bereits das Adrenalin der Vorfreude pulsierte. Endlich mal wieder etwas Aufregendes machen!

„Nein, wir fahren jetzt aufs Revier und beschaffen uns von anderer Stelle einen Durchsuchungsbefehl.“

„Bis dahin sind die längst weg“, wandte die Frau ein. „Wir müssen sie in flagranti erwischen!“

„Wo?“, fragte Najanka, dem die irdische Redensweise nicht vertraut war.

„Auf frischer Tat“, erklärte Narbatur. „Komm, wir steigen da jetzt ein.“

„Mach was du willst“, grollte Narjanka und wandte sich ab. „Ich verschwinde. Wenn du in dein Unglück rennen willst, bitte.“

Narbatur sah seinem Kollegen nach und zögerte. Dann sah er zu der Frau, die auf ein offen stehendes Fenster über ihnen deutete. Ein Kistenstapel lehnte davor an der Wand und bot einen perfekten Einstieg an. Narbatur drehte sich ihr zu und sah Narjanka dabei noch wütend um die Ecke davonstapfen.

„Alter Dickkopf“, sagte er tadelnd und wies zum Fenster. „Nach Ihnen.“

Tera blickte auf ihr Kleid, sah ihn dann verschmitzt lächelnd an und winkte tadelnd mit dem Zeigefinger. Er lachte und machte sich daran, die Kisten zu ersteigen. In dem Augenblick erklang eine laute Stimme: „He! Hände hoch!“